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Klärbecken dienen nun als Speicher

Die alte Kläranlage in Klipphausen wurde jetzt saniert. Bisher strömten knapp 700 000 Kubikmeter Abwasser durch die neue Druckleitung nach Dresden.

Zuverlässig, solide und schnell: Seit Anfang Februar 2019 bis jetzt wurden knapp 700 000 Kubikmeter Abwasser auf ihre dreistündige Reise in der neuen Druckleitung von der Kläranlage in Klipphausen bis nach Dresden zur Kläranlage der Stadtentwässerung Dresden geschickt, wo es in den Becken biologisch gereinigt wird. Das sind etwa 3 600 Kubikmeter Abwasser pro Tag. Das neu errichtete Pumpwerk in der Anlage in Klipphausen drückte so in diesem Zeitraum an die 40 bis 72 Liter Abwasser pro Sekunde in die insgesamt 12,5 Kilometer lange Trasse.

 

„Keine Havarien oder größere Störungen. Pumpen, Druckleitung, elektronische Steuerung und andere Technik funktionierten einwandfrei. Wir sind sehr zufrieden mit dieser Gesamtanlage“, sagte Norman Wonka, Teamleiter für Investitionen bei der Stadtentwässerung Dresden, der für dieses Gesamtvorhaben zuständig war, das etwa 10,5 Millionen Euro netto kostete. Auf Grund der anhaltenden Trockenheit im Sommer und des zur Zeit noch sehr regenarmen Herbstes wird die konzipierte jährliche Abwassermenge von einer Million Kubikmeter nicht befördert werden müssen. Die Kläranlage Kaditz hat mit diesen Mengenschwankungen aber keine Probleme - stellt doch die Überleitmenge der ehemaligen Kläranlage Klipphausen etwa zwei Prozent der Jahresmenge der Großkläranlage in Dresden-Kaditz dar. „Seit der offiziellen Inbetriebnahme der Abwasserüberleitung am 18. März 2019 ist die Anlage noch nicht an ihre Leistungsgrenze gekommen", so der Teamleiter.

Zukunftssichere Lösung  

Für Andreas Clausnitzer, Vorsitzender des Abwasserzweckverbandes „Wilde Sau“ und Beigeordneter der Stadt Wilsdruff, sind die bisherigen Ergebnisse erneut ein Beweis, dass mit dieser Großinvestition eine zukunftssichere Lösung für eine moderne Abwasserentsorgung in der Region geschaffen wurde. „Unsere enge Partnerschaft mit der Stadtentwässerung Dresden ist für beide Seiten von Vorteil. Wir sind froh, dass wir diesen Weg gegangen sind“, bemerkte der 61-jährige Kommunalpolitiker und sprach den Planern und Bauleuten erneut ein großes Dankeschön für ihr Engagement und professionelles Wirken aus.

Auch der Klipphausener Bürgermeister Mirko Knöfel würdigte dieses Großprojekt, das der Abwasserzweckverband „Wilde Sau“ in Auftrag gegeben hatte und im Bunde mit der Stadtentwässerung Dresden in den vergangenen Jahren verwirklichte. „Gemeinsam wurde eine wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Lösung erreicht“, sagte der 36-Jährige. So würden einmal die Bürger von einer modernen Abwasserentsorgung profitieren und zum anderen die Umwelt. Denn durch die Außerbetriebnahme der alten Kläranlage in Klipphausen würde die „Wilde Sau entlastet und deren Wasserqualität verbessert. So werden nun seit neun Monaten die Abwässer von Wilsdruff und aus mehreren Ortsteilen der Stadt sowie von Pohrsdorf und Fördergersdorf im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge über die neue Druckleitung entsorgt. Aus der Gemeinde Klipphausen im Landkreis Meißen betrifft es die Abwässer aus Sora, Klipphausen, Röhrsdorf, Sachsdorf und Hühndorf. Auch die Schlämme aus den Kleinkläranlagen Kleinschönberg, Lampersdorf und Lotzen werden hier mit erfasst.

 Stahldübel verankert

Wenngleich das Abwasser nun nach Dresden fließt, hat die alte Kläranlage am Sachsorfer Weg in Klipphausen, deren erste Ausbaustufe 1994 in Betrieb genommen wurde, noch lange nicht ausgedient. Norman Wonka: „Die fünf ehemaligen Klärbecken werden als Abwasser-Speicherbecken zur Verfügung stehen, insgesamt ein Volumen von etwa 9 000 Kubikmetern.“ Diese Becken sollen zeitweise als Puffer dienen – bei einer Havarie der Pumpen, in extremen Spitzenzeiten früh und abends oder auch bei Starkregen, wenn die Abwasser-Zulaufmenge aus den Orten größer ist als die Fördermenge, die die Pumpen schaffen. Die ersten beiden Becken sind als Tagesspeicher vorgesehen, die anderen bleiben bis auf die genannten Ausnahmefälle leer. Die Stadtentwässerung Dresden, seit 2015 Betriebsführer des Abwasserzweckverbandes „Wilde Sau“, hat nun auch diese Modernisierungen in der Kläranlage seit dem Frühjahr 2019 erfolgreich abgeschlossen.

„Die fünf Becken sind saniert“, sagte Norman Wonka. Dazu gehörten zunächst die Entkernung der Becken von alten Einbauten wie zum Beispiel von Belüftern und Räumerbrücken und die Beseitigung von Schäden. Die Sohlen wurden neu betoniert, Rührwerke am Boden montiert und auch neue Rohrleitungen und Einläufe für den Verbund der Becken geschaffen. Für eine gute Stabilität verankerten die Bauleute auch 2,50 Meter lange Stahldübel in den felsigen Untergrund der Becken. „Bis zu 50 Dübel pro Becken waren es“, so Norman Wonka. Damit soll vermieden werden, dass bei einem Ansteigen des Grundwassers die leeren Becken durch Auftrieb Schaden nehmen.

Rechen entfernt Feststoffe

Die Sanierung der Anlage umfasste auch den Einbau einer neuen Rechenanlage, um Feststoffe aus dem eingehenden Abwasser aus den Orten zu entfernen, ehe dieses in der Druckleitung befördert wird. Allein diese Modernisierung kostete an die 100 000 Euro.   

Die Swietelsky Baugesellschaft aus Meißen, die schon beim ersten Baulos das Pumpwerk errichtet und das erste Becken saniert hatte, bekam auch den Zuschlag für die Sanierung der weiteren Becken und der Gesamtanlage. Bis Jahresende, so Swietelsky-Bauleiter Arend Dannenberg, soll im Wesentlichen alles fertig sein. So werden zum Beispiel noch die Straßen asphaltiert bzw. gepflastert, Wege angelegt sowie das Gelände reguliert und Anschlüsse vorgenommen. „Für uns war das eine gute Baustelle. Die Planung klappte, es gab ein enges Miteinander“, meinte der 50-Jährige. Mit im Einsatz bei der Sanierung war auch die Firma GAD Dresden, die sich um technische Ausrüstung und Steuerung kümmerte.  

Steinhaufen als Lebensraum

Zu den abschließenden Arbeiten gehört auch noch das Anlegen eines großen Steinhaufens, der später mal ein Lebensraum für Eidechsen und andere Kleintiere werden kann. Denn bei den Schachtarbeiten, vor allem an der Pumpstation und bei den Zuleitungen, kamen viele große kantige Bruchsteine zum Vorschein - Findlinge aus der Eiszeit. „Einer war sogar an die 40 Tonnen schwer“, wie Arend Dannenberg berichtete. „Wir hatten bei den Schachtarbeiten großen Verschleiß am Bohrgerät“, meinte der Bauleiter weiter und zollte noch seinem Polier auf der Baustelle, Wolfgang Dietze, Anerkennung für dessen Umsicht und Einsatzbereitschaft.

Martin Rudolph, Projektleiter der Stadtentwässerung Dresden für den Kläranlagen-Umbau, freute sich ebenfalls, dass der Baubetrieb solide gearbeitet hat. „Es ist ein schönes Gefühl, wenn unser Unternehmen gemeinsam mit vielen Beteiligten so ein Großvorhaben erfolgreich gemeistert hat“, sagte er.

Mühen zahlten sich aus

Auch Norman Wonka ist froh, dass sich die vielen Mühen ausgezahlt haben. „Es ist ein Projekt gewesen, das Planer und Bauleute vor große Herausforderungen gestellt hat“, sagte der 50-Jährige, der im nächsten Jahr seine 25-jährige Betriebszugehörigkeit zur Stadtentwässerung Dresden begeht. Allein die Genehmigungsplanung umfasste insgesamt 78 Ordner, 520 Quadratmeter Berichtstext (6 850 Seiten DIN-A4) und 813 Quadratmeter Planzeichnungen.

So erforderte zum Beispiel die Lage der Leitungstrasse entlang der A4 auf insgesamt 160 öffentlichen und privaten Grundstücken die Zustimmung von allen Besitzern. Technisch sehr anspruchsvoll sei der Bauabschnitt gewesen, der auf einer Länge von 450 Metern unter der Elbe hindurchführt. Auch die Unterquerung der Meißner Landstraße und der angrenzenden Eisenbahnlinie sei kompliziert gewesen. „Doch gemeinsam mit unserem Planungspartner ACI GmbH haben wir das alles zur Zufriedenheit des Bauherren bewältigt", so Wonka.

Text und Fotos: Dieter Hanke, 26.11.2019