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Sora wird deutschlandweit bekannt

Für die Sanierung und den Einbau eines multifunktionalen Raumes in der Soraer Kirche erhält die St.-Bartholomäus-Kirchgemeinde von der Wüstenrot-Stiftung einen Preis.

Sora ist mit seiner Kirche in die Schlagzeilen gekommen. Bundesweit als nachahmenswertes Beispiel. Am 21. September beim 29. Evangelischen Kirchenbautag in Erfurt wird Pfarrer Christoph RecPfarrerhenberg einen mit 5 000 Euro datierten Preis von der Wüstenrot-Stiftung entgegennehmen. Deutschlandweit hatten sich im Vorjahr 200 Kirchgemeinden an dem Wettbewerb „Land und Leute – Die Kirche in unserem Dorf“ beteiligt. 20 Projekte wurden vom Preisgericht ausgewählt. Das Soraer Vorhaben, das einzige aus Sachsen, kam auf den zweiten Platz. „Darüber freuen wir uns sehr. Es ist eine hohe Anerkennung für die Kirchgemeinde, für das Dorf Sora und die Gemeinde Klipphausen“, sagt Pfarrer Christoph Rechenberg. Denn in ganz Deutschland wird jetzt das Soraer Vorhaben bekanntgemacht und anderen zur Nachahmung empfohlen. So werden in einer Broschüre die 20 von der Wüstenrot-Stiftung ausgezeichneten Wettbewerbsteilnehmer vorgestellt. Zugleich wird eine Wanderausstellung über die Preisträger an verschiedenen Stationen in Deutschland gezeigt.

Die Empore verlängert

Die St.-Bartholomäus-Kirchgemeinde Röhrsdorf mit ihren etwa 800 Gliedern, zu der auch Sora gehört, verwirklicht seit Sommer 2017 ein bemerkenswertes Bauvorhaben. Nach Plänen des Architekten Uwe Gerschler aus Freiberg, der auch den KreuzganKircheg im Freiberger Dom wieder für die Öffentlichkeit zugängig macht, wurde bereits die Empore in der Soraer Kirche um etwa vier Meter in das Kirchenschiff verlängert. Der Vorteil ist zweifach: Einmal entstand mehr Platz auf der Empore, etwa 40 Stühle lassen sich dort künftig stellen. Nicht nur Posaunenbläser und Kirchenchor werden davon profitieren. Zum Beispiel könnten dort auch Orgelkonzerte stattfinden, bei denen die Besucher rings um den Organisten sitzen und so einen guten Einblick haben.

Mit Glasfaltwand abgeteilt

Doch das Wichtigste ist der neue separate multifunktionale Raum für 50 bis 60 Leute, der darunter entsteht, beheizt und mit einer Glasfaltwand zum Kirchenschiff abgegrenzt, die bei größeren Veranstaltungen geöffnet werden kann. Für Zwecke der Kirchgemeinde - für Christenlehre, Chor- und Posaunenprobe, Gottesdienste im Winter, Versammlungen und anderes. Das Gotteshaus kann so auch als Winterkirche genutzt werden.Zugleich eröffnet der multifunktionale Raum noch ganz andere Möglichkeiten für das Dorf mit seinen über 200 Einwohnern: Ein Ort für Konzerte, Ausstellungen, Gesprächsabende, Feiern, Hochzeiten und andere Dinge. Die Evangelische Oberschule Klipphausen will dort Projektunterricht der Schüler machen.

Fertig im Frühjahr 2020

Gerade diese originelle Idee hat die Wüstenrot-Stiftung veranlasst, Sora auszuzeichnen. Denn hier wird beispielhaft praktiziert, wie angesichts veränderter gesellschaftlicher Bedingungen, die auch einen Rückgang an religiöser Bindung mit einschließt, die Kirche als ein Mittelpunkt für den gesamten Ort aufgewertet wird. Die vorgesehene neue Nutzung lässt so einen Brückenschlag zwischen Tradition und Zukunft entstehen, stärkt den sozialen Zusammenhalt und bereichert den kulturellen Alltag und das Leben in diesem Dorf. Und da die Schaffung des multifunktionalen Raumes einhergeht mit der Sanierung des Innenraumes der Soraer Kirche wird auch in dieser Hinsicht das markante Bauwerk im Ortsbild weiter an Profil gewinnen. Pfarrer Christoph Rechenberg: „Wir wollen mit einem neuen Konzept unsere Kirche öffnen, attraktiver gestalten für das Arbeiten, Leben und Wohnen der Menschen auf dem Land. Damit machen wir die Kirche in Sora fit für die Zukunft.“ So gesehen gesellen sich zu dem jährlichen Turmfest in Sora, das schon eine große Resonanz von Besuchern findet, bald weitere attraktive Angebote. Im Frühjahr nächsten Jahres soll das Ganze fertig sein, wie der Pfarrer sagt. Es wird finanziert von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen und mit Eigenmitteln und Spenden der Kirchgemeinde. Dass Mitglieder der St.-Bartholomäus-Kirchgemeinde und weitere ehrenamtliche Helfer engagiert bei den Bauarbeiten mit zupacken, um die Kosten zu begrenzen, zeigt, dass dieses neue Projekt von der Gemeinschaft gut angenommen wird.

Altarbild restauriert

Doch der Umbau in der Soraer Kirche schließt nicht nur den neuen multifunktionalen Raum ein. Bekanntlich war Ende des Zweiten Weltkrieges die Kirche durch Granaten und Gewehrfeuer und weitere Zerstörungen erheblichAltarbild in Mitleidenschaft gezogen worden. So war damals auch die große Predella, der untere Teil des Altarretabels, das das letzte Abendmahl von Jesu darstellt, zerschnitten worden. Karl Christian Andreae hatte dieses Ölgemälde 1874 gemalt. Das Bild war nach dem Krieg über Jahrzehnte eingelagert. Ute Schreiber aus Großdobritz restaurierte nun dieses Werk, das zwei Meter breit und etwa 1,40 Meter hoch ist. Es wird künfig auf dem Altar stehen, so der Pfarrer. Die Sparkasse Meißen und die Gemeinde Klipphausen finanzierten die Restaurierung des Bildes, die 3 000 Euro gekostet hat. Wie der Pfarrer weiter informierte, wird darüber an der Altarraumwand künfig das bisherige Altarbild, das Jesu beim Segnen von Kindern zeigt, seinen Platz haben. Ganz oben an der Wand wird dann auch die geschnitzte Taube als Symbol für den Heiligen Geist, die früher an der Orgel hing, befestigt werden. Neu bei diesem Gesamtvorhaben wird außerdem sein, dass zwei bislang zugesetzte Fenster an der Ostfassade über dem Altar demnächst wieder geöffnet werden. Die stark beschädigten Bleiglasfenster werden eingelagert. Es kommt Glas an deren Stelle wie bei den anderen Fenstern in der Kirche.

Tischler und Maler am Werk

Von Vorteil für den Umbau ist, dass es in der Soraer Kirche nur wenige historische Einbauten gibt. Denn bereits 1874 war die barocke Kirche umfassend entkernt und im Stil der damaligen Zeit modernisiert worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Bauwerk schlicht renoviert. Zum derzeitigen Stand: Im multifunktionalen Raum ist die tragende Konstruktion aus Holz und Stahl eingebaut. Der Raum, der einen hellen Anstrich erhält, wird seit einiger Zeit komplettiert. Eine Brandschutzdecke wird noch angebracht, die Beleuchtung installiert. Auch alle Türen im Kirche SoraMultifunktionsraum (Farbe grau) werden in Kürze eingebaut. Neben dem Kircheneingang links ist nun eine Garderobe, gegenüber im Multifunktionsraum wird separat eine kleine Küche eingerichtet. Der Auftrag für die Montage der Glasschiebewand wurde erteilt, wie der 59-jährige Pfarrer mitteilt. Im Kircheninneren ist der neue Fußbodenunterbau fertig, der Estrich eingebracht. Der Belag im multifunktionalen Raum und im weiteren Kirchenschiff werden hellbraune Natursteinplatten aus Mittelfranken sein. Die bekannten Solnhofer Platten sind wärmedämmend, strapazierfähig und schmutzabweisend, auch eine ideale Kombination mit der Fußbodenheizung im multifunktionalen Raum. Im Sockelbereich und an anderen Stellen in der Kirche wurde der Unterputz erneuert. „Die Patronatsloge haben wir von Fremdeinbauten befreit“, bemerkt der Pfarrer. Die neue behindertengerechte Toilette an der Nordseite unter der Patronatsloge ist ebenfalls fertig, die neue Heiztherme für den Multifunktionsraum schon eingebaut. Auch die Elektrik wurde erneuert. Medientechnisch ist die Kirche nun gut ausgestattet. Seit einigen Tagen steht ein großes Gerüst im Kirchenschiff. Im nächsten Vierteljahr, so der Pfarrer, sollen deshalb alle Arbeiten in den oberen Bereichen erledigt werden, wozu das Gerüst benötigt wird. Maler werden am Werk sein. Die originale barocke Farbgebung von 1760, ein sehr helles Gelb, soll das Kirchenschiff verschönern. Vorher werden noch Putzschäden an den Wänden beseitigt. Die Malereien mit den drei Engeln an der Decke, die 1948 entstanden sind, werden restauriert und bleiben so erhalten. Die Kirchendecke selbst wird hellgrün. Die Emporen sollen sich an die originale Farbigkeit von 1874 anlehnen. Während auf der Empore die Bänke erhalten bleiben, werden im multifunktionalen Raum und auch im weiteren Kircheninneren Stühle aufgestellt. Denn dort können die bisherigen Bänke nicht wieder genutzt werden, da diese höher sind als die Stühle im multifunktionalen Raum und dann bei Veranstaltungen eine einheitliche Sichthöhe nicht mehr gegeben wäre.

Dank allen Helfern

Herzlichen Dank möchte der Pfarrer, aber auch der langjährige Bürgermeister Gerold Mann allen Gemeindegliedern aus Sora und aus den weiteren Orten der St.-Bartholomäus-Kirchgemeinde Röhrsdorf sowie auch den weiteren ehrenamtlichen Helfern sagen, die bei diesem Umbau mit tatkräftig Hand anlegen. Deren Einsatz war und ist vielfältig: Abbrucharbeiten, Putzen von Wänden, Verlegen von Dampfsperren, Abspachteln von alten Farbschichten an Türen, Treppen oder Sandsteingewänden, Schachtarbeiten, Säuberung der Kirche nach Bauarbeiten und vieles andere mehr werden in Eigenleistungen erledigt. Das betrifft zum Beispiel auch das Anbringen von Kalziumsilikatplatten im unteren Bereich der Kirche und an Fensterlaibungen die von Vorteil gegen Feuchtigkeit und Schimmelbildung sind, oder den Einbau von Fußabstreichern in Steinbelägen vor der Kirche. All das werden die Sora-Helfer selbst bewerkstelligen.

Text und Fotos: Dieter Hanke;17.08.2019