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Bauern setzen ein Zeichen

Für eine lebenswerte Umwelt pflanzten Landwirte nahe der Baeyerhöhe 20 Obstbäume.

In einigen Jahren könnte der Wiesenweg, der einige Hunderte Meter nach dem Ortsausgang Lampersdorf an der Straße in Richtung Baeyerhöhe abzweigt, eine begehrte Adresse für Obstliebhaber sein. Denn an dem etwa 700 Meter langen Weg durch Felder, der dann auch dort endet, wachsen jetzt 20 neue Obstbäume. Sie wurden Mitte November gepflanzt. Es sind alte regionale Sorten und auch neuere darunter, vor allem aber sind die hochstämmigen Bäume eine gute Mischung von verschiedenen Obstsorten, deren Erntezeit von früh bis spät ausfällt – Kirschen, Pflaumen, Birnen und Äpfel. Wer mal bei einem Spaziergang dort vorbeischlendert, kann auf deren Schildern bekannte und auch weniger übliche Sortennamen entdecken, die vielleicht Anreiz sind, sich mal im Internet darüber näher zu informieren. So wachsen jetzt dort auch die Große Schwarze Knorpelkirsche, Büttners Rote Knorpelkirsche, die Birnen Claps Liebling oder die Konferenzbirne, die Apfelsorten Kaiser Apfel Wilhelm, der Danziger Kantapfel oder die Rote Sternrenette, die Pflaumen Mirabelle von Nancy oder auch Wangenheims Frühzwetsche. Fürwahr eine willkommene Bereicherung – nicht nur, was das leckere Obst anbelangt, sondern vor allem auch, was die Verschönerung des Landschaftsbildes in diesem Gebiet ausmacht. Zumal damit auch die Kirschallee, wie Einheimische den Standort nennen, wieder aufgewertet wird. Denn zu den noch verbliebenen alten Kirschbäumen aus vergangenen Jahrzehnten gesellen sich nun neue Obstbaum-Exemplare, und Lücken werden an diesem Weg, der der Gemeinde gehört, geschlossen. Die neuen Obstbäume stammen aus der Baumschule Dietrich in Nossen.

Schöner Blühstreifen

Doch die Pflanzung von neuen Obstbäumen ist dort nicht die einzige Neuerung. Seit zwei Jahren erstreckt sich von Frühjahr bis Herbst auf der linken Seite dieses öffentlichen Weges vor dem Feldrand ein etwa acht Meter breiter Blühstreifen. Sonnenblumen, Dill, Phacelia und andere Pflanzen sind hier für Bienen und Schmetterlinge ein Eldorado, und auch für Niederwild stellt dieser Blühstreifen am Feldrand eine gute Standortwahl und Versteckmöglichkeit dar. Im nächsten Jahr will Stefan Stelzmann einen solchen Blühstreifen wieder anlegen, und schon jetzt freuen sich auch Blumenliebhaber in der Umgebung über die wieder zu erwartenden Schönheiten in der Natur.

Es wird also in der Gemeinde Klipphausen nicht nur im Raum Scharfenberg, Naustadt und Polenz mit dem Pflanzen von neuen Bäumen und Sträuchern der Liebe zur Natur und Umwelt entsprochen, sondern Leute, die sich dafür engagieren, gibt es auch anderenorts. Und im Fall des Wiesenweges nahe der Baeyerhöhe sind es ausgerechnet jene, die in letzter Zeit immer mehr in die Negativ-Schlagzeilen in Deutschland geraten sind - die Bauern. Von etlichen Zeitgenossen wird diesen Raubbau an Natur und Umwelt zugewiesen, sie prangern den verstärkten Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden an, die nicht nachhaltige Nutzung von natürlichen Ressourcen. Doch stimmt dieses Bild generell und überall? Werden nicht damit auch Landwirte, die sich für eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung und für die Umwelt einsetzen, verunglimpft?

Mit der Natur eng verbunden

Jedenfalls wollten die Saubachtaler Agrar AG, der selbstständige Landwirt Stefan Stelzmann aus Weitzschen und die Agro GmbH aus Burkhardswalde mit dieser Pflanzaktion am Wiesenweg ein Zeichen setzen, dass ihnen eine schöne abwechslungsreiche Landschaft in den linkselbischen Tälern am Herzen liegt. „Als Landwirte sind wir doch mit der Natur eng verbunden. Da ist es doch folgerichtig, dass wir uns für deren Bewahrung einsetzen“, sagte der 36-jährige Stefan Stelzmann, der auch Gemeinderat ist. Und René Münch, Vorstandsmitglied der Saubachtaler Agrar AG, bemerkte: „Wir wollten mit dieser Aktion auch jenen eine klare Antwort geben, die uns mit solchen Ansichten in Misskredit bringen, dass uns nur die Erträge wichtig sind und nicht auch Natur und Umwelt.“ Für Volkmar Kühne, Geschäftsführer der Agro GmbH aus Burkhardswalde, ist diese Aktion auch ein Ausdruck dafür, dass die Bauern in der Gemeinde Klipphausen eng zusammenarbeiten und die Umwelt nicht hintenanstellen. „Solche Auffassungen machen sich doch zunehmend breit, dass wir Bauern die Bösen in der Gesellschaft sind. Wir würden die Umwelt schädigen, Bäume wegmachen, Insekten den Lebensraum nehmen. Doch das lassen wir nicht auf uns sitzen“, so der 62-jährige Geschäftsführer.

Für Baumpflege gesorgt

Nach Absprache mit der Gemeindeverwaltung Klipphausen brachten so Mitte November diese drei Unternehmen gemeinsam die 20 Bäume in den Boden, befestigten diese an Pfählen, brachten auch einen Schutz gegen Wildverbiss an. „Wir haben auch schon einen Plan zur Pflege und Bewässerung der jungen Bäume aufgestellt“, bemerkte Stefan Stelzmann. Die Kosten für diese Baumpflanzaktion haben sich die drei Gemeinschaften geteilt. Für Stefan Stelzmann, René Münch und Volkmar Kühne sei es nicht ausgeschlossen, dass künftig von ihnen noch weitere Baumpflanzaktionen im Territorium vorgenommen werden. Landwirt Stefan Stelzmann hatte zum Beispiel auch mit seinem Betrieb in diesem Frühjahr zehn Obstbäume an der Straße zwischen Weitzschen und Seeligstadt gepflanzt.

Auch der Ortschaftsrat Klipphausen freut sich über diese Initiative der Bauern an der Baeyerhöhe. Prof. Dr. Thoralf Münch, Gemeinderat und Vorsitzender des Ortschaftsrates Klipphausen: „Eine feine Sache, ein Gewinn für die Umwelt. Unsere Landschaft wird abwechslungsreicher. Dafür diesen Landwirten ein Dankeschön.“ Von Vorteil für den Baumnachwuchs sei hier auch, so Prof. Münch weiter, dass deren Pflege in den kommenden Jahren von den Bauern gewährleistet werde.   

Bei Traktoren-Demo dabei

Diese drei Landwirtschaftsbetriebe bewirtschaften etwa 200 Hektar Land rund um die Baeyerhöhe. Es ist ein markantes Gebiet, dort ist mit 321 Metern auch die höchste Erhebung im Landkreis Meißen, wovon ein trigonometrischer Punkt kündet. Eine gute Rundumsicht bietet sich von oben.

Am Wiesenweg hat Stefan Stelzmann derzeit Raps angebaut. Eine idyllische Landschaft, die jetzt mit den neuen Bäumen weiteren grünen Nachwuchs erhalten hat. Stefan Stelzmann war auch mit anderen Landwirten aus der Gemeinde vor einigen Wochen bei der Traktoren-Demonstration der Bauern aus ganz Deutschland nach Berlin mit von der Partie. „Wir spüren, dass die gesellschaftliche Wertschätzung unserer Arbeit abnimmt. Wir wollen von Regierung, Parteien und Verbänden, dass man mit uns Bauern redet und nicht einfach über unsere Köpfe hinweg entscheidet und uns vor vollendete Tatsachen stellt“, meinte Stefan Stelzmann. Die geplante Verschärfung der Düngemittelverordnung zum Beispiel würde an die Existenz der Landwirtschaftsbetriebe gehen. „Wir Bauern lassen uns aber nicht unterkriegen, kämpfen weiter“, bemerkte der 36-Jährige. Als selbstständiger Landwirt bewirtschaftet er etwa 600 Hektar, so werden von ihm Winterweizen und -gerste, Raps, Zuckerrüben und Körnermais produziert. Während er in diesem Jahr bei Weizen auf 250 Hektar recht ordentliche Erträge einfahren konnte, sah es bei Wintergerste nur durchschnittlich aus, wie der Landwirt berichtete. „Von Jahr zu Jahr wird es für die Bauern immer schwieriger. Die Kosten steigen, die Aufkaufpreise halten dem nicht Schritt“, so Stefan Stelzmann.

Mehr Wertschätzung gefordert

Auch René Münch wünscht sich mehr Aufgeschlossenheit und Achtung von Bürgern gegenüber den Bauern: „Viele reduzieren unsere Arbeit doch nur auf verschmutzte Straßen oder Umweltschäden, sehen aber nicht unsere Anstrengungen und Leistungen für die Ernährung der Bürger.“ Die Saubachtaler Agrar AG bearbeitet 1 280 Hektar Land, davon sind 280 Hektar Grünland. Raps, Winterweizen und -gerste, Zuckerrüben, Silomais, Kleegras und Gemüse-Erbsen werden angebaut. „Die Erbsen-Erträge waren in diesem Jahr schlecht. Ursache war dafür die Trockenheit im Frühjahr, die das Wachstum bremste. Bei Zuckerrüben waren dagegen die Erträge ganz gut“, so der 48-Jährige. Weiterhin hält die Agrar AG insgesamt 1 000 Rinder, davon sind 450 Mutterkühe. Mit dem Fleischland Sora, das Fleisch- und Wurstspezialitäten herstellt, sind in der Saubachtaler Agrar AG 24 Mitarbeiter beschäftigt.

Text und Fotos: Dieter Hank, 13.12.2019