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Bau der Oberschule geht gut voran

Im ersten Halbjahr 2020 sollen in Ullendorf Sporthalle und Schulgebäude rohbaufertig sein. Kaolin-Linse entdeckt.

Scherzhaft gesagt: Neben der neuen Oberschule auf Ullendorfer Flur könnte angrenzend auch eine neue Porzellanmanufakrur entstehen. Denn ein wichtiger Rohstoff für die Porzellanherstellung, und zwar Kaolin, ist gleich vor Ort vorhanden. „Eine sogenannte Kaolin-Linse kam bei den Erschließungsarbeiten für die Sporthalle zum Vorschein“, sagt der Meißner Architekt und Dombaumeister Dr.-Ing. Knut Hauswald, der zusammen mit der RBZ-Generalplanungsgesellschaft Dresden für die Planung dieses neuen Schulkomplexes der Gemeinde Klipphausen sowie für die Bauleitung den Hut aufhat. Allerdings sei dieses kleine Vorkommen an Porzellanerde mitunter durch Eisenoxide verunreinigt, was sich teilweise in gelbroten Verfärbungen äußert. Dieses Tonmineral verbleibt natürlich weiter im Boden für das Sporthallen-Fundament, aber für den naturwissenschaftlichen Unterricht der künftigen Oberschüler ist dieser Fund allemal interessant.

Weiße Masse wie Knete

Auch Polier Dirk Wanke von der HIW Hoch- und Ingenieurbau Wilsdruff GmbH, die den Rohbau für Sporthalle und Schulgebäude errichtet, hat schon einige Erfahrungen mit dieser Kaolin-Fläche gemacht. Allerdings nicht immer die besten. Nach Regen klebt die weiße Masse zäh an den Arbeitsschuhen. „Da haben wir richtige Batzen dran, alles wie Knete“, bemerkt der 41-Jährige aus Scharfenberg. Und bei großer Trockenheit würde das Mineral hart sein und stieben. Bei der enormen Staubentwicklung an den heißen Tagen auf der Baustelle wurde deshalb das Areal auch befeuchtet. Auf der Baufläche ist außer den Ton-Linsen sonst überwiegend Kiesboden. Laufwege wurden unter anderem mit Ziegelbruch befestigt. Folien an den Hängen der Sporthallen-Baugrube sorgen dafür, dass Erdabrutsche vermieden werden.

Konturen zeichnen sich ab

Doch insgesamt hat das Wetter bisher den Bauleuten gut zur Seite gestanden. „Wir kamen ordentlich voran, sind im Plan“, so der 58-jährige Dr. Hauswald. Als am 23. August Grundsteinlegung für den neuen Schulkomplex war, an dem auch Christian Piwarz (CDU), Sächsischer Staatsminister für Kultus, und weitere Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, teilnahmen, zeichneten sich die Konturen auf dieser Großbaustelle der Gemeinde Klipphausen schon gut ab. Besonders die Umrisse der einige Meter in den Boden eingelassenen Sporthalle waren bereits gut erkennbar.

„Etwa 1 800 Kubikmeter Aushub mussten insgesamt bewältigt werden“, sagt der Planer, der im Folgenden den Baustand erläutert. So sind jetzt an der Sporthalle die viereckigen Betonfundamente für die insgesamt 24 Dachstützen aus Betonfertigteilen errichtet. Jedes einzelne Fundament hat da in der Mitte ein Loch, wo ein Köcher aus Stahlblech eingesetzt wurde. „Voraussichtlich Ende Oktober werden dann mit dem Kran die angelieferten Stützen in die Köcher eingesetzt und montiert“, wie Bauleiter Christian Lorenz ergänzt. Ebenfalls fertig ist jetzt die Bodenplatte für den Sozialtrakt in der Sporthalle. Der Bau des Untergeschosses wird vorbereitet.

Ein eingespieltes Team

Beim angrenzenden Schulbau sind die Bauleute mitten bei Schalungsarbeiten für die Fundamente. Etwa Mitte Oktober soll hier die Bodenplatte errichtet sein. „Danach geht es mit der Montage der Wände im Erdgeschoss los“, fügt der 31-jährige Bauleiter Christian Lorenz aus Reinsberg an, der Zimmermann gelernt hat und seit neun Jahren bei HIW beschäftigt ist.

Bei der Baustellen-Stippvisite des Amtsblattes Mitte August in Ullendorf war zu spüren, dass hier alles Hand in Hand geht und ein eingespieltes Team am Werk ist. Auf etlichen großen Baustellen im Freistaat Sachsen waren Polier Dirk Wanke, der seit 2005 bei diesem Wilsdruffer Bauunternehmen tätig ist, und Bauleiter Christian Lorenz schon mit dabei. So zum Beispiel beim Bau der Laborgebäude in Nossen-Altzella für das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, bei der Errichtung des Technologie- und Gründerzentrums in Freital oder beim Wohnungsbau in Dresden und Leipzig. Der Scharfenberger Polier baute zum Beispiel auch im Dresdner Dynamo-Stadion an Gebäuden und Anlagen mit.

Die Bauleute um Christian Lorenz und Dirk Wanke freuen sich, dass in Ullendorf die Koordination des Baugeschehens gut klappt. „Die Planung ist super, die Technologie abgestimmt“, bemerkt der Polier. Die Bauarbeiter möchten so auch den Planern um Dr. Hauswald und der Gemeinde Klipphausen als der Bauherrin ein Dankeschön sagen.

Filigranarbeit ist nötig

Mitte August beim Besuch des Amtsblattes auf der Baustelle bugsieren gerade die Bauleute Thomas Uhlig, Falk Baensch und Jörg Arnhold einen großen Stahl-Bewehrungskorb mit dem Blechköcher in der Mitte in die Schalung für ein Sporthallen-Stützenfundament. Das ist Filigranarbeit, da gibt es an den Seiten kaum Luft. Thomas Uhlig, der Zimmerer und Kranfahrer ist, bedient die Fernbedienung für den etwa 20 Meter hohen Kran mit dem 48 Meter langen Ausleger, an dem die Last hängt. „Das ist nun das 22. Fundament für eine Hallen-Dachstütze. Insgesamt sind es 24“, bemerkt er. Das Ganze wird dann mit Beton ausgegossen. Noch ein zweiter Kran befindet sich auf dem Gelände, und zwar auf dem angrenzenden Areal für den Bau des Schulgebäudes. Dieser ist höher, hat eine Hakenhöhe von 26 Metern und einen Ausleger von 55 Metern.

Ein Bau für die Kinder

„Eine schöne Baustelle. Hier wird für Kinder eine neue Schule geschaffen. Auch den Eltern und der Gemeinde kommt ja dieses Vorhaben zugute“, meint der 33-jährige Thomas Uhlig, der seit 2010 bei HIW ist und in Batzdorf wohnt. In diesem Jahr wurde er übrigens Schützenkönig beim Scharfenberger Vogelschießen, und seine älteste Tochter Marie (6) kam jetzt in Naustadt in die erste Klasse der Grundschule. Auch Betonbauer Falk Baensch und Zimmerer Jörg Arnhold, die ebenfalls schon viele Jahre bei diesem Wilsdruffer Unternehmen beschäftigt sind und im Umland wohnen, sprechen sich anerkennend über das Vorhaben aus. „Der Bau lässt sich gut an“ sagt Jörg Arnhold. Und Polier Dirk Wanke hebt noch hervor, dass mit dieser Baustelle in Ullendorf viele kurze Arbeitswege haben, was von Vorteil für die Familien ist.

Der Scharfenberger kann nicht verstehen, warum einige Bürger in der Umgebung den Schulbau an diesem Standort ablehnen, weil sie nach ihrer Ansicht später Lärmbelästigungen befürchten. „Das ist zu kurz gedacht. Erstens hat ein unabhängiger Gutachter das ausgeschlossen, und zweitens geht es doch um Kinder, um unsere Zukunft und eine gute Ausbildung für sie. Da sollten jene Bürger nicht nur an sich denken, sondern mehr Gemeinschaftssinn an den Tag legen. Die Gemeinde hat sich doch über Jahre bemüht, eine Oberschule im Territorium zu errichten. Das verdient Anerkennung. Ich bin jedenfalls froh, beim Bau dieser Schule mit dabei zu sein“, sagt Dirk Wanke.

Fertig im Frühjahr 2021

Am 24. Juni 2019, so Dr. Hauswald, war in Ullendorf Baustart für den Schulkomplex gewesen. Archäologen hatten bei Grabungen bereits im Herbst 2018 am Standort keine Funde gemacht. Das ersparte zeitlichen Mehraufwand. Der Planungschef: „Der Zeitplan für den Baukomplex sieht vor, dass die Sporthalle im Februar nächsten Jahres rohbaufertig ist, der Schulbau dann Ende Mai 2020. Im Frühjahr 2021 soll der Schulkomplex fertig sein.“ Insgesamt werden 27 Gewerke die neue Bildungseinrichtung errichten. In diese werden dann Schüler der Evangelischen Oberschule Klipphausen, deren Träger der Christliche Schulverein Wilsdruffer Land ist, Einzug halten. In der zweizügigen Einrichtung sollen später mal über 300 Kinder lernen. Es sind zwölf Klassen mit voraussichtlich je 28 Schülern vorgesehen.

Kosten: 13 Millionen Euro

Das Großvorhaben hat seinen Preis. Für den würfelförmigen Schulbau und für die Sporthalle, die gleichermaßen von Schülern und Vereinen genutzt werden soll, sowie für Sportplatz und Freianlagen werden insgesamt etwa 13 Millionen Euro veranschlagt. Eine finanzielle Unterstützung für die Gemeinde: Ende vergangenen Jahres hatte das Sächsische Staatsministerium des Innern innerhalb des Programms Investive Sportförderung im Land Sachsen der Gemeinde Klipphausen einen Fördermittelbescheid über 1,718 Millionen Euro für den Neubau der Zweifeld-Sporthalle und des Kunstrasenplatzes übergeben. Die Gesamtkosten für die Halle liegen bei 4,6 Millionen Euro. Für den Bau des Schulgebäudes hat die Gemeinde Klipphausen ebenfalls einen Antrag auf Fördermittel gestellt. Doch da ist noch nichts entschieden. Das sächsische Kultusministerium befindet hier noch über eine Vergabe im Rahmen der Schulbauförderung.

Lernen im Ausweichquartier

Bevor die neue Oberschule auf Ullendorfer Flur fertig ist, werden zwischenzeitlich in einem Interimsquartier im Barackenkomplex an der S 177 in Ullendorf gegenüber dem Gartenbaumarkt Landmaxx Pädagogen und Schüler der Evangelischen Oberschule ihr Domizil haben. Knapp über 100 Mädchen und Jungen aus vier Klassen werden ab diesem Schuljahr 2019/20 dort unterrichtet, und zwar 52 Kinder der Klassen sechs und sieben und zwei Klassen mit Fünftklässlern, die ab diesem Sommer neu hinzukamen.

„Diese Baumaßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.“

 

(Text und Fotos Dieter Hanke)