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Große Freude über Welterbe

Heimatverein Rothschönberg und Gemeinde wollen den Rothschönberger Stolln für die Nachwelt bewahren und noch besser für den Tourismus nutzen

Eckhart Richter, stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins Rothschönberg, war an jenem denkwürdigen Tag, dem 6. Juli 2019, in Niederösterreich in Urlaub. In der Wachau, einer magischen Gegend, wo sich die sanften, mit Weinreben bepflanzten Hügel, das mittelalterliche Flair der Orte und die Ufergebiete der Donau zu einem einzigartigen Gesamten fügen. Und vielleicht war der Urlaubsort auch ein gutes Omen, denn Wachau ist Unesco-Weltkulturerbe. Der 63-Jährige war voll gespannter Erwartung. Im Internet verfolgte Eckhart Richter, der auch Wanderwegewart im Triebischtal ist, das Geschehen. 14.39 Uhr dann die lang ersehnte Nachricht aus Aserbaidschan. Die Unesco-Kommission, die in der Hauptstadt Baku tagte, verkündete, dass die Montanregion Erzgebirge-Krušnohoří in das Welterbe aufgenommen wird. „Ich habe mich riesig gefreut. Auch unsere Anstrengungen zum Erhalt der Zeugnisse in der 800-jährigen Geschichte des sächsisch-böhmischen Erzbergbaus werden mit dem Welterbetitel gewürdigt. Eine großartige Sache“, meinte Eckhart Richter. 


Sächsische Meisterleistung

17 Bestandteile auf deutscher und fünf auf tschechischer Seite, ausgewählte Denkmäler, Natur- und Kulturlandschaften, gehören nun zu dieser weltweit renommierten Auszeichnung. Die Klipphausener und Triebischtaler Bürger sind nun mit den Mundlöchern des Rothschönberger Stollns Teil des Welterbes. Dieser Stolln gehört zum wasserwirtschaftlichen System des Bergbaugebiets Freiberg, das eines der 17 Bestandteile im deutschen Teil der Montanunion Erzgebirge ist. Das Freiberger Bergrevier ist bekanntlich nicht nur das älteste, sondern auch das größte und bedeutendste sächsische Bergrevier. Silber, Kupfer, Bleierze und andere Bodenschätze wurden hier über Jahrhunderte abgebaut. Zum Freiberger Bergbaugebiet gehören unter anderem die Bergbaulandschaften Gersdorf, Himmelfahrt Fundgrube mit Hüttenkomplex Muldenhütten, Zug und Brand-Erbisdorf und die historische Freiberger Altstadt.

„Der Rothschönberger Stolln“, so Eckhart Richter, „ist einer der Meisterleistungen in der sächsischen Bergbautradition. Er ist die unterirdische Verbindung dieses verzweigten Reviers von Brand-Erbisdorf bis Halsbrücke mit den weiteren 13,9 Kilometern bis Rothschönberg.“

Triebisch profitiert von Zufluss

Wie der stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins weiter sagte, wurde der Stolln von 1844 bis 1877 erbaut, ist etwa drei Meter hoch und 2,5 Meter breit und würde zur Entwässerung der Gruben in diesem Revier dienen. Das abgeleitete Grubenwasser fließt dann am Röschenmundloch im Norden von Rothschönberg, am Geopfad Triebischtal gelegen, in die Triebisch. „350 bis 450 Liter sind es in der Sekunde“, so Richter. Da würde gerade in der Niedrigwasserzeit die Triebisch von diesem kontinuierlichen Zufluss profitieren. Das Hauptmundloch, unweit vom Röschenmundloch gelegen, gehöre mit dem ebenerdigen Haupteingang und der Treppe zum Stolln zu diesem Komplex. Der stellvertretende Vereinsvorsitzende brachte es auf den Punkt: „Der Welterbetitel motiviert uns. Wir wollen im Bunde mit der Gemeinde dieses Erbe des Rothschönberger Stollns gut für die Nachwelt erhalten.“

 Mehrere Sanierungen

Die Bewahrung dieses unterirdischen Denkmals ist aber auch aus anderer Hinsicht bedeutsam. Denn würde der Stolln einmal ausfallen, würde das Wasser in den alten Bergwerksgruben steigen und seinen Weg suchen, bis es aus anderen Mundlöchern und weiteren Stellen an die Oberfläche tritt. Das wäre dann aber mit gravierenden Umweltproblemen verbunden. Denn auch Schadstoffe wie zum Beispiel Kadmium oder Arsen würden tonnenweise mitgeführt. Deshalb besteht auch ein Sanierungskonzept des Oberbergamtes in Freiberg für den Rothschönberger Stolln. Gegenwärtig erfolgen unter anderem Arbeiten am 4. Lichtloch in Reinsberg.

Vor einigen Jahren, genau von Juni 2008 bis Anfang 2010 war bereits ein 80 Meter langes Schluchtengewölbe des Stollns unweit von Rothschönberg saniert worden. Im Rothschönberger Tännicht, an der Staatsstraße 36 von Wilsdruff nach Nossen, brachten damals Bergleute von der BST Freiberg GmbH in 50 Meter Tiefe eine Beton-Innenschalung im Stolln an. In diesem Schluchtengewölbe aus Sandstein waren Risse aufgetreten, ein Verbruch und Nachrutschen von Lockergestein waren nicht ausgeschlossen. Das hätte auch Gefahren für die Staatsstraße mit sich gebracht. Um damals den Stolln öffnen zu können, mussten die Bergleute zunächst das 50 Meter tiefe 1. Lichtloch im Tännicht öffnen und von Verfüllmassen aus Tonschiefer und Gneis beräumen, um zum 200 Meter entfernten schadhaften Schluchtengewölbe vordringen zu können. Eine Schachtanlage wurde installiert und ein Tragbauwerk eingebracht. Mit einem Damm, Pumpen und Rohrtrassen hielten die Arbeiter den 300 Meter langen Bauabschnitt wasserfrei. Damals wurden dort über 200 Kubikmeter Beton und 42 Tonnen Bewehrungsstahl verbaut.

Heute erinnert im Rothschönberger Tännicht fast nichts mehr an die damalige Sanierung. Der Eingriff in die Natur wurde ausgeglichen. Stahlplatten sichern nun die Schachtöffnung. Alle Einbauten im Lichtloch und im Stolln waren vorher beseitigt und abtransportiert worden. Zurück blieb nur noch eine leere Röhre. Mit dieser Sanierung wurde so eine weitere sichere Wasserabführung aus dem Stolln in diesem Abschnitt gewährleistet.  

Neue Investitionen 

Der Welterbetitel rückt natürlich jetzt den Rothschönberger Stolln mit seiner bergmännischen Wasserwirtschaft noch stärker in den Blickpunkt. Das wurde schon bei der Zusammenkunft am 6. September am Hauptmundloch in Rothschönberg anschaulich deutlich. Die Gemeinde Klipphausen und der Heimatverein Rothschönberg hatten dort zu einer Feier anlässlich des Erhalts des Welterbetitels eingeladen. Bürger aus Rothschönberg und umliegenden Orten, Bergbau- und Naturfreunde, Gemeinderäte und weitere Vertreter aus Politik und Wirtschaft waren gekommen. Unter ihnen auch befreundete Vereine, wie der Scharfenberger Silbererzbergbau e.V., der Verein Viertes Lichtloch des Rothschönberger Stollns in Reinsberg und der Verein Bergbaufreunde Grube „Vereinigt Feld" Nossen. Am Hauptmundloch, wo der Rothschönberger Verein seit Jahren, zum Beispiel am Tag des offenen Denkmals und zu anderen Gelegenheiten, den Besuchern dieses technische Denkmal vorstellt, gab es interessante Gespräche und auch neue Informationen.

Elvira Grübler, Bauamtsleiterin in der Gemeinde Klipphausen: „Der Welterbetitel ist auch eine Chance für uns, dass die Region bekannter wird und wir dem Tourismus neue Impulse verleihen. Als Gemeinde wollen wir uns da gut einbringen.“ So erarbeitet gegenwärtig die Kommune ein Konzept, um die Bedingungen an diesem Standort zu verbessern. In der Perspektive ist zum Beispiel vorgesehen, das Eisentor am Hauptmundloch zu erneuern. Am Röschenmundloch geht es um die Sanierung der Treppenanlage und des Geländers. „Auch die Beleuchtung am Hauptmundloch muss verbessert werden. Vorgesehen ist ein fest installierter Elektroanschluss“, so die Bauamtsleiterin.

Die Gemeinde Klipphausen, die sich schon in der Vergangenheit um die Bewahrung dieses technischen Denkmals eingesetzt hat, will damit ihre Verantwortung weiter wahrnehmen. Immerhin ist Klipphausen Mitglied im Verein Montanregion Erzgebirge-Krušnohoří, dem die drei Landkreise Mittelsachsen, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und der Erzgebirgskreis sowie 32 Städte und Gemeinden angehören.

Wegweiser an Ortseingängen

Wie Eckhart Richter informierte, sind weitere Aktivitäten geplant, um dem Bekanntheitsgrad der Montanregion Erzgebirge-Krušnohoří neue Impulse zu verleihen. So sollen in nächster Zeit Wegweiser an den Ortseingängen von Rothschönberg angebracht werden, die auf das Welterbe Montanregion aufmerksam machen. Neue Info-Tafeln zum Welterbe Rothschönberger Stolln werden unter anderem am Stollntor angebracht. Der stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins, der zu dieser Welterbetitel-Feier zu den Anwesenden sprach, bemerkte, dass es jetzt auch vorgesehen ist, mit dem Rothschönberger Stolln auch die anderen historischen Bergbauzeugnisse im Triebischtal noch wirksamer zu vernetzen und noch mehr in den Blickpunkt zu rücken wie den 2006/07 geschaffenen Geopfad vom Alten Kalkbergwerk in Miltitz bis nach Rothschönberg oder auch die Munziger Altbergbaulandschaft und das naheliegende Altbergbaugebiet in Scharfenberg. Der scheidende langjährige Bürgermeister von Klipphausen Gerold Mann und Ex-Gemeindebauamtsleiter Dieter Schneider, der auch über viele Jahre Bürgermeister von Triebischtal war, freuten sich jedenfalls bei dieser Welterbe-Feier, dass auch in dieser Hinsicht ihre Bemühungen gute Resonanz in der Zukunft haben.

Feierliche Stollnvesper

Die Welterbe-Feier am Hauptmundloch des Rothschönberger Stollns war vielleicht nicht so spektakulär wie das kürzliche Fest in Freiberg, doch erlebnisreich war diese allemal. Angeregt diskutierten die Besucher miteinander, tauschten Erfahrungen aus, und die Stollnvesper kam auch gut an. Das sogenannte Tscherperssen, eine rustikale Bergmannsmahlzeit, erfreute sich großer Beliebtheit. Gurken, Schmalz, Salami, Brühpolnische, Blutwurst, Harzer Käse, Freiberger Bier und anderes waren genau das Richtige zu diesem Anlass. Gemeinde und Heimatverein Rothschönberg hatten sich viel Mühe beim Organisieren dieser Veranstaltung gegeben. Vereinsvorsitzende Angela Dämmig, Familie Röthig und Heike Tulke, Mitglieder des Vereins, mussten sich sputen, um für kulinarischen Nachschub zu sorgen. Ein Dank da auch an die Fleischerei Thiele in Garsebach, an die Bäckerei Riedel in Meißen und an den Triebischtaler Frischemarkt für ihre Unterstützung.

Chancen gut nutzen

Jedenfalls war dieser Abend ein Gewinn für alle. Dazu auch  einige Stimmen von Teilnehmern: 

Bürgermeister Mirko Knöfel: „Wir wollen die Chancen mit dem Welterbertitel nutzen. Für die Gemeinde ist das auch eine gute Möglichkeit, um den Tourismus auszuweiten.“

Dr. Uwe Klopfer, stellvertretender Vereinsvorsitzender 4. Lichtloch des Rothschönberger Stollns in Reinsberg: „Wir arbeiten mit dem Rothschönberger Verein schon seit geraumer Zeit eng zusammen. Dieser Titel wird uns beide noch mehr anspornen.“

Gemeinderat Stefan Stelzmann: „Es ist eine großartige Leistung, die hier in der Vergangenheit vollbracht wurde. Wir werden das Erbe gut bewahren.“

Lothar Richter, Rothschönberg: „Vermessungstechnisch grandios, dieser Stolln ist ein Meisterwerk unserer Vorfahren.“

Wolfgang Grübler, Vorstandsvorsitzender des Agrarunternehmens Lommatzscher Pflege: „Der Welterbetitel eröffnet neue Chancen für den Tourismus. Die Stolln-Mundlöcher befinden sich in einer landschaftlich reizvollen Umgebung. Mit dem Fahrrad habe ich diese schon erkundet.“

Klaus Röthig, Elektromeister, Rothschönberg: „Schön, wenn jetzt auch eine stationäre Lösung für eine bessere Beleuchtung des Stollmundlochs gefunden wird.“

Text und Fotos:  Dieter Hanke, 26.09.2019