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Die Erfolgsgeschichte geht weiter

Firma Hightex in Klipphausen baut für Millionen eine neue Halle und fertigt Textile Halbzeuge für A 350, BMW und Trägerrakete Ariane 6...

Ein großer Tag für die Firma Hightex im Gewerbegebiet Klipphausen und für die Gemeinde und den Landkreis Meißen: Am 21. Juli 2019 wurde mit einem symbolischen Spatenstich der Auftakt für den Bau einer weiteren modernen Fertigungshalle mit 3 500 Quadratmetern Produktionsfläche und einem 700 Quadratmeter großen Büro- und Sozialbereich vollzogen. Gleichzeitig feierte die Hightex Verstärkungsstrukturen GmbH ihr 20-jähriges Bestehen, wozu Geschäftspartner, Kunden und Vertreter aus Wirtschaft und Politik zugegen waren.

Im Firmengelände in Richtung Autobahn entsteht jetzt der Neubau, der Mitte nächsten Jahres fertig sein soll. Allein über 5,5 Millionen Euro werden in den Bau investiert. Hinzu kommen noch weitere Millionen für Maschinen und Ausrüstungen. Das Bauunternehmen Goldbeck Ost GmbH, Niederlassung Sachsen, das seinen Sitz ebenfalls im Gewerbegebiet Klipphausen hat, ist hier Generalauftragnehmer.

Bauteile für Airbus

„Die Erfolgsgeschichte dieses Unternehmens geht weiter“, sagte der Meißner Landrat Arndt Steinbach (CDU) zur festlichen Veranstaltung. Hightex sei mit seinen Spitzenprodukten in der modernen Luft- und Raumfahrt sowie Automobilindustrie ein anerkannter Partner und Zulieferer für Branchen der Hightechindustrie in Deutschland, wo Leichtbau immer mehr gefragt sei. „Das stärkt den guten Ruf von Klipphausen, unseres Landkreises und des Landes Sachsen“, bemerkte der Landrat.

So fertigt dieser mittelständische Betrieb mit seinen 70 Beschäftigten textile Kohlefaser-Halbzeuge für Fensterrahmen und Fußbodenstrukturen für das Langstreckenflugzeug Airbus A 350. Mit seinen innovativen Technologien und Qualitätsprodukten ist Hightex auch für die BMW AG ein zuverlässiger Partner. Hier werden mit einem langfristigen Auftrag in der Serienfertigung für das Elektroauto BMW i3 Halbzeuge für den Seitenrahmen des Fahrzeuges hergestellt. Faserverbundwerkstoffe sind bedeutend leichter als Stahlkonstruktionen, haben aber gleiche oder sogar noch bessere Eigenschaften als herkömmliche Materialien.

Partner bedanken sich

Durch sein Know-how, das Weltspitze ist, etabliert sich Hightex auch in der internationalen Raumfahrtindustrie. In Klipphausen werden jetzt Halbzeuge zur Fertigung von Segmenten für die neue europäische Trägerrakete Ariane 6 hergestellt, die im nächsten Jahr starten soll. „Es sind Teile, die für die Lenkung der Rakete benötig werden“, sagte Hightex-Geschäftsführer Dr. Dirk Feltin. Die technischen Textilien von Hightex sind aber noch in vielen weiteren Produkten zu finden, wo Leichtbaustrukturen aus Carbon eingesetzt werden. Das betrifft zum Beispiel ein Kabinen-Trägerteil für einen Militärhubschrauber, Regalboden-Gitter für Hochtemperatur-Öfen oder auch Teile für Long- und Snowboards.

Gute Bestätigung, dass Hightex mit seinem Top-Management und einer zukunftsorientierten Herangehensweise Akzente setzt für wirtschaftliche Stabilität und eine klare Perspektive wurde auch in den Ansprachen von Partnern des Betriebes in der Feierstunde deutlich. So sagte Alexander Korch, Leiter der Komponentenfertigung der Elbe Flugzeugwerke Dresden: „Unsere beiden Firmen verbindet eine nunmehr schon langjährige Partnerschaft in der Luftfahrtindustrie bei der Herstellung von CFK-Strukturbauteilen für den Airbus 350 A. Diese ist zuerst geprägt von hoher Qualität und Lieferzuverlässigkeit. Was diese Partnerschaft aber so speziell macht, ist die Offenheit und das Vertrauen.“ Auch die gemeinsame Kreativität, wenn es um neue Märkte, neue Bauweisen und das notwendige Know-how geht, würden sehr geschätzt, wie der 46-Jährige weiter bemerkte.

Auch Dr. Thomas Wolff, Leiter Leichtbau und Technologiezentrum der BMW-Group in Landshut (Bayern), sprach sich anerkennend über diesen Hightech-Betrieb aus und lobte vor allem Zuverlässigkeit und Qualität der Produkte. „Immerhin sind das 2 000 Teile pro Tag“, sagte er. Und mit seinen innovativen Vorschlägen und Lösungen im Leichtbau mit Faserverbundstoffen sei das Klipphausener Unternehmen eng in die weitere Forschung und Produktion von Elektroautos der BMW AG eingebunden. So werde Hightex künftig auch Halbzeuge für den Seitenrahmen des neuen BMW i20 liefern.

Fördergeld gut angelegt

Auch zur SGL Composites GmbH in Wackersdorf (Bayern) hat Hightex ebenfalls eine enge Partnerschaft. Abteilungsleiterin Heide Brauer: „Für uns ist Hightex ein wichtiger Zulieferer. Pünktlich und qualitätsgerecht kommen die Teile“, meinte sie gegenüber dem Amtsblatt. Ministerialrat Peter G. Notnagel vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, der vorher viele Jahre Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen gewesen war, meinte gegenüber dem Amtsblatt, dass die bei Hightex investierten Fördergelder des Freistaates gut angelegt seien. Jörg Bechmann, Goldbeck-Niederlassungsleiter, versicherte, dass sein Unternehmen beim Neubau der Halle aus Betonfertigteilen gut mit Hightex zusammenarbeiten werde.

Ideengeber war dabei

Interessant für die Gäste, unter ihnen auch Dieter Schneider, Beigeordneter in der Gemeindeverwaltung Klipphausen, und Hightex-Gesellschafter Dr. Gliesche, war auch der kurze Abriss über die Entwicklung dieses mittelständischen Unternehmens in den vergangenen 20 Jahren. Die beiden Hightex-Geschäftsführer Jeanette Scherf und Dr. Dirk Feltin nannten hier bemerkenswerte Fakten. Der Betrieb war 1999 aus einer Forschungsgruppe des Dresdner Instituts für Polymerforschung hervorgegangen und hatte sich erst in Dresden-Niedersedlitz und 2006 im Gewerbegebiet Klipphausen angesiedelt.

Symptomatisch für den engen Kontakt des Unternehmens zu Forschungseinrichtungen und Universitäten war da, dass auch der einstige Ideengeber für die heutige Hightex-Spitzentechnologie, der Tailored-Fiber-Placement (TFP)-Technologie, Dr. Horst Rothe, mit zur Feierstunde anwesend war. „Ich bin stolz, wie meine Erfindung in der Praxis angewendet wird und danke Hightex dafür“, bemerkte der heute 90-Jährige, der früher im Dresdner Institut für Polymerforschung tätig war, gegenüber dem Amtsblatt. In wenigen Worten zusammengefasst beschreibt er seine Idee vor 20 Jahren des belastungsgerechten Aufstickens von Kohlefasern mit dem Einsatz von Stickmaschinen. Sein Verfahren entwickelte Hightex dann weiter, heute kommen für die Serienanwendung moderne 10-Kopf-Maschinen zum Einsatz. Geschäftsführerin Jeanette Scherf skizzierte das Vorgehen in der heutigen Produktion folgendermaßen: „Wir fixieren Kohlefaserstränge definiert mithilfe sehr dünner Nähfäden auf einem textilen Untergrund und formen dann diese dreidimensional um. Das spätere Bauteil entsteht anschließend durch das Durchtränken mit speziellen Kunststoffen bei unseren Kunden. Bei geringer Dichte sind die Materialien hochfest und steif.“

Hightex war in all den Jahren auf Wachstumskurs und expandierte. „Ab 2010“, so Dr. Feltin, „ging es steil nach oben.“ Zu einer anfangs angemieteten und später erworbenen Halle am Hamburger Ring kam 2014/15 eine weitere 2 000 Quadratmeter große Halle hinzu, wo die Produktion für die Flugzeugteile konzentriert wurde. Auch ein Sozialtrakt, unter anderem mit einer schönen Dachterrasse, entstand. Insgesamt investierte Hightex damals vier Millionen Euro in diese Erweiterung sowie in neue Anlagen und Maschinen, zum Beispiel Stickautomaten. Ferner richtete das Unternehmen in einer leerstehenden Halle an der Dresdner Straße, wo früher ein Büromöbel-Ausstatter seinen Sitz hatte, eine weitere Betriebsstätte für die vollautomatische Produktion von Komponenten für das BMW-Elektroauto ein. Weitere Millionen wurden investiert, die Zahl der Arbeitskräfte stieg. Die Firma, die in der vergangenen Zeit auch solche innovativen Produkte wie Roboterarme, Fahrradrahmen oder spezielle Sohlen für Wander- und Bergsteigerschuhe herstellte, ist heute ein anerkannter Serienfertiger für Technische Textile Halbzeuge für die Luftfahrt- und Automobilindustrie. Das Etablieren in verschiedenen Märkten gewährleistet auch perspektivisch wirtschaftliche Stabilität und Zukunftschancen. Dr. Feltin: „In den letzten beiden Jahren lag unser jährlicher Umsatz bei sieben Millionen Euro.“

Bei einem Rundgang machten sich die Gäste mit der Hightex-Produktion vertraut und sprachen mit Mitarbeitern. Im Luftfahrt-Bereich, wo Fensterrahmen für den Airbus hergestellt werden, sagte Schichtleiterin Ramona Kretschmann aus Klipphausen: „Ich bin seit zehn Jahren im Betrieb und gehe gern auf Arbeit. Wir haben sehr gute Arbeitsbedingungen. Auch das trägt dazu bei, dass wir mit unserem Unternehmen eng verbunden sind.“    

Überhaupt waren an diesem 21. Juli die Mitarbeiter des Betriebes die Hauptakteure. Denn nach der offiziellen Feierstunde gab es für sie später ein Fest zum 20-jährigen Betriebsjubiläum mit ihren Familienangehörigen. Bogenschießen, Segway-Fahren, Feuerwerk und anderes mehr machten viel Freude.

Und Hightex denkt nicht nur an sich. Es unterstützte das Projekt „Pausen-Brot - Schulfrühstück satt und gesund“ der Stiftung Soziale Projekte der Stadt Meißen mit 1 000 Euro. Hinzu kommen dafür noch 1 000 Euro vom Unternehmen Goldbeck und etwa 650 Euro, die Hightex-Partner gespendet haben. „Darüber freuen wir uns sehr“, sagte Christine Hauke, Vereins-Geschäftsführerin. Einmal in der Woche erhalten so 100 Schüler der Förderschule Coswig kostenlos ein gesundes Pausenbrot, aller zwei Wochen sind es etwa 200 Schüler der Pestalozzischule und des Berufsbildungszentrums Meißen. Außerdem hat Hightex Spielgeräte für die Kindertagesstätte „Regenbogen“ in der Gemeinde Klipphausen und für die Kita Alte Ziegelei in Meißen gesponsert.

Text und Fotos: Dieter Hanke, 28.06.2019