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Steinernes Denkmal vor Verfall gerettet

Am Tännicht an der Straße nach Piskowitz und Sönitz steht jetzt wieder eine restaurierte historische Wegesäule.

Volker Gebhardt, der Wegesäulen-Experte aus Seeligstadt, lässt wieder aufhorchen. Er hat erneut ein bemerkenswertes Projekt verwirklicht: Ein Zeugnis alter Verkehrswege wurde restauriert und für die Nachwelt bewahrt. Vor allem Taubenheimer, Seeligstädter und viele Wanderer und Ausflügler werden darüber sehr erfreut sein. Denn unmittelbar an der Weggablung am Tännicht nach Kettewitz an der Straße von Taubenheim nach Piskowitz und Sönitz steht jetzt wieder auf der Bergkuppe ein historischer Wegestein von 1860/70, der einst vermutlich im Zusammenhang mit den damaligen trigonometrischen Vermessungen auf der Baeyerhöhe entstanden war. So verweisen die Richtungspfeile auf der einen Seite der Säule nach Piskowitz und nach Taubenheim und auf der anderen nach Kettewitz und nach Seeligstadt.

Vom Bagger umgefahren

Über 100 Jahre hatte dieses steinerne Denkmal dort gestanden. Dann wurde es vermutlich von einem Bagger zu späteren DDR-Zeiten umgefahren und in den Busch geschleppt. „Offenbar war diese Sandsteinsäule an der Spitzkehre für den Fahrer ein Verkehrshindernis gewesen“, meinte Volker Gebhardt. Seitdem rottete dieses Zeugnis alter Verkehrswege im angrenzenden Wald vor sich hin. Es versank im Boden, Erde und Gestrüpp überwucherten im Laufe der Jahrzehnte das Fragment. Durch den Zusammenprall war das Unterteil der Säule abgebrochen.

Ein Glück, dass es den ehemaligen Schuhmacher Gerhard Schöne aus Taubenheim gibt. Dieser hatte den Seeligstädter Heimatfreund auf dieses Exemplar aufmerksam gemacht, denn er kannte exakt den Fundort. Volker Gebhardt konnte so das Exemplar bergen und sichern. Mit einem Radlader wurde die Säule im Frühjahr 2018 in den Garten seines Wohnhauses in Seeligstadt bugsiert.

   

In bewährter Weise restauriert

Dann machte sich der gelernte Maurer, der Jahrzehnte als Polier im Bauwesen gearbeitet hatte, an die weiteren Verfahrenswege. Wie schon bei anderen Wegesäulen in der Vergangenheit fand er auch diesmal in der Mitarbeiterin des Bauamtes der Gemeindeverwaltung Eva Roick eine engagierte Mitstreiterin. Kontakt zur Denkmalschutzbehörde des Landkreises Meißen und zum Kreisstraßenbauamt wurde aufgenommen, Fotos und Unterlagen zusammengestellt. Die Gemeindeverwaltung kümmerte sich mit um Genehmigungen, Ausschreibung des Vorhabens an Unternehmen und um den Förderantrag. Ende 2018 hatte das Meißner Denkmalamt die denkmalschutzrechtliche Genehmigung zur Restaurierung und zum Wiederaufstellen dieses Wegesteins erteilt. Das Unternehmen Naturstein und Denkmalpflege Dieter Vogt aus Roitzschen erhielt den Zuschlag für diesen Auftrag. In bewährter Weise stellte dieser Fachbetrieb das abgeschlagene Säulenunterteil neu her. Auch andere Schäden wurden beseitigt, die Inschriften erneuert. Die Kosten beliefen sich insgesamt auf 1 338 Euro, davon sind etwa 800 Euro von der Sächsischen Denkmalschutzförderung.

Schon neue Recherchen

„Ich bin froh, dass wir wieder so ein Projekt verwirklicht haben. Ein weiteres Zeugnis der Heimatgeschichte konnte gerettet werden“, sagte Volker Gebhardt, der Mitglied des Heimat- und Sportvereins Seeligstadt ist. Mit diesem restaurierten steinernen Kleindenkmal bewies dieser Verein erneut, wie wichtig ihm die Bewahrung von Traditionen und historischen Bauzeugen ist. Dank sagt der Verein deshalb auch allen Sponsoren und Spendern, die sich bei der Finanzierung der Restaurierung dieses Wegesteins mit eingebracht haben. An der Sandsteinsäule sind ihre Namen mit fixiert.

Am 30. Oktober 2019 hatte Ralf Petersen vom Steinmetzbetrieb Dieter Vogt mit einem Spezialfahrzeug diesen restaurierten Wegestein aus Roitzschen zum Standort gebracht. „Auch für unseren Betrieb ist so ein Vorhaben eine schöne Sache“, bemerkte Ralf Petersen, der schon über 20 Jahre in diesem Roitzschener Unternehmen tätig ist. Behutsam wurde die Säule mit einem Kran herunter gehievt. Der 54-jährige Baufacharbeiter und Volker Gebhardt setzen dann den Wegestein, der etwa 200 Kilo schwer und 1,79 Meter hoch ist, in das Boden-Fundament ein, an die 60 Zentimeter tief. Der Standort des Denkmals befindet sich etwa zwei Meter neben der Straße.

Eine Besonderheit weist diese Säule auch auf, wie Volker Gebhardt noch berichtete. „Die meisten sind in ihrer Form ein Vierkant. Diese hier ist im oberen Teil keilförmig“, so der Seeligstädter, der schon in Sachen Wegesäulen neue Recherchen anstellt. Denn früher standen auch Wegesteine an den Straßen in Sönitz sowie zwischen Weitzschen und Seeligstadt. Doch diese sind verschollen, wurden noch nicht aufgefunden. Volker Gebhardt will sich nun darum bemühen.

Die neue restaurierte Wegesäule am Tännicht reiht sich ein in die Initiativen der vergangenen Jahre. Denn Volker Gebhardt hat da zusammen mit dem Heimatverein und der Gemeindeverwaltung Klipphausen schon zwei andere Wegesteine vor dem Verfall gerettet und wieder aufstellen lassen. Das betrifft eine sehr schöne Wegesäule in Seeligstadt an der Kreuzung Burkhardswalder Straße/Weitzschener Straße/Viehweg sowie ein steinernes Kleindenkmal am Kuhberg. Jetzt wird mit dieser weiteren Sandsteinsäule erneut ein Stück Heimatgeschichte in den Blickpunkt gerückt, wofür die Gemeinde dem Initiator Volker Gebhardt und dem Seeligstädter Heimat- und Sportverein herzlich dankt.

Text und Fotos:  Dieter Hanke, 21.11.2019