^ Nach oben

Originelles Jubiläumsfest in Röhrsdorf

Die Feuerwehr feierte ihr 80-jähriges Bestehen und hatte auch zum 1. Röhrsdorfer Entenwettrennen und zu einer Orientierungsfahrt mit Überraschungen eingeladen.  

Die Feuerwehr-Jubiläen häufen sich. Jetzt waren die Röhrsdorfer dran. 80 Jahre besteht nun die Wehr. Am 31. August wurde fröhlich mit den Einwohnern und Gästen gefeiert. Feuerwehrchef René Drescher freute sich über den gelungenen Jubiläumstreff: „Ein schöner Tag, viele Erlebnisse, tolle Stimmung und ein gutes Miteinander.“

Was diesen so attraktiv für Bürger und befreundete Feuerwehr-Delegationen aus der Gemeinde Klipphausen gemacht hatte, waren die originellen Einfälle der Röhrsdorfer. Natürlich gab es auch hier wieder das bewährte Programm bei solchen Feuerwehr-Zusammenkünften, was bei Groß und Klein ankommt. So war Feuerwehrtechnik ausgestellt, es gab Übungen zur Brandbekämpfung, eine Ausstellung über die Wehr, verdiente Feuerwehrleute wurden geehrt, der Röhrsdorfer Posaunenchor spielte auf, Kinder erfreuten sich vor allem beim Wasser-Zielspritzen und Wettfahrten, auch Hüpfburg und Schminken gefielen. Die Kling Klang-Partyband sorgte bis in die Nacht für zünftige Klänge. Bier und Wein flossen reichlich, und Kulinarisches für den Gaumen gab es ebenfalls.

150 Enten am Start

Doch dieser Jubiläumstreff lebte vor allem von den Einfällen der Röhrsdorfer Feuerwehrleute. Am Nachmittag wurde das 1. Röhrsdorfer Entenrennen auf dem Regenbach gestartet. An der Brücke Haus Nr. 50 schickte Rennleiter Michael Balzer 150 kleine Gummienten auf die etwa 200 Meter lange Wettkampfstrecke bis zum Ziel an der Brücke Harthaer Straße. Die Zuschauer waren begeistert vom Kopf-an-Kopf-Rennen vieler Enten. Andere hatten dagegen Pech, denn Grasbüschel oder weitere Hindernisse bremsten ihre Fahrt. In einem tollen Finish setzte sich schließlich die Rennente mit der Startnummer 4 als Sieger durch. Deren Lizenz gehörte der Röhrdorferin Brigitte Große. Die 70-Jährige darf sich über eine Fahrt für zwei Erwachsene und zwei Kinder zum Filmpark nach Babelsberg freuen. Meissen-Tourist GmbH hatte diesen Hauptpreis gesponsert. Knapp dahinter kam auf den zweiten Platz die Ente mit der Startnummer 39. Die neunjährige Luise Hahn aus Klipphausen gewann einen E-Scooter, gespendet von der Firma TSA Thomas Sauer. Den dritten Platz errang Magdalena Kellner aus Röhrsdorf. Sie war Besitzerin der Nummer 57. Das Mädchen gewann eine Familienkarte für Zehnmal-Badespaß im Miltitzer Jahnbad. Diesen Preis hatte die Gemeinde Klipphausen gesponsert. Insgesamt wurden die 30 besten Rennenten ausgezeichnet.

Trostpreis war Laufente

Originell auch die Ehrung für Daniel Kellner. Der Röhrsdorfer Feuerwehrmann bekam einen außergewöhnlichen Trostpreis. Seine Ente mit der Nummer 63 war am Start hängengeblieben – letzter Platz. Die lahme Gummiente erhielt nun als Ansporn illustre Gesellschaft – eine lebende Laufente.

„Auf jeden Fall wollen wir das Entenrennen fortführen, vielleicht dann auf einer längeren Wettkampfstrecke“, sagte der 55-jährige Cheforganisator Michael Balzer, seit vielen Jahren Mitglied der Röhrsdorfer Feuerwehr. Und dieses lustige Spektakel dient einem guten Zweck. Der Erlös kommt der Röhrsdorfer Jugendfeuerwehr zugute. Im Vorverkauf drei Euro und am Veranstaltungstag vier Euro hatte eine Rennente gekostet.

Fahrt war große Klasse

Ein weiterer Höhepunkt war die Feuerwehr-Orientierungsfahrt gewesen. Zehn Mannschaften hatten teilgenommen. Acht Stationen mussten in der Umgebung gefunden werden, an drei von ihnen gab es Spaßwettkämpfe. Schnelligkeit und Geschicklichkeit waren hier gefragt. So galt es, im Park Sora einen 20 Meter langen Feuerwehrschlauch auf eine Haspel zu rollen, die klemmte. An der Station im Gewerbegebiet Röhrsdorf standen 40 Liter Wasser in drei Eimern auf dem Dach eines Fiat Panda, der auf einer 300 Meter langen Strecke durch Kegeln und Stangen so manövriert werden musste, dass möglichst kein Wasser verschüttet wurde. Die dritte Spaß-Station war auch nicht ohne. Am Feuerwehrgerätehaus in Röhrsdorf hatten die Teilnehmer ein Matchboxauto durch einen 20 Meter langen Feuerwehrschlauch zu schieben.

Die Orientierungsfahrt schloss auch ein Bilderrätsel mit ein. Nach Fotokopien mussten die Kontrahenten acht Stationen suchen, wo Zettel mit einzelnen Buchstaben zu finden waren. Zum Beispiel waren Standorte die Sonnenuhr am Klipphausener Schloss, der Stein am Kreisverkehr oder auch die Bushaltestelle Bergstraße in Klipphausen. Die einzelnen Buchstaben ergaben dann das Lösungswort, und zwar „RUDINGISTORF“. Mit dieser Bezeichnung wurde Röhrsdorf erstmals 1250 erwähnt. Der Ortsname bedeutete „Dorf eines Rüdiger“.

Team Sora gewann

Kathleen (44) und Falk Winkler (48) aus Röhrsdorf hatten diese Idee für eine solche Orientierungsfahrt gehabt und setzten diese mit Helfern um. Allen hat es großen Spaß gemacht „Die Mannschaften waren mit Eifer bei der Sache. Es waren mitunter schon knifflige Aufgaben“, meinte Falk Winkler, der als selbständiger Landschaftsgärtner arbeitet und seit 13 Jahren in der Röhrsdorfer Feuerwehr ist. Gewonnen hat das Team der Feuerwehr Sora, gefolgt von den Mannschaften der Feuerwehren Klipphausen HLF und Scharfenberg. Den vierten Platz belegte das Team Gemeinderat.

Doch nicht nur in Sachen Kultur und Geselligkeit beweisen die Röhrsdorfer Feuerwehrleute Ideen und Einsatz. Kreisbrandmeister Ingo Nestler hatte ihnen bei der Eröffnung des Jubiläumstreffs seine Anerkennung ausgesprochen. „Eine verlässliche Wehr, gut ausgebildet, eine aktive Jugendfeuerwehr“, meinte der 59-jährige Kreisbrandmeister. Besonders hob er das engagierte Wirken der Röhrsdorfer bei Bränden und weiteren Einsätzen mit ihrem Tanklöschfahrzeug TL F 4000 (4000 Liter Löschwasser) im Gemeindegebiet und darüber hinaus hervor. 2014 hatte die Wehr dieses Fahrzeug erhalten, wofür sich auch die Gemeinde sehr eingesetzt hatte.

Wehr 1939 gegründet

Wehrleiter René Drescher sagte allen Dank, die sich bisher in der Feuerwehr eingebracht haben. Am 21. März 1939 hatten sich 28 engagierte Bürger getroffen, um offiziell eine Feuerwehr zu gründen. „Genau genommen konnte ich in den Dienstbüchern 150 Kameradinnen und Kameraden zählen, die in den letzten 80 Jahren ihre Freizeit für unseren Ort und unsere Gemeinde zur Verfügung gestellt haben“, bemerkte René Drescher, der seit 26 Jahren in der Feuerwehr und seit 14 Jahren Chef in Röhrsdorf ist. Auch seine weiteren Worte fanden gutes Gehör: „Der Anreiz für die Arbeit in der Feuerwehr ist und war für die Kameraden nicht das Geld, sondern das Gefühl, anderen Menschen helfen zu können. Oft sind es belanglose Dinge, ein Baum auf der Straße, eine Türöffnung, Tragehilfe oder eine Brandmeldeanlage. Manchmal brennt ein Geräteschuppen, eine Werkstatt oder eine Scheune. Meist ist es uns gelungen, gemeinsam mit anderen Wehren den Menschen zu helfen und Schaden zu begrenzen.“

Die Jubiläums-Ausstellung gab da einen anschaulichen Überblick vom Wirken der Röhrsdorfer in Vergangenheit und Gegenwart. Gegenwärtig gehören 20 Kameradinnen und Kameraden der Wehr an, davon 16 aktive. Bei der Jugendfeuerwehr sind es zehn Mitglieder. „138 Einsätze sind allein in den letzten zehn Jahren zusammen gekommen. Weit über 2000 Einsatzstunden haben die Kameraden hier im Ort geleistet“, bemerkte René Drescher, der seit 1989 in Röhrsdorf wohnt.

Einsätze nehmen zu

Der Wehrleiter ist gebürtiger Meißner, hatte Industrieelektroniker gelernt und ist seit 1996 für die Abwasserentsorgung in der Gemeinde Klipphausen zuständig. Wie er gegenüber dem Amtsblatt sagte, hätten in der vergangenen Zeit die Feuerwehreinsätze stark zugenommen, auch auf der A 4, wohin die Röhrsdorfer bei Bränden und Unfällen ebenfalls ausrücken. „Insgesamt waren es im Vorjahr 30 Einsätze, in voran gegangenen Jahren registrierten wir dagegen meist 15. In diesem Jahr mussten wir schon über 15 Mal ausrücken“, so der Wehrleiter, der verheiratet ist und drei Kinder hat.

Geehrt für ihr aktives Mittun in der Wehr wurden bei diesem Jubiläumstreff Katja Kellner, Axel Klatt, Felix Kellner und Martin Uhlmann. Ebenfalls ausgezeichnet wurden Inge Balzer, seit 1966 Mitglied der Feuerwehr, also schon 53 Jahre dabei, sowie Günter Pietzsch, der bereits seit 1957 der Feuerwehr und damit ihr seit 62 Jahren angehört.  

Einbringen für den Ort

Bürgermeister Gerold Mann und Pfarrer Christoph Rechenberg würdigten in ihren Ansprachen auch die Tatsache, dass sich die Feuerwehrleute aktiv in das Gemeindeleben mit einbringen. „So tragen sie vorbildlich mit zum Zusammenhalt der Menschen und zum Wohlfühlen im Ort bei“, meinte der Bürgermeister.

Gewissermaßen ist da die Röhrsdorfer Feuerwehr mit den anderen Vereinen und engagierten Mitstreitern im Ort wie eine große Familie. Gegenseitig wird unterstützt und zusammen was losgemacht. „Wir wollen nicht, dass unser Dorf zur bloßen Schlafstätte verkommt. Es soll Leben im Ort herrschen, Kultur und Geselligkeit“, bemerkte René Drescher und drückte damit auch die Ansicht der anderen Ehrenamtlichen aus. So war es nur folgerichtig, dass diese beim Jubiläumstreff der Feuerwehr mit rührig zupackten. Ob nun die Landfrauen, der Motorsportclub Röhrsdorf, die IG „Nachbarn für Nachbarn“ oder Familienangehörige der Feuerwehrleute und weitere Dorfbewohner – sie alle brachten sich mit ein. Da hatten Frauen Kuchen gebacken, schenkten Kaffee aus, andere Einwohner betreuten Stände, halfen bei der Organisation und anderen Dingen. Auch viele Sponsoren unterstützten die Feuerwehr. „Unser Dorf hatte wieder ein schönes Fest. Dank allen Beteiligten“, freute sich Wehrleiter René Drescher. Und auch viele Dorfbewohner, unter ihnen Ramona Vogt, Ines Rentsch und Horst Mauff, zollten für diese gelungene Veranstaltung Lob.

Text: Dieter Hanke; Fotos René Drescher (1), privat (1), Dieter Hanke, 01.10.2019