Karrierestart direkt vor der Haustür

Von der Schule in die Berufswelt. Der „Schau rein!“-Tag in Unternehmen in Klipphausen zeigte jungen Leuten vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten

Das war schon imposant, was Jugendliche am 11. März bei der sachsenweiten Initiative „Schau rein!“ in der Höchsmann GmbH im Gewerbegebiet Klipphausen sahen. Die kleineren Standard-Maschinen zum Sägen, Hobeln, Fräsen, Bohren und Schleifen in der Holzbearbeitung werden da wohl nicht in erster Linie deren Interesse geweckt haben, aber mehr dagegen in den Hallen dieses Unternehmens die modernen Maschinen und Anlagen zur Plattenverarbeitung, Kantenbeschichtung oder Massivholzbearbeitung. Und große CNC-Bearbeitungszentren und noch umfangreichere computergesteuerte industrielle Fertigungslinien für die Möbelindustrie waren da im Blickpunkt für die über zehn Jugendlichen aus siebenten bis neunten Klassen von Oberschulen und Gymnasien der Region. Sie waren nachmittags in diesen Betrieb gekommen, der mit zu den führenden Handelshäusern für gebrauchte Holzbearbeitungstechnik in Deutschland und Europa zählt und Maschinen und Anlagen in die ganze Welt liefert.

Praxisluft geschnuppert

„Es ist schon toll, was bei Höchsmann gemacht wird. Hier in einem Beruf ausgebildet zu werden und später mal in diesem Unternehmen tätig zu sein, reizt mich schon. Ich werde es mir überlegen“, sagte der 13-jährige Magnus Kuhn, der in der siebenten Klasse an der Oberschule in Wilsdruff lernt und in Lampersdorf wohnt. Er war mit seinem Vater gekommen. „So ein Tag ist doch eine gute Gelegenheit für die Jugendlichen, mal Praxisluft zu schnuppern, einen Überblick über Ausbildungsberufe, schulische Voraussetzungen und anderes zu erhalten“, bemerkte der Werkzeugmacher Michael Kuhn.

Auch die Jungs Florian (14), Oberschule Wilsdruff, Kevin (13), Weißeritzgymnasium Freital und John (13) aus der Lessingoberschule Freital waren bei ihrer Höchsmann-Stippvisite beeindruckt. Die IT-Technik interessierte sie besonders und auch Möglichkeiten eines Dualen Studiums.

Kompetente Auskunft

Das Klipphausener Unternehmen hatte diesen „Schau rein!“-Tag gut vorbereitet. Die Jugendlichen konnten Technikern bei der Arbeit zuschauen und Fragen stellen wie zum Beispiel: Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, welche Schulfächer sind wichtig, was gehört zum Ausbildungsumfang, wie sehen die Verdienstmöglichkeiten aus, welche weiteren Karrierechancen gibt es? Im Technischen Leiter Mayk Ziegs und auch bei Johannes Kahnt, der bei Höchsmann für IT zuständig ist, hatten sie da kompetente Ansprechpartner.

Das Unternehmen bildet jedes Jahr zwei bis drei junge Leute aus, auch im Dualen Studium, und zwar zum Fachinformatiker (Fachrichtung Anwendungsentwicklung) sowie Mechatroniker. „So ein Tag ist doch eine gute Gelegenheit für unseren Betrieb, langfristig den entsprechenden Berufsnachwuchs zu finden und frühzeitig Kontakte zu Interessenten zu knüpfen“, bemerkte Mayk Ziegs. IT-Experte Johannes Kahnt, der selbst bei Höchsmann ein Duales Studium absolviert hatte und zum Medieninformatiker ausgebildet wurde, sagte: „Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig es ist, dass Jugendliche, die noch nach Orientierung für ihr späteres Berufsleben suchen, umfassend beraten werden und Einblick in den Produktionsalltag erhalten.“

Berufe vorgestellt

Auch das Gebrauchtgeräte-Zentrum am Hamburger Ring 3 im Gewerbegebiet Klipphausen hatte an diesem Tag Jugendliche eingeladen und stellte die Ausbildungsberufe Land- und Baumaschinenmechatroniker sowie Mechatroniker vor. Auch hier erhielten die Schüler fachgerecht Auskunft und konnten sich bei einem Rundgang mit deren Tätigkeiten vertraut machen. Im Werk werden gebrauchte Gabelstapler industriell aufgearbeitet und fit gemacht für ein zweites Leben. Vorrangig aus ganz Europa kommen die Flurförderfahrzeuge vom einfachen Palettenhubwagen bis zum 7,5 Tonnen-Gerät. Zwei Jungs aus der Oberschule Klingenberg waren da beim Termin am Nachmittag dabei. „Das war schon sehr interessant für uns“, bemerkte der 13-jährige Tim Hellwege aus Dorfhain.

Über zehn Betriebe dabei

Insgesamt hatten sich über zehn Unternehmen aus Klipphausen am 11. März an der sachsenweiten Berufsorientierungswoche „Schau rein!“ beteiligt, unter ihnen zum Beispiel die Sächsische Haustechnik Dresden, HTI Dinger und Hortmann, Flyeralarm GmbH, Warmbold Energie und Klima GmbH oder die S-Tec GmbH und auch unitrans Hauptvogel GmbH. Initiator des Ganzen im Landkreis Meißen war die Wirtschaftsförderung  Region Meißen (WRM) GmbH. „Auch die Unternehmen in Klipphausen haben sich bei dieser Aktion engagiert für eine zielgerichtete Berufsorientierung und -ausbildung von Jugendlichen in der Region eingebracht“, sagte WRM-Projektleiter Torsten Zichner. Bei so einem Tag würden beide Seiten profitieren. Die Jugendlichen hätten sich über Berufschancen in ihrer Region informiert, über vielfältige Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten, Praktika, Ferienarbeit und andere Dinge rund um den Einstieg ins Berufsleben. Erfahrene Chefs, Lehrausbilder, Meister und Azubis hätten da den jungen Leuten Informationen und Ratschläge gegeben. „Aus erster Hand erfuhren die Jugendlichen Wissenswertes für ihren Karrierestart direkt vor der Haustür“, meinte der Projektleiter.

Die Unternehmen vor Ort dagegen sind daran interessiert, dass Jugendliche hier das Passende für ihre Zukunft finden. Klipphausens Bürgermeister Mirko Knöfel: „Den Betrieben geht es um geeigneten Berufsnachwuchs. Auch für sie und die Gemeinde ist es wichtig, dass Jugendliche hier bleiben und ihre Identität mit der Region bewahren.“

Treffs an anderen Orten

Seit 2016 wird der „Schau rein!“-Tag im Landkreis Meißen von der WRM organisiert. Insgesamt 237 Unternehmen haben sich diesmal beteiligt, fast 60 mehr als im Vorjahr. 1 561 Kinder und Jugendliche, 55 mehr als 2019, so Torsten Zichner, haben im Landkreis Meißen daran teilgenommen. Auch junge Leute aus der Gemeinde Klipphausen hatten da die Möglichkeit, neben den Treffs in Unternehmen im Gewerbegebiet Klipphausen auch Veranstaltungen vom 9. bis 12. März in Betrieben in Meißen, Riesa, Gröditz, Großenhain, Nossen, Lommatzsch, Coswig, Radeburg  und Radebeul zu besuchen. 

Text und Fotos: Dieter Hanke, 24.03.2020