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Tapferes Schneiderlein ist im Ruhestand

Nach fast 40 Jahren in der Kommunalpolitik zieht sich nun Klipphausens Beigeordneter Dieter Schneider zurück...

Der Röhrsdorfer Pfarrer Christoph Rechenberg hatte wohl zur offiziellen Verabschiedung des Klipphausener Beigeordneten und Bauamtsleiters Dieter Schneider aus dem Arbeitsleben am 3. Juli 2019 die originellste Idee. Er schenkte ihm eine kürzlich von der Bundesrepublik herausgegebene 20-Euro-Gedenkmünze aus Silber. Darauf ist „Das tapfere Schneiderlein“, die beliebte Figur aus dem bekannten Märchen der Gebrüder Grimm, zu sehen. Wie mit Einfallsreichtum und Beharrlichkeit in dieser Erzählung das vermeintlich schwache Schneiderlein Großes vollbringt und Schwierigkeiten meistert, hat in übertragenem Sinne auch sein Namensvetter Dieter Schneider aus Taubenheim vieles geschafft. Der nun 62-Jährige hat in den vergangenen fast 40 Jahren mit Geschichte in den linkselbischen Tälern geschrieben. Er war zu DDR-Zeiten Bürgermeister in Röhrsdorf (seit Mai 1981), nach der Wende in Taubenheim und Triebischtal und seit Juli 2012 Beigeordneter und Bauamtsleiter in der Gemeinde Klipphausen. Nun ist er in den Ruhestand gegangen.

Erinnerungen ausgetauscht

Bei seiner Verabschiedung am 3. Juli im Verwaltungssitz der Gemeinde im Schloss Klipphausen kam es zu vielen herzlichen Begegnungen und Gesprächen mit Weggefährten, Freunden, Partnern aus Betrieben und Einrichtungen und natürlich mit seinen Kolleginnen und Kollegen in der Gemeindeverwaltung. „Ich bin überwältigt von der großen Resonanz, die mir entgegengebracht wurde. Dafür allen ein herzliches Dankeschön“, sagte er. Die vergangenen Jahrzehnte in der Kommunalpolitik hätten ihm viel Freude bereitet, aber auch allerhand Kraft gekostet, so dass er nun die kommunalen Aufgaben in jüngere Hände legen möchte.

An seinem letzten Arbeitstag im Schloss wurden zahlreiche Erinnerungen und Begebenheiten aus seinem reichen Arbeitsleben ausgetauscht. Da war zum Beispiel auch die Rede davon, wie er in den 80er Jahren in Röhrsdorf beim Wasserleitungsbau in der damaligen Volkwirtschaftlichen Masseninitiative (VMI) Bier und Limo herangekarrt hatte, um die Helfer bei Laune zu halten. Dass auch einst dort die Müllabfuhr organisiert wurde, Straßen saniert und nach der Wende, als er zum Bürgermeister in Taubenheim gewählt worden war, im Ort auch ein neues Feuerwehrgerätehaus entstand oder Seeligstadt erschlossen wurde mit Regen- und Schmutzwasserentsorgung, Gehwegen und Beleuchtung. Dieter Schneider freut sich auch darüber, dass das Miltitzer Jahnbad erhalten blieb und in die ehemalige Schule eine schmucke Kindertagesstätte einzog. „Die finanziellen Mittel waren oft bescheiden, die Wünsche dagegen groß – doch Gemeinderäte und Verwaltung waren immer bestrebt, den kommunalen Alltag für die Bürger zu verbessern. Das war auch meine Lebensmaxime“, sagte er rückblickend.

Einschneidende Erlebnisse

Zu den Ereignissen, die ihn sehr bewegt und auch betroffen gemacht haben, nennt er die Hochwasser 2002 und 2013 sowie den Starkregen 2014. „Es war frustrierend anzusehen, wie die Fluten solche immensen Verwüstungen anrichteten. Mit vielen Millionen musste das Zerstörte wieder aufgebaut werden“, bemerkte er. Noch bis zu seinem Ruhestand habe er sich um die Schadensbeseitigung an Brücken und Bachläufen gekümmert. Da sei er froh, dass gerade auch im Triebischtal die Brücken saniert oder erneuert wurden.

Ortszentrum noch offen

Aus seiner Sicht sei das Zusammenwachsen von Klipphausen und Triebischtal gut gelungen. „Zur weiteren Verbesserung der Abwasserentsorgung im Triebischtal haben wir nun auch die Weichen gestellt“, sagte er. Ohne Umschweife sprach er auch aus, was in seiner Amtszeit noch offen blieb und ihn bedrückt. „In Taubenheim ist es uns bisher nicht gelungen, das Ortszentrum neu zu gestalten.“ Und weiter: Zwar sei es eine Kreisstraße, doch deren miserabler Zustand in Taubenheim sei zu Recht ein großes Ärgernis der Bewohner.

Und der langjährige Kommunalpolitiker hält auch nicht hinterm Berg, was jahrelang die Kommune hemmte: „Der ländliche Raum wurde vom Freistaat hintenangestellt.“ Der Wirrwarr um den Bau der neuen Oberschule in Ullendorf sei da nur ein Beispiel. Oder die ausufernde Bürokratie, was unter anderem die Beantragung von Fördermitteln anbelangt, würde unnütz Kräfte in der Verwaltung binden.

Ihn ärgert auch, dass die kommunale Selbstverwaltung der Kommunen oft nur auf dem Papier steht und von übergeordneten Behörden ausgehebelt wird. „Da fragen sich Gemeinderäte und Verwaltung, was sie denn überhaupt noch allein entscheiden können“, so Dieter Schneider. Das würde zum Beispiel Bauanträge betreffen, wo der Landkreis das letzte Wort hat oder auch die Regionalentwicklung, wo Einwände und Vorschläge der Gemeinde einfach vom Tisch gewischt werden. „Da denke ich an die Baeyerhöhe, wo die Gemeinde gegen den Bau von Mega-Windrädern ist oder auch an die fehlende Anerkennung von Klipphausen im Regionalplan als Gewerbestandort“, meinte er.

Aus seiner Biografie

Im Februar 1957 wurde Dieter Schneider in Hohenmölsen, das zwischen Zeitz und Weißenfels liegt (einst Bezirk Halle, heute Bundesland Sachsen-Anhalt) geboren. In dieser Kreisstadt wuchs er auf, machte seinen Zehn-Klassen-Abschluss, lernte Elektromonteur und arbeitete einige Jahre im Braunkohlenbergbau in dieser Region. Später war er beim Rat des Kreises Hohenmölsen angestellt und erwarb von 1978 bis 1981 den Abschluss als Diplom-Verwaltungsangestellter an der Fachschule in Frankenberg bei Chemnitz. Beim Studium lernte er auch seine Frau kennen, die aus Taubenheim stammt, und heiratete 1980. Zunächst war er dann beim Rat des Kreises Meißen beschäftigt und ab 1. Mai 1981 als Bürgermeister in Röhrsdorf bis zur Wende. Am 1. Juni 1990 wurde er als hauptamtlicher Bürgermeister in Taubenheim gewählt, in dieser Funktion ab Mitte 1994 bis November 2003 ehrenamtlich tätig. Seit Februar 1995 arbeitete er als Bauamtsleiter in der Gemeinde Triebischtal, ehe er von Januar 2004 bis Ende Juni 2012 als Bürgermeister die Geschicke von Triebischtal lenkte. Nach dem Zusammenschluss mit Klipphausen am 1. Juli 2012 war er hier Beigeordneter und Bauamtsleiter.

Fan von Rammstein

Soweit diese biografischen Angaben, die nüchtern klingen. Und als Mensch, seine Freizeitinteressen – was gibt es da über Dieter Schneider, der einen Sohn und eine Tochter hat und in Taubenheim wohnt, zu sagen? Er ist seit Jahren ein großer Fan der Musikgruppe Rammstein, war auch bei ihrem kürzlichen Konzert im Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden dabei. „Ihre neue CD ist Spitze“, meinte er. Überhaupt ist der Taubenheimer sehr musikinteressiert. Ob nun Neil Young, die Band Eagles oder andere Rockgruppen - Dieter Schneider hört diese gern und fährt auch zu deren Konzerten in Deutschland. Er hat eine Garteneisenbahn, bastelt an der Modellanlage. Und er wandert gern mit seiner Frau, liebt besonders den Harz sowie die Seiser Alm in den Dolomiten (Südtirol). Früher bevorzugte er Skiabfahrten, heutzutage ist mehr Langlauf angesagt. Auch sein großer Garten in Taubenheim oder seine zwei Enkelkinder halten ihn auf Trab. Im August macht er mit seiner Frau Urlaub in Irland. Der 62-Jährige ist auch ein begeisterter Hobbyfotograf. „Ich habe noch viele Pläne. Langweilig wird mir da nicht“, bemerkte er. Und er möchte auch seiner Frau herzlich danken, dass sie ihm oft den Rücken frei gehalten hat, wenn die Kommunalpolitik ihn besonders forderte.

Zitate von Weggefährten

Zur Verabschiedung Anfang Juli im Schloss Klipphausen drückten ihm viele Weggefährten und Mitstreiter die Hand und bedankten sich bei Dieter Schneider. Das Amtsblatt fragte nach:

Landrat Arndt Steinbach: „Auf ihn war immer Verlass. Ein engagierter Kommunalpolitiker.“

Klipphausens Bürgermeister Gerold Mann. „Wir haben immer fair zusammengearbeitet und gemeinsam nach Lösungen im Interesse der Bürger gesucht.“

Gemeindekämmerin Silvia Kunas: „Wir schätzen an ihm, dass er gemeinsam mit uns kommunale Projekte vorbereitet und verwirklicht hat, die die Lebensqualität der Bürger verbessern, aber andererseits auch die Gemeinde nicht finanziell überfordern.“  

Stefan Hanschmann, Feuerwehrchef in Taubenheim: „Er hat die Belange der Wehr immer mit im Blick gehabt. Unser modernes Feuerwehrgerätehaus ist mit sein Verdienst.“

Steffen Horn, Bauabteilung Gemeinde Klipphausen. „Er hat zu DDR-Zeiten den Straßen-, Wege- und Wasserleitungsbau in Röhrsdorf angeschoben und die LPG da als Partner einbezogen.“

Uwe Riße, Bauunternehmer aus Sora: „Wir haben stets vertrauensvoll zusammengearbeitet.“

Andreas Uhlmann, Leiter des Klipphausener Gemeinde-Bauhofs: „Sein Wort hat gezählt. Schon als Bürgermeister in Röhrsdorf und Taubenheim hat er vieles für die Bürger bewirkt.“

Kreisbrandmeister Ingo Nestler: „Wir haben zusammen oft aus wenig Geld vieles gemacht. Dafür ein Dankeschön.“

Nossens Bürgermeister Uwe Anke: „Ein angenehmer Zeitgenosse. Wir hatten einen guten Draht.“

Gemeinderat Uwe Krause: „Was er gemacht hat, war solide. Vor allem auch für die Feuerwehren hat er sich engagiert eingesetzt.“

Volker Grafe aus Sora: „Er suchte kurze Wege, war auch immer ansprechbar, wenn zum Beispiel die Gemeinderäte Informationen oder Unterlagen benötigten oder mit einem Problem zu ihm kamen.“

Text und Fotos Dieter Hanke, 22.07.2019