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Oberschule ist gut angekommen

Die Evangelische Oberschule Klipphausen hat sich jetzt im Interimsquartier in Ullendorf bestens eingerichtet und ist schon eine Bildungsstätte mit großer Ausstrahlung.

Die Augen sind etwas klein, die Gesichter ein wenig blass am Morgen des 1. Oktobers. Doch alle strahlen sie – „eine tolle Sache die Gruselnacht. Die möchten wir unbedingt wiederholen“, sagen sie. Luis aus Ullendorf, Ben aus Taubenheim und Konstantin aus Groitzsch hatten mit ihren anderen Kameraden aus der Klasse 6 der Evangelischen Oberschule Klipphausen ein besonderes Erlebnis. Sie übernachteten in der Schule. „Wir haben erst gespielt, dann zusammen Pizza gebacken, uns Gruselgeschichten erzählt“, schwärmen die Elfjährigen. Nach 22 Uhr, als sie in Gruppenräumen in Schlafsäcken auf ihren Isomatten lagen, wäre aber noch lange nicht Schluss gewesen, sagen sie. Mit einer Taschenlampe hätten sie bis weit in die Nacht ihr grusliges Treiben fortgesetzt. Tapfer hielten sie dann am nächsten Tag den Unterricht durch.

Daniela Vogt, Leiterin der Evangelischen Oberschule Klipphausen, freut sich, dass dies den Kindern so gefallen hat: „Auch eine solche Sache gehört zu unserem Konzept an der Schule. Es geht um das Miteinander der Schüler, um gemeinsame Erlebnisse, um Freude.“

Gute Lösung gefunden

104 Mädchen und Jungen lernen seit Anfang dieses Schuljahres 2019/20 in ihrem neuen Domizil, dem Barackenkomplex in Ullendorf an der S 177 gegenüber dem Gartenbaumarkt Landmaxx. Es gibt zwei fünfte und jeweils eine sechste und siebente Klasse. Die neue Evangelische Oberschule Klipphausen war mit Schuljahresbeginn 2017/18 mit einer Klasse in Räumen der Grundschule Naustadt gestartet. Doch je mehr Schüler hinzukamen, desto enger wurde es. Auch konnte die Grundschule auf Dauer auch nicht auf diese „ausgeborgten Zimmer“ verzichten.

Die Gemeinde und der Träger der Evangelischen Oberschule, der Christliche Schulverein Wilsdruffer Land, suchten nach einer Zwischenlösung, bis die Schüler dann im Frühjahr 2021 in den Neubau der Oberschule an der Taubenheimer Straße in Ullendorf ziehen werden. Da boten sich die leerstehenden Gebäude in Holzständerbauweise an der S 177 an, zumal auch der Landkreis Meißen diese vor wenigen Jahren neugebauten Unterkünfte, die ursprünglich für Asylbewerber vorgesehen waren, nicht mehr benötigte und diese dehalb der Gemeinde Klipphausen kostenlos für eine gemeinnützige Verwendung überließ.

Solide Voraussetzungen

Wer denkt, dass diese zwei langgestreckten Barackenkomplexe vorübergehend nur eine Notlösung sind und bestenfalls nur Minimalanforderungen für einen Schulbetrieb genügen, irrt sich. „Keine Frage, natürlich freuen wir uns sehr auf die neue Schule für uns, die jetzt in Ullendorf gebaut wird. Aber zwischenzeitlich haben wir in den Baracken beste Bedingungen“, bemerkt Schulleiterin Daniela Vogt. Ein Rundgang dort zeigt das anschaulich: Viele Klassen- und Gruppenräume, hell und freundlich sind sie, etliche haben neue Bänke und Stühle, moderne Ausstattung mit mobilen Whiteboards, interaktiven Tafeln, Tablets (WLAN ist vorhanden), auch neue Holzregale für Schulutensilien der Kinder, die die Tischlerei Vogel aus Scharfenberg gemacht hat. Die Schulküche für das Mittagessen ist vom Feinsten, praktisch und supermodern die Küchentechnik. Der angrenzende Speiseraum ist behaglich. Es gibt auch eine extra Lehrküche für Kinder, spezielle Kabinette für den Unterricht, das für das Fach Wirtschaft/Technik/Handel ist mit modernen Werkbänken, Bohrmaschinen, Schleifbock, Säge und anderen Geräten ausgestattet. Auch multifunktionale Räume, unter anderem für Kultur und Kunst, sowie auch weitere Zimmer ergänzen den Schulkomplex.

Das Areal zur S 177 zu heißt nun Chaussee-Haus, das zu den Feldern zu Kleinbahn-Haus. Und was noch auffallend ist: In vielen Räumen, an den Wänden sind Bilder, Zeichnungen, Plakate und andere Projektarbeiten der Schüler zu sehen. Der Barackenkomplex lebt. Erstaunlich, was hier seit August aus den ehemals leeren Unterkünften entstand. Fürs Lernen und die Freizeitgestaltung gibt es hier vortreffliche Bedingungen.

Gemeinde engagiert sich

Die Gemeinde Klipphausen hat dafür auch in den Wochen vor dem Schuljahresbeginn 2019/20 die Voraussetzungen geschaffen. Bauleute gingen ans Werk. Mehrere Räume, die einst als Gemeinschaftsunterkünfte für Asylbewerber gedacht waren, erhielten nun für Schulzwecke einen anderen Zuschnitt. Die Struktur wurde verändert, Zwischenwände entfernt, Brandschutztüren installiert, die Technik ergänzt. Zwei weitere Toiletten entstanden. Für eine gesicherte Anfahrt und Abholung der Schüler wurde auch eine neue Verkehrsführung geschaffen. So zweigt jetzt auf der Kreisstraße 8032 - von Taubenheim kommend - kurz vor der Einmündung auf die Staatsstraße 177 eine Einbahnstraße nach rechts ab. Diese führt parallel hinter dem Imbiss-Parkplatz auf das Schulgelände und hat dann die Ausfahrt auf die Staatsstraße 177. Im Schulbereich entstanden auch Halteflächen für Eltern, die ihre Kinder mit dem Pkw bringen, sowie für Busse. Außerdem wurde vom Knoten 8037 bis zum Ende der Schulgebäude an der Staatsstraße eine Geschwindigkeitsbegrenzung für die Kraftfahrer auf 30 km/h vorgenommen.

Insgesamt gab die Gemeinde dafür über 300 000 Euro aus, wie Kämmerin Silvia Kunas informiert. Der Christliche Schulverein Wilsdruffer Land als Schulträger finanzierte die neue Ausstattung der Einrichtung.

Die Firma DLS Dienstleistungs- und Service GmbH aus Radeberg liefert die Komponenten für die Mittagsversorgung, vorwiegend stehen zwei Menüs zur Auswahl. Den Kindern schmeckts. Absoluter Hit ist da Kartoffelauflauf. „Wir achten darauf, dass auch viel Gemüse und Obst auf den Tisch kommt. Die Produkte stammen weitgehend von Erzeugern aus der Region und anderen Teilen Sachsens“, sagt Köchin Annett Ulbricht (35) aus Ullendorf, die sich in der Schulküche der Oberschule um ein gesundes und abwechslungsreiches Essen der Kinder bemüht.    

Viele Eltern halfen

In der Woche vom 5. bis 9. August zog die Evangelische Oberschule von Naustadt nach Ullendorf um. Ein großer Container auf dem Schulhof, den die Spedition Hauptvogel hingestellt hatte, war vorher von Helfern und Schülern mit 30 Tischen, 60 Stühlen, mobilen Tafeln und vielen Unterrichts- und Projektmaterialien beladen worden. Eltern halfen dann auch bei der Reinigung des neuen Schulareals, stellten Möbel auf, brachten Regale, Holzverkleidungen und Bilder an und kümmerten sich noch um viele andere Dinge, damit dann am 19. August das neue Schuljahr starten konnte. „Wir möchten allen Helfern ein herzliches Dankeschön sagen“, bemerkt Daniela Vogt (43), die vor ihrer Tätigkeit an der Evangelischen Oberschule viele Jahre an der Sportoberschule in Dresden sowie auch an der Oberschule in Colditz Deutsch, Geschichte und Gemeinschaftskunde unterrichtet hatte.

Eigenes Profil

Die Evangelische Oberschule wächst. Im nächsten Schuljahr 2020/21 werden wieder zwei neue fünfte Klassen hinzukommen. „Es gibt schon viele Anmeldungen“, bemerkt die Schulleiterin. Am 9. November werden die Neuen ihr künftiges Domizil in Augenschein nehmen.

Diese außerordentliche Resonanz für diese neue Bildungseinrichtung in der Gemeinde Klipphausen hat gute Gründe. Natürlich ist die Evangelische Oberschule an staatliche Vorgaben gebunden, es gibt die sächsischen Lehrpläne, allgemeingültige Bildungsinhalte und -ziele, Leistungskontrollen und Zensuren. Doch was die Ausgestaltung der Lehrpläne betrifft, das Einbeziehen und Miteinander der Schüler, das Vermitteln von gesellschaftlich relevanten Grundeinstellungen und Werten, was das selbständige Arbeiten der Schüler für ein anwendungsbereites Wissen und gute Fertigkeiten angeht, was offene Lernformen und anderes anbelangt oder die gezielte Förderung der individuellen Interessen und Begabungen der Schüler – da hat sich die Evangelische Oberschule Klipphausen mit ihren derzeit 14 Lehrkräften schon ein eigenes Profil erarbeitet. Daniela Vogt: „Wir wollen die Kinder und Jugendlichen gut auf das Leben vorbereiten, damit sie in ihrem Auftreten mit einer soliden Bildung und ethischen Werten unsere Gesellschaft voranbringen und selbstbewusst und kreativ ihren Lebensweg gestalten können.“

So gesehen ist diese neue Bildungseinrichtung in der Gemeinde Klipphausen keine Konkurrenz für die staatlichen Schulen, aber eine willkommene Bereicherung in der Schullandschaft, eine staatlich anerkannte Ersatzschule, eine Ganztagsschule, wo dem Gemeinschaftsgedanken viel Raum gegeben wird. Auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes übernimmt die neue Oberschule Verantwortung bei allgemein öffentlichen Bildungsaufgaben. Daniela Vogt spricht da von einer fächerverbindenden Wissensvermittlung, von ganzheitlichem Lernen, von Eigenverantwortung, respektvollem Miteinander sowie Sozial- und Methodenkompetenzen, die fester Bestandteil der Ausbildung sind. „Unsere allgemeinbildende Oberschule ist offen für Kinder aus konfessionellen und nichtkonfessionellen Elternhäusern“, sagt sie.

Das Smartphone ist tabu

So verweist die Schulleiterin, die in Sora wohnt, auf eine Reihe von Aktivitäten in nächster Zeit. Ab Ende Oktober gibt es in den einzelnen Klassen Projektunterricht zum Thema „Das Evangelische in unserem Namen“. Im Dezember werden die Schüler durch gemeinnützige Arbeit Geld sammeln für ein Schulprojekt am Victoriasee in Ostafrika. 60 Euro je Klasse sollen da zusammenkommen. Im vorigen Jahr hatten da die jetzigen Klassen 6 und 7 durch fleißiges Mittun sogar je 120 Euro erwirtschaftSchulhofet.

Auch Exkursionen von Schülern sind angesagt, unter anderem auch zum Kloster „Heilig Kreuz“ in Meißen. Es gibt eine Pflanzaktion von Bäumen und Sträuchern der siebenten Klasse und vieles andere mehr. Interessant ist zum Beispiel auch, dass tagsüber für die Mädchen und Jungen das Smartphone in der Schule und im Gelände tabu ist. Bei dringenden Angelegenheiten müssen sie dazu ins Schulsekretariat gehen.

Ganz wichtig sei für die Evangelische Oberschule der Kontakt zu Betrieben, Einrichtungen und Vereinen in der Region, sagt Daniela Vogt. „Wir wollen schon frühzeitig mit der Berufsorientierung beginnen, was für Unternehmen, Kinder und Eltern gleichermaßen von Vorteil ist“, so die Schulleiterin. Solche Betriebe wie unter anderem Thoenes Dichtungstechnik, Unser Bäcker, Spedition Hauptvogel und andere seien da genannt. Das würde Exkursionen, Vorträge und andere Aktivitäten einschließen.

Reger Kontakt besteht schon seit geraumer Zeit zu den Ev.-Luth. Kirchgemeinden St.-Nikolai Weistropp-Constappel und Unkersdorf und zur St.-Bartholomäus-Kirchgemeinde Röhrsdorf, die sich sehr für die Kinder engagieren. „Mit Pfarrer Christian Bernhardt und Pfarrer Christoph Rechenberg haben wir schon gemeinsam mehrere Projekte mit den Schülern verwirklicht“, meint Daniela Vogt. Sie freut sich schon sehr, dass bald der neue multifunktionale Raum in der Soraer Kirche fertig wird, der dann auch für Projektunterricht der Schüler genutzt werden soll.

Aber auch Exkursionen der Schüler in die Umgebung, um Natur und Heimat besser kennenzulernen, haben schon einen festen Platz. Zum Beispiel vermittelt da der ehemalige langjährige Gemeinderat und Bauunternehmer Volker Grafe den Kindern heimatgeschichtliches Wissen bei seinen Führungen im Raum Sora/Lampersdorf. Bei Klassenfahrten hat dieser Aspekt der Verbundenheit mit Natur und Umwelt ebenfalls großen Stellenwert.

Auch solche Formen und Herangehensweisen wie „Mein Ich in der Gemeinde“ in der fünften Klasse oder das Thema „Mein Ich in der Gesellschaft“ in der sechsten Klassenstufe, wo es auch um „Brücken bauen“ geht, um das Vertrautmachen mit Menschen, die durch eine Behinderung gehandicapt sind, sollen bei den Schülern zu gesellschaftlich relevanten Haltungen wie Liebe zur Heimat und ihren Werten oder zu Achtung und Respekt gegenüber anderen Menschen und ihren Leistungen führen. In der siebenten Klassenstufe steht bei den Schülern „Mein Ich in der Berufswahl“ mit im Vordergrund, wo es auch um ihre eigene Potenzialanalyse, um Stärken, Schwächen und Neigungen geht.  

Tolle Freizeitangebote

In dieser Ganztagsschule werden für die Kinder viele Kurse und Arbeitsgemeinschaften angeboten. Beim Rundgang Anfang Oktober in dieser Einrichtung hatten die Mädchen und Jungen der Klasse 7 gleich Antworten parat, was so alles stattfindet. Da würde es AGs für Garten, Tanzen, Fotografie und Latein geben, auch einen Sanitätskurs, Skat-Treff und anderes mehr. „Die Schule macht was los“, sagen sie. Früh am Tag bis gegen 16 Uhr herrscht Leben in dieser Einrichtung. Von 6.50 Uhr bis 7.30 Uhr ist Flüsterzeit, gewissermaßen eine besinnliche Einstimmung auf den Schultag. Die Schüler bereiten sich vor, auch Andachten gibt es da.

Für das Interimsquartier in Ullendorf hatten Gemeinde, Landkreis und Verkehrsgesellschaft Meißen eine Schulbuslinie eingerichtet. Sie führt von Meißen in umliegende Dörfer der Gemeinde und zurück, solche Orte wie Batzdorf, Scharfenberg, Gauernitz, Pegenau, Naustadt und Reichenberg werden angefahren. „Dass es für Busse eine extra Zufahrt auf das Schulgelände gibt, ist eine feine Sache. Davon profitieren wir Fahrer und die Kinder. Eine gute Sicherheit ist so gegeben“, bemerkt der 56-jährige Busfahrer Andreas Uhlig von der Verkehrsgesellschaft Meißen. Wo es noch mit dem Schülerverkehr hapert, ist der Bereich aus Richtung Weistropp/Sachsdorf und umgekehrt, besonders nach Schulschluss gibt es da Probleme. Eltern, Schule und Gemeinde suchen jetzt mit dem Landratsamt und der Verkehrsgesellschaft Meißen nach einer Lösung.

Ein Dankeschön gesagt

Fazit des Ganzen: Die neue Evangelische Oberschule Klipphausen ist aus dem Leben der Gemeinde nicht mehr wegzudenken. Und: Was für ein Glück, dass Gemeinderat und Gemeindeverwaltung trotz vieler Widrigkeiten so hartnäckig dranblieben, eine Oberschule als weitere Bildungsstätte im Territorium zu schaffen. Den vielen Eltern, die sich sehr für diese Einrichtung engagieren, sei ein großes Dankeschön gesagt.

Text und Bilder: Dieter Hanke, 18.10.2019