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Taucher in Roitzschen

In der Kläranlage wurde das Belüftungssystem erneuert. Mitte Oktober beginnt die Abwassererschließung in Robschütz.

Wer hätte das gedacht: Taucher, und zwar versierte Profis, gingen vor kurzem in Roitzschen auf den Grund eines Gewässers. Berufstaucher aus Bayern, und zwar vom Unternehmen Dauth aus Eschau in Unterfranken, machten sich in zwei Becken der Roitzschener Kläranlage zu schaffen. Im großen Belebungsbecken wurde das Belüftungssystem erneuert. Drei große Segmente mit jeweils drei Platten, die mit Belüftungsmembranen bestückt sind, wurden in über fünf Meter Tiefe durch neue aus Edelstahl ersetzt. „Die alten hatten 18 Jahre ihren Dienst verrichtet, waren verschlissen. Die Belüftung im Becken, die zur biologischen Klärung des Abwassers nötig ist, hatte in der Vergangenheit nachgelassen. Die Auswechslung der Platten machte sich erforderlich“, sagte Klärwärter Frank Herrmann.

Keine Sicht im Becken

Der Tauchgang ist beendet. Patrick Heusinger taucht aus dem Nachklärbecken auf.Die braune Brühe wird abgespritzt.Die Taucher hatten vorher den über Jahre abgesetzten Schlamm an den Platten beseitigt, dann deren Halterungen gelöst. Mit einem Kran wurden die alten Segmente vom Boden aus dem Becken gehievt und die neuen eingesetzt.

„Die Sicht unten ist gleich Null. Trotzdem müssen alle Handgriffe gut sitzen“, bemerkte Berufstaucher Patrick Heusinger, der hier zugleich Einsatzleiter war. Der 39-Jährige gehört bereits 21 Jahre diesem bekannten Tauchunternehmen aus Deutschland an. „Keine Platzangst haben, Ruhe bewahren, sich gut orientieren können. Das ist unerlässlich“, meinte er. Und vor allem auch handwerkliches Geschick und Kondition müsse ein Berufstaucher mitbringen. Diese holt sich Patrick Heusinger auch als begeisterter Triathlonsportler.

Arbeiten unter Wasser

Dieses bayerische Spezialunternehmen ist deutschlandweit und auch in ganz Europa gefragt. Besonders wenn es um Tauchgänge und Arbeiten in Kläranlagen geht, wo Reparaturen, Instandhaltungen oder Schlammabsaugungen nötig sind. „Unser Leistungsprofil umfasst aber noch weitaus mehr“, bemerkte der Einsatzleiter und informierte: „Das machen wir alles unter Wasser - Betonbau, Schweiß- und Brennschneiden, Montagen, Inspektionen und Bergungen von Geräten und Anlagen, auch Videoaufzeichnungen und anderes.“ Ebenso würde das Reinigen von Faultürmen für die Gasgewinnung zu ihrem Spektrum gehören.

Auf vielen Baustellen in Deutschland und weiteren Ländern der EU hat dieses Unternehmen, das seit 1989 Tauch- und Atemschutzarbeiten anbietet, schon seine Visitenkarte hinterlassen. Auch beim Bau des Potsdamer Platzes in Berlin beispielsweise, wo es in 36 Meter Tiefe um Betonarbeiten für die Gründung des Sony-Centers und weiterer Gebäude ging. Oder bei einer Video-Inspektionsfahrt an einem Düker auf dem Grund der Elbe in Dresden.

Schlamm abgesaugt

Mehrere Tage waren nun die Berufstaucher in Roitzschen. Nicht nur im Belebungsbecken, sondern auch im acht Meter tiefen Nachklärbecken wurden die sich über viele Jahre festgesetzten Schlämme abgesaugt. Patrick Heusinger: „Das Nachklärbecken hat unten einen Trichter, am Boden ist nur wenig Platz, etwa 50 mal 50 Zentimeter. Da muss man sehr auf Standsicherheit achten.“ Der abgesaugte Schlamm wurde im angrenzenden Speicherbecken der Kläranlage zwischengelagert, bevor er später abgefahren wird.

Etliche Tauchgänge von 20 Minuten bis über eine Stunde waren insgesamt erforderlich gewesen, bis alle Arbeiten abgeschlossen waren. „Es klappte alles gut“, meinte Daniel Bauer, der zweite Taucher in diesem Team. Seit anderthalb Jahren ist der 27-Jährige aus Aschaffenburg Berufstaucher. Der gelernte Metzger, der auch Deutscher Jugendmeister im Ringen war, hatte später umgesattelt. „Ich wollte einen Beruf ausüben, der nicht alltäglich ist, der mich immer wieder vor neuen Herausforderungen stellt und interessant ist“, bemerkte er.

Mit zum Team in Roitzschen gehörte auch der 19-jährige Roman Marchenko aus Eschau als Tauchergehilfe. Er hat vor kurzem seinen Gymnasialabschluss gemacht und will nun in den nächsten Monaten herausfinden, ob der Beruf als Taucher für ihn etwas ist.

Bei diesem Einsatz war außerdem Axel Illgen aus Greiz dabei. Der 57-Jährige bediente das große Schlamm-Saugfahrzeug mit der Varenpress-Luftförderanlage vom bundesweiten Spezialunternehmen Mas-Service, das auch die Taucher für die Klärbecken-Instandhaltung angefordert hatte. Ihm zur Seite stand Anlagenmechaniker Michael Kaltschmidt aus Scharfenberg. Er arbeitet in der Kommunalservice Brockwitz-Rödern GmbH, die im Auftrag der Gemeinde Klipphausen als Eigentümer der Roitzschener Kläranlage deren Betriebsführung übernommen hat.

Ausrüstung wiegt 65 Kilo

Für die Berufstaucher ist zwar das Anlegen der Ausrüstung Routinesache. Doch die Unterstützung der Kollegen ist da selbstverständlich. Immerhin wiegt das Ganze an die 65 Kilogramm – neben dem Helm, dem Gummianzug mit einem Edelstahl-Kragen, einer Pressluftflasche für den Notfall auf dem Rücken gehört dazu auch 15 Kilogramm Blei, das an mehreren Stellen verteilt ist. Und billig ist die Tauchausrüstung auch nicht. Allein der Helm kostet an die 12 000 Euro. Mit einer mobilen Telefonstation wird beim Einsatz Kontakt zum Taucher in der Tiefe gehalten. Dessen Zufuhr von Atemluft erfolgt über die Leitung von einem Kompressor über Tage.

Belüftung ist nun besser

Das große Schlamm-Saugfahrzeug wird wieder gereinigt.Blick auf das Belebungsbecken in der Kläranlage RoitzschenFür den Roitzschener Klärwärter Frank Herrmann von der Kommunalservice Brockwitz-Rödern GmbH war dieser Einsatz schon etwas Außergewöhnliches. Seit anderthalb Jahren ist der 39-Jährige hier tätig. Der Meißner hatte Fleischer gelernt und war später viele Jahre als Techniker bei einer Kelterei in Siebenlehn tätig gewesen. „Mit der Sanierung klappt jetzt die Sauerstoffbelüftung im Belebungsbecken wieder besser. Zugleich sparen wir mit den neuen Anlagen Energie ein“, sagte der Klärwärter, der mit engagiert bei den Arbeiten zur Hand ging.

In der Roitzschener Anlage wird hauptsächlich das Abwasser aus den Klipphausener Ortsteilen Burkhardswalde, Groitzsch, Munzig, Miltitz und Roitzschen behandelt. „Insgesamt fließen an die 90 Kubikmeter geklärtes Wasser am Tag in die Triebisch. Die Einleitwerte sind gut, wie Kontrollen zeigen“, so der 39-Jährige.

Vor 18 Jahren gebaut

René Drescher von der Abwasserentsorgung der Gemeinde Klipphausen, der zum Klärwärter der Roitzschener Anlage engen Kontakt hält, ergänzte: „Es ist wichtig, dass hier  diese Sanierung vorgenommen wurde. Denn das Abwasser von etwa 1 200 Einwohnern der Gemeinde wird hier geklärt.“

Die Kläranlage in Roitzschen wurde von Juli 2000 bis Mai 2001 gebaut. Zuvor entstanden schon etliche neue Abwasserleitungen sowie Pumpwerke. Die Gesamtkosten beliefen sich damals auf insgesamt fast sieben Millionen DM. Der Freistaat Sachsen steuerte dabei den Hauptanteil mit Fördergeldern bei.

Erschließung in Garsebach

In Sachen Abwasserentsorgung im Triebischtal geschehen derzeit neben der Kläranlage in Roitzschen aber noch weitere entscheidende Dinge. Die Abwasserüberleitung von Garsebach nach Meißen ist weitgehend fertig. Ende Oktober/Anfang November dieses Jahres, so teilte Michael Hegenbart vom Bauamt der Gemeindeverwaltung mit, werden die ersten Haushalte aus Garsebach ihre Abwässer dort einleiten, die dann in der Gemeinschaftskläranlage Meißen behandelt werden. In den vergangenen Monaten hatte der gleichnamige Abwasserzweckverband diese Überleitung sowie das Pumpwerk an der Fichtenmühle in Garsebach finanziert und errichtet. Die Gemeinde Klipphausen hatte dagegen die Abwassererschließung der Haushalte in diesem Ort vorgenommen. Dazu gehörte auch ein Pumpwerk an der Lehmgasse in Garsebach. Derzeit finden im Ort noch letzte Arbeiten für die zentrale Abwasserentsorgung statt.

Die Garsebacher Haushalte haben nun insgesamt ein halbes Jahr Zeit, sich daran anzuschließen. Die Kosten für diese moderne Abwasserentsorgung in Garsebach, so teilte Michael Hegenbart weiter mit, belaufen sich für die Gemeinde auf 710 000 Euro für Druckleitung, weitere Anlagen und Hausanschlüsse.

Bauarbeiten in Robschütz

Im Triebischtal geht es aber hinsichtlich einer modernen Abwasserentsorgung gleich weiter. Ab 14. Oktober 2019, so die Gemeindeverwaltung, beginnen die Arbeiten im ersten Bauabschnitt zur Erschließung von Robschütz, und zwar geht es hier um den Bereich südlich der Bahntrasse. Die Arbeiten im ersten Bauabschnitt, die auch die Ablösung der alten Kläranlage am Hufweg mit einschließen, werden voraussichtlich bis Mai/Juni 2020 andauern, wie Michael Hegenbart informierte. Wichtig ist dabei noch, dass die Abwassererschließung in Robschütz unter halbseitiger Sperrung der Staatsstraße 83 erfolgt, so die Gemeinde. Die Druckleitung wird unter der Straße verlegt. Die Kosten für den ersten Bauabschnitt werden auf 850 000 Euro veranschlagt. Neben Druckleitung und Hausanschlüssen ist darin auch ein großes Ablaufpumpwerk an der Bahnbrücke enthalten.

Der zweite Bauabschnitt in Robschütz, und zwar nördlich der Bahntrasse, soll sich dann unmittelbar anschließen. Neben den Häusern in Robschütz ist darin auch die Einbeziehung der Neidmühle im Ortsteil Roitzschen vorgesehen.

Text und Fotos; Dieter Hanke, 23.09.2019