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Mut brauchen wir auch heute

Am 9. November wurde eine Friedenslinde in Weistropp gepflanzt. Besucher erlebten bei einer Veranstaltung in Röhrsdorf Geschichte aus der Region live.

 Ein stattlicher Baum, eine Linde, schon 20 Jahre alt, an die sechs Meter hoch mit einem Stammumfang von 33 Zentimetern in einem Meter Höhe. Dieser ist jetzt die Friedenslinde. Sie steht nun am Weistropper Vereinsgebäude. Genau der richtige Platz. Viele Bürger, Sportler, Zuschauer und Wandersleute werden da vorbeikommen. Die Linde soll im 30. Jahr des wiedervereinigten Deutschlands an den Fall der Mauer in der DDR erinnern. Ein Baum der Erinnerung, ein Symbol des Lebens. „Wir haben eine Linde gepflanzt, in der Hoffnung, dass sie zu einem großen starken Baum heranwächst und auch nachfolgende Generationen daran erinnert, dass es sich lohnt, für Freiheit und friedliches Miteinander aller Menschen zu arbeiten.“ Das hatte die 65-jährige Pfarrerin Ingrid Schuster i. R. aus Sora zur Einweihung der Friedenslinde am 9. November 2019 in Weistropp gesagt. Und Gemeinderätin und Mitglied des Ortschaftsrates Klipphausen Dr. Reimann-Bernhardt aus Weistropp verwies darauf, dass diese Friedenslinde symbolisch für alle 43 Ortsteile der Gemeinde Klipphausen steht, für den Aufbruch der Menschen nach dem Mauerfall, für all das neu Geschaffene, für den Zusammenhalt und engagiertes Vorgehen bei der Lösung von Aufgaben und Problemen in unserer heutigen Zeit.

Geschehnisse vor 30 Jahren

Der Ortschaftsrat Klipphausen hatte im Bunde mit dem CDU-Gemeindeverband Klipphausen diese Aktion Friedenslinde am 9. November veranstaltet. Eine Zusammenkunft, zu der viele Menschen gekommen waren. Sie erlebten, wie Mitglieder der Jagdhornbläsergruppe „Herbert Dießner “ aus Bockwen zum Auftakt spielten, sie verfolgten, wie Gemeinderäte, Mitglieder des Ortschaftsrates und des CDU-Gemeindeverbandes diese Friedenslinde in den Boden setzten und sie sprachen anschließend miteinander über die Geschehnisse beim Mauerfall vor 30 Jahren, über ihre Erinnerungen, Werdegänge und künftige Vorhaben.

 Engagement von Falk Winkler

„Diese Linde ist mir ans Herz gewachsen. Sie ist ein Baum für ganz Klipphausen, soll ein Zeichen der Erinnerung sein, aber auch der Hoffnung und des Miteinanders für Künftiges“, sagte der 47-jährige Ortschaftsrat Falk Winkler aus Röhrsdorf. Er hatte in den vergangenen 18 Jahren diese Linde auf seinem Grundstück gehegt und gepflegt. Jetzt an ihrem neuen Standort soll sie ebenfalls gut gedeihen. Gemeinsam mit seiner Frau Kathleen und der 15-jährigen Tochter Finja brachte er eine Schutzvorrichtung am Standort an und wässerte auch ausgiebig den Baum mit 300 Litern.

Berichte von Zeitzeugen

Bürgermeister Mirko Knöfel sowie Gemeinderat und Vorsitzender des Ortschaftsrates Klipphausen Prof. Dr. Thoralf Münch hatten zu den Anwesenden über die Bedeutung dieses Tages vor 30 Jahren gesprochen. Eine gute Ergänzung dazu waren die Erlebnisberichte der Zeitzeugen Dr. Rosemarie Zschoche aus Hartha und Klaus Peter Vogt aus Klipphausen. Der 52-jährige Gemeinderat und Meister für Gas-Wasser-Installation stammt aus Hessen und machte sich 2001 in Klipphausen selbstständig. Für den Treff in Weistropp brachte er Fotos und Augenzeugenberichte mit, die anschaulich jene Ereignisse vor 30 Jahren widerspiegeln. Als junger Mann hatte er vor über 30 Jahren die deutsch-deutsche Teilung im Gebiet zwischen Hessen und Thüringen und den Grenzwall und das DDR-Grenzregime mit eigenen Augen erlebt. „Ich wohnte unweit des ehemaligen US-Militärpostens in Rasdorf im Landkreis Fulda, der heute eine Gedenkstätte ist. Ich erlebte mit, wie vor 30 Jahren diese Grenze fiel. Dieses Ereignis hat nachhaltig meine Entwicklung mit geprägt“, bemerkte Klaus Peter Vogt.

Aus erster Hand

Gewissermaßen eine Fortsetzung war dann am Nachmittag die Veranstaltung des CDU-Gemeindeverbandes und des Ortschaftsrates Klipphausen in der Röhrsdorfer Kirche. Vor vielen Besuchern kamen hier Zeitzeugen zu Wort, so Dr. Hans Geisler, von November 1990 bis 2002 Staatsminister für Soziales, Gesundheit und Familie in Sachsen; Renate Koch, langjährige Landrätin von Meißen; Gerold Mann, Bürgermeister von 1990 bis 2019 in Klipphausen; Ingrid Schuster, Pfarrerin i. R. aus Sora; Jens Kuge, Uhrmacher aus Roitzschen; Klaus Peter Vogt, Handwerksmeister aus Klipphausen; Christoph Rechenberg, Pfarrer der St.-Bartholomäus-Kirchgemeinde in Röhrsdorf und Landwirt Andreas Partzsch aus Röhrsdorf. Mit zugegen bei dieser Veranstaltung waren auch der Klipphausener Bürgermeister Mirko Knöfel und die CDU-Landtagsabgeordnete Daniela Kuge.

Bei so vielen Gästen keine leichte Aufgabe für den Moderator, diesen Treff zu leiten. Doch Carsten Hahn, Gemeinderat und Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes, verstand es geschickt mit seinen Fragen an die Zeitzeugen, den Besuchern interessante Einblicke zu vermitteln. So erlebten diese Geschichte aus der Region live. Wie war es an jenem 9. November 1989, was hat uns damals getrieben, wo stehen wir heute? Aus ihrer persönlichen Sicht ließen die Gäste jene Zeit lebendig werden. Die Schlussworte von Moderator Carsten Hahn waren da symptomatisch für das Anliegen dieser Veranstaltung: „Heute leben wir in einem wiedervereinigten Deutschland und schauen stolz auf fast 30 Jahre gemeinsamer Geschichte. Der 9. November hat uns gezeigt, was Mut bewirken kann. Mut brauchen wir auch heute, 30 Jahre nach dem Fall der Mauer.“

Text und Fotos: Dieter Hanke, 02.12.2019