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„Wir geben nicht auf“

Die Corona-Krise setzt dem Triebischtaler Frischemarkt stark zu. Verkäuferinnen und Kunden halten zwar Abstand voneinander, doch stehen sie zusammen.

Es wird mehr gekauft als sonst. Die Kunden schleppen Lebensmittel-Berge nach Hause. Vor allem Nudeln und weitere Teigwaren, aber auch zunehmend Reis, Knäckebrot, Brot, Brötchen und andere Backwaren, ebenso Konserven, Obst und Gemüse, Hygieneprodukte und Desinfektionsmittel. Auch Bier und weitere Getränke sind mehr gefragt. Mitunter geht bei Kunden die Kofferraumklappe des Autos nicht mehr zu. Der Triebischtaler Frischemarkt in Munzig wird in diesen Tagen verstärkt von Kunden aufgesucht. Darunter sind auch etliche Bürger aus Nossen, Meißen, Wilsdruff und von noch weiter auswärts. Denn es hat sich herumgesprochen, das jetzt in Zeiten der Corona-Krise der Triebischtaler Frischemarkt in Munzig noch ordentlich mit Waren bestückt ist, wo in Supermärkten in Städten der Region bei einigen Produkten schon die Regale nur noch spärlich gefüllt oder gar leer sind. Beispielsweise bei Konserven hat die Munziger Einrichtung noch ein Super-Angebot. Ob nun Linsen-, Reis- oder Karotten-Topf, ob Gemüsesuppe, Bohnen-Eintopf, Ochsenschwanzsuppe oder Ragout fin – Fertiggerichte stehen hier in den Regalen noch dicht an dicht. Das ist vor allem ein Verdienst von Inhaber Rainer Lenzer, der in dieser Landhandels GbR auf der Triebischtalstraße 1 in Munzig für den Einzelhandel zuständig ist. Mit seinem Team sorgt er engagiert dafür, dass rechtzeitig Waren-Nachschub kommt und bei großem Abverkauf rasch die Regale wieder aufgefüllt werden.

 

Eine gute Adresse

Zwischen Meißen und Nossen gelegen, punktet der Triebischtaler Frischemarkt auch in diesen schwierigen Zeiten mit einem vielseitigen Angebot an Waren des täglichen Bedarfs. Backwaren, Obst und Gemüse, Nährmittel, Konserven, Fleisch- und Wurstwaren, Konserven, Spirituosen, Wein, Süßigkeiten, Molkereierzeugnisse, Haushaltschemie, Kosmetik, Schreibwaren und anderes werden nach wie vor in gewohnter Weise offeriert. Der Triebischtaler Frischemarkt ist als Nahversorger in der Region anerkannt. Für viele Kunden ist er eine gute Adresse, sie schätzen Angebote, Leistungen und Service dieses mittelständischen Unternehmens, das 2018 sein 25-jähriges Bestehen beging. Ein Tante-Emma-Laden ist der Triebischtaler Frischemarkt nicht und auch kein großer Supermarkt. Aber eine Handelseinrichtung, die dazwischen liegt.

Etwa 20 000 Quadratmeter an diesem Standort umfasst die Grundstücksfläche der Landhandels GbR. Der Verkaufsmarkt hat eine Größe von etwa 400 Quadratmetern, der separate Getränkemarkt ist an die

80 Quadratmeter groß. Das Unternehmen verfügt unter anderem über ein Tiefkühlhaus, drei Kühlzellen und über 400 Quadratmeter Lagerfläche für Getränke, Nahrungsmittel und Konserven.

Hamsterkäufe bei Klopapier

Dank sagt Gesellschafter Rainer Lenzer den Lieferanten und weiteren Handelspartnern, darunter vor allem dem REWE-Großhandel in Rüsseina für die enge Zusammenarbeit, die sich gerade auch in dieser schwierigen Zeit der Corona-Ausbreitung bestens bewährt. Nur bei Klopapier musste der Triebischtaler Frischemarkt wie auch viele Märkte in Sachsen in den vergangenen Tagen und Wochen passen. „Wir hatten zwar ein Schild angebracht ,Bitte nur ein Paket pro Kunde, dann reicht es für alle', doch das half nicht. Wir hatten für Toilettenpapier-Nachschub gesorgt, doch binnen weniger Stunden war an einem Tag alles ausverkauft“, bemerkte der 62-jährige Diplomökonom, der in Meißen wohnt. Er als auch seine Verkäuferinnen fragen sich, warum manche Kunden da so auf Hamsterkauf gehen. „Die werden doch nicht zu Hause ihre Wände mit Klopapier drapieren. Ihre Vorräte reichen doch für Jahre“, meinte Rainer Lenzer.

Lob für die Beschäftigten

Dank sagt Rainer Lenzer in diesen außergewöhnlichen Tagen besonders auch seinen Verkäuferinnen. Die meisten arbeiten schon seit vielen Jahren im Triebischtaler Frischemarkt und bemühen sich, mit Umsicht und Sorgfalt auch diese neue komplizierte Situation zu meistern. „Angst haben wir nicht. Wir können uns doch nicht verkriechen. Die Bürger wollen weiter mit Lebensmitteln und Haushaltswaren versorgt werden. Mit einem guten Angebot können wir da auf dem Lande beitragen, dass die Kunden keine weiten Wege haben und ihnen jetzt der schwierige Alltag erleichtert wird“, sagte Verkäuferin Ilona Klotz (57) aus Halsbrücke, die seit 1996 dem Unternehmen angehört. „Wir machen das Beste draus in dieser komplizierten Zeit“, bemerkte Verkäuferin Ramona Antrak. Die 58-Jährige, die in Meißen wohnt, arbeitet schon seit 1987 an diesem Standort, war da bereits im ehemaligen Kartoffellagerhaus mit tätig. Und Gabriele Smolka (60) aus Burkhardswalde meinte: „Wir können uns doch das Ganze nicht aussuchen.“

Auch die Mitarbeiterinnen Stefanie Brendel (31) aus Röhrsdorf oder Jacqueline Ufer (47) hoben hervor, dass sich fast alle Kunden diszipliniert verhalten, untereinander auf genügend Abstand zum Nächsten achten. Desinfektionsmittel würden für die Mitarbeiterinnen parat stehen, um zum Beispiel auch im Kassenbereich für Schutz zu sorgen. „Wir waschen uns verstärkt die Hände“, meinten die Verkäuferinnen, die allesamt variabel in diesem Lebensmittelmarkt eingesetzt werden können und einander helfen. Und sie möchten an dieser Stelle besonders ihren treuen Stammkunden, darunter nicht wenigen Bürger aus Triebischtal, großen Dank dafür sagen, dass sich diese jetzt besonders vorsichtig verhalten und oft auch ein freundliches Wort für die Verkäuferinnen finden.

Auch Verkäuferin Sindy Bettels aus Zehren ist in diesen Tagen wie gleichfalls ihre Kolleginnen besonders gefordert. „Da muss manches Private zurückstehen, müssen wir uns der neuen Situation im Alltag stellen, was nicht immer leicht ist“, sagte sie. Die 33-jährige Verkäuferin, die seit zehn Jahren im Frischemarkt tätig ist, hat zwei Kinder, zwei Mädchen, vier und ein Jahr alt. „Mein Mann hat mit der Oma die Kinder in der ersten Woche zu Hause betreut, dann bin ich dran“, bemerkte sie.

Kühlfahrzeuge stehen

Wenngleich es mit dem Einzelhandel in diesem Triebischtaler Frischemarkt gut läuft, ist das zweite Standbein der Landhandels GbR in Munzig, der Großhandel, jetzt weggebrochen. Die Auslieferungs-Fahrzeuge stehen seit gut zwei Wochen. „Von Hundert auf Null. Die Corona-Krise macht uns schwer zu schaffen. Keine Aufträge mehr“, sagte Inhaber Uwe Frenzel, der für das Großhandelsgeschäft zuständig ist. Seine Frau Elke, die zwar schon im Ruhestand ist, aber jetzt in der Buchhaltung mit aushilft, bemerkte: „Das Telefon glühte in den vergangenen Tagen. Kunden stornierten alles.“

Vorwiegend Schulen, Kindertagesstätten und einige Betriebe und Einrichtungen im Großraum zwischen Dresden, Chemnitz und Leipzig werden sonst auf mehreren Fahrtrouten mit den drei eigenen Kühlfahrzeugen beliefert. Hauptsächlich Milch und weitere Molkereierzeugnisse, Brot und Brötchen, geschälte Kartoffeln, Gemüse, Fleisch und Wurstwaren, Getränke sowie Tiefkühlkost und Konserven werden da befördert. Am Tag insgesamt etwa fünf Tonnen an Waren. „Ungefähr 60 Prozent des Umsatzes in unserem Unternehmen machen wir im Großhandel“, so der 56-jährige Gesellschafter. An die 150 Kunden in Sachsen hat der Triebischtaler Frischemarkt im Großhandels-Bereich. Dazu zählen beispielsweise in der Gemeinde Klipphausen auch die Grundschulen in Naustadt und Sachsdorf sowie die Kindertagesstätten in Sachsdorf, Miltitz, Wildberg und Taubenheim.

Nun in Kurzarbeit

Uwe Frenzel musste reagieren. Fünf Mitarbeiter, Kraftfahrer und weitere Beschäftigte, wurden in Kurzarbeit geschickt. Zwei Leute müssen zu Hause bleiben, weil sie keine Betreuung für die Kinder fanden. In Teilzeit stehen sie aber dem Unternehmen noch zur Verfügung.

Uwe Frenzel wird schwummrig, wenn er an die nächste Zeit denkt. Die Lager, auch das Kühllager und die Tiefkühlzellen seien voll von Waren. Süßigkeiten für Ostern seien ebenfalls schon da. „Doch das Haltbarkeitsdatum für Frischeprodukte ist begrenzt“, sagte er. Einige Erzeugnisse würden zwar jetzt im Markt angeboten, um die Einbußen zu minimieren. Doch wer kauft schon im Laden einen fünf Kilogramm-Joghurt-Eimer? Es sei nicht ausgeschlossen, so Uwe Frenzel, dass manche Frischeerzeugnisse leider weggeschmissen werden müssen, wenn dem Unternehmen nicht schnell geholfen wird.

Zuschüsse werden benötigt

Der Gesellschafter: „Für einen Teil der Unternehmen sind sicher von Bund oder Freistaat rasch ausgereichte Kredite eine Variante, um vorübergehend finanzielle Engpässe zu überbrücken. Wir sind ein kleines mittelständisches Unternehmen. Da sind für uns Kredite keine wirksame Hilfe. Auch wenn diese zinslos sind, müssen sie doch zurückgezahlt werden. Das Geld dafür haben wir nicht. Wir benötigen vielmehr Zuschüsse, um über die Runden zu kommen und wenigsten einige der uns entgangenen Einnahmen auszugleichen.“ Denn die hohen Verluste seien vom Frischemarkt nach Corona nicht wieder wettzumachen. „Bürger und Großkunden kaufen dann doch nicht mehr ein. Was jetzt verloren geht, ist nicht wieder aufzuholen.“ Aber Kosten des Unternehmens, so Uwe Frenzel, würden doch bestehen bleiben, zum Beispiel: Versicherungen und Inspektionen für die Fahrzeuge, Ausgaben für Energie und andere Dinge. Uwe Frenzel, der mit seiner Familie in Roitzschen wohnt, drückte es ohne Umschweife aus: „Corona treibt zwar unser Unternehmen mit seinen knapp über zehn Mitarbeitern nicht in den finanziellen Ruin. Doch unsere Existenz ist mit den beträchtlichen Einbußen schwer getroffen.“

Helferteam in Triebischtal

Bei all dieser schwierigen Situation für den Triebischtaler Frischemarkt zeigt sich aber auch eins: Mitarbeiter und Kunden halten voneinander Abstand, um dem Virus keine Chance zu geben, aber sie stehen zusammen. Mit Engagement, Verständnis und Solidarität. Uwe Frenzel lässt sich nicht unterkriegen: „Wir geben nicht auf. Corona zwingt uns nicht in die Knie.“ Davon zeugt auch ein Schreiben, das im Frischemarkt ausliegt. Ein Triebischtaler Helferteam bietet Bürgern in Roitzschen, Miltitz, Ober- und Niedermunzig und Burkhardswalde an, kleine Einkäufe für sie zu erledigen. Nicht nur Corona, auch das ist im Gespräch.

Fotos und Text: Dieter Hanke, 02.April 2020