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Engagierter Einsatz für Bürger

Mit Herz und Elan kümmern sich Pflegekräfte in dieser schwierigen Situantionum die ihnen anvertrauten Heimbewohner und Patienten.

Doris Scharschuch kurvt mit ihrem Rollator durch das Gelände des AWO-Pflegewohnheims in Taubenheim. Die Sonne lacht. An der kürzlich neu angelegten Gartenanlage verweilt si ebesonders gern. „Es ist wunderschön hier - Blumen, Kräuter und Sträucher, Bänke zum Ausruhen. Wir Heimbewohner fühlen uns hier awo taubenheimwohl“, sagt die 92-Jährige. Seit einiger Zeit ist die betagte Frau aus der Region in diesem Heim. Anfangs konnte sie kaum noch aufstehen. Der Rücken machte ihr schwer zu schaffen, drei Bandscheibenvorfälle und anderes. Sie hat sich aber wieder aufgerappelt. „Man soll nie aufgeben“, sagt sie. Auch Corona werde nicht siegen. „Wir müssen diese Zeit überstehen, das Beste aus dieser komplizierten Situation machen“, bemerkt Frau Scharschuch. Die Heimbewohner würden hier doch gut betreut werden. „Das Essen schmeckt, die Mitarbeiter geben sich in dieser schwierigen Zeit besonders viel Mühe, um den Bewohnern den Aufenthalt zu erleichtern“, sagt die 92-Jährige. Aus ihren Worten spricht Lebensmut. 1928 in Dresden geboren, wohnte Doris Scharschuch später in Freital und Höckendorf. Sie hatte ein langes Arbeitsleben, war Technische Zeichnerin, Schneiderin, Verkäuferin, Büroangestellte. Mit 19 Jahren hat sie geheiratet, ihre Tochter war unterwegs. „52 Jahre war ich mit meinem Mann verheiratet gewesen, wir liebten die Natur, das Wandern“, bemerkte sie. Sie würde jetzt viel mit ihrer Tochter telefonieren und sich im Fernsehen anschauen, wie die einzelnen Länder mit der Corona-Krise zurechtkommen.

Alltag stark beeinträchtigt

60 Bewohner leben in diesem Heim in Taubenheim, dessen Träger die AWO Sachsen Soziale Dienste gemeinnützige GmbH ist. Um die 60 bis knapp an die 100 Jahre alt sind sie, haben mindestens den Pflegegrad 2. Etlichen der Bewohner machen schwere körperliche Gebrechen sehr zu schaffen, einige sitzen im Rollstuhl, andere sind demenzkrank. Und jetzt hat die Corona-Krise den Alltag der Bewohner weiter stark beeinträchtigt. Da schränkt das Besuchsverbot in der Einrichtung seit 21. März ihr Leben ein. Angehörige von Heiminsassen können nicht mehr kommen, sportliche und kulturelle Treffs sowie Feste finden nicht mehr statt, die Wohnbereiche bleiben getrennt. Selbst Blumen zu runden Geburtstagen fehlen, da Läden geschlossen waren. Und nicht jeder Heimbewohner in dieser vollstationären Pflegeeinrichtung hat so eine optimistische Lebenseinstellung wie Doris Scharschuch.

An erster Stelle Gesundheit

Das alles belastet sehr. „An erster Stelle steht die Gesundheit der Bewohner und des Personals. Dem ordnen wir alles unter. Wir geben unser Bestes, damit sie nicht mit dem Virus infiziert werden. Bisher ist uns das gut gelungen. Und das soll so bleiben“, sagt AWO-Einrichtungsleiterin Claudia Zumpe. Mit ihren knapp 50 Mitarbeitern, so Altenpflegern, Krankenschwestern, Pflegekräften, Köchen, Service- und Betreuungsmitarbeitern, sorgt sie engagiert, dass das Pflegeheim gut durch diese schwierige Zeit kommt. Da gab es schon viele Ideen und Initiativen, um Desinfektionsmittel, Handschuhe, Mundschutz und Schutzanzüge zu besorgen, als einiges knapp wurde. Regelmäßig werden Zimmer, Handläufe, Türen und anderes mehrmals am Tag desinfiziert. Es gibt eine Warenschleuse, der Kontakt zu Dienstleistern und Handwerkern wurde bis auf wenige Ausnahmen gestoppt. Bei notwendigen Arztbesuchen oder beim Besorgen von Arzneimitteln und dem Gebrauch von Chipkarten achtet das Personal sehr darauf, dass Kontakte weitgehend eingeschränkt, Abstand gehalten und Flächen desinfiziert werden. Ein extra Besuchsfenster mit Schutzvorrichtung wurde im Erdgeschoss eingerichtet, wo Bewohner und Angehörige miteinander sprechen können.

Zusätzliche Belastungen

„Ich möchte meinen Mitarbeitern, die ohnehin schon die nicht leichten Aufgaben Tag für Tag zu bewältigen haben, ein großes Dankeschön sagen, dass sie jetzt noch diese zusätzlichen Belastungen engagiert tragen, oft auch persönliche Belange hintenanstellen“, bemerkt Claudia Zumpe, die in Riesa geboren wurde und mit ihrer Familie in Nünchritz wohnt. Die 39-Jährige, die seit September 2018 Leiterin dieses AWO-Pflegewohnheims ist, ist von Beruf Ergotherapeutin und hat in Dresden Sozial- und Gesundheitsmanagement studiert.

Pflegedienst in Scharfenberg

PflegedienstWenige Kilometer von Taubenheim entfernt hat die Ambulante Pflegedienst Annett Götz GmbH in Scharfenberg Zum Hinterwinkel 9 ihren Sitz. Von dort aus leisten 22 Mitarbeiter eine individuelle Betreuung in der häuslichen Umgebung von Bürgern, wobei es da nicht nur um ihre Pflege, sondern auch um ihre Entlastung im Haushalt und der Angehörigen im Alltag geht. „Unser Einzugsbereich ist die Altgemeinde Klipphausen, etwa 100 bis 120 Patienten von vier bis 100 Jahren betreuen wir“, sagt die 42-jährige Annett Götz. Die staatlich anerkannte Altenpflegerin und Pflegedienstleiterin, die vorher als Steuerfachangestellte arbeitete, hatte im Oktober 2014 den langjährigen Häuslichen Krankenpflegedienst von ihrer Mutter Maritta Götz übernommen und in die Ambulante Pflegedienst GmbH umgewandelt.

Zwei Teams gebildet

Corona hat auch in diesem Unternehmen den Ablauf stark verändert. „Wir haben schon vor Wochen zwei Teams gebildet, eines arbeitet sieben Tage, während das andere in dieser Zeit frei hat. Dann wird gewechselt. Jeden Tag fahren die Beschäftigten von zu Hause aus los und betreuen auf ihren festen Routen die gleichen Patienten in den Orten“, sagt Annett Götz, die in Meißen geboren und in Gauernitz aufgewachsen ist. Damit soll der Kontakt der Mitarbeiter auf wenige Personen beschränkt bleiben, um die Ansteckungsgefahr zu mindern. Im schlimmsten Fall soll damit auch ein Totalausfall abgewendet werden.

Das Team der häuslichen Krankenpflege setzt sich zusammen aus examinierten Krankenschwestern/Pflegern, examinierten Altenpfleger/innen und Hauswirtschafterinnen. Mit Handschuhen und Mundschutz verrichten die Beschäftigten ihre vielfältigen Tätigkeiten. Die Schutzbekleidung wird regelmäßig gewaschen. „Hygiene steht sehr im Vordergrund“, so Annett Götz.

Da geht es einmal bei Patienten um eine krankenhausadäquate pflegetechnische Versorgung wie zum Beispiel Injektionen, Blutzucker- und Blutdruckmessungen, um Wundverbände, Medikamentengabe, Katheterwechsel oder Schmerztherapie, dann um Leistungen der Pflegeversicherung wie unter anderem Körperpflege, hauswirtschaftliche Versorgung und vieles andere mehr. Auch solche Dienstleistungen wie zum Beispiel Apothekengänge, Einkaufen oder Begleitdienste werden zu normalen Zeiten erledigt. „Jetzt haben wir diese Dienstleistungen nahezu eingestellt, um den Kontakt der Mitarbeiter zu anderen zu begrenzen“, bemerkt Annett Götz, die mit ihrer Familie in Pegenau wohnt.

Kommunikation ist erschwert

Die Trennung in zwei Teams hat nicht nur Vorteile in diesen schwierigen Zeiten. „Die Kommunikation der Mitarbeiter untereinander ist jetzt erschwert, zum Beispiel was auch Hinweise und Tipps bei der Pflege von Patienten anbelangt“, meint die Chefin. Sonst haben sich früh alle in der Zentrale getroffen, ehe sie auf Tour gingen und alles miteinander abgesprochen.

Annett Götz und ihren Mitarbeitern geht es nicht anders wie vielen anderen Pflegediensten in Sachsen. Was Schutzhandschuhe, Mundschutzmasken und Desinfektionsmittel anbelangt, mussten sie sich selber kümmern. Staatliche Unterstützung blieb da weitgehend aus. „Das hat schon mitunter sehr genervt“, sagt die Leiterin. Geärgert hätte sie sich da auch über die hohen Preise von einigen Anbietern und lange Wartezeiten nach der Bestellung. Mittlerweile kommt der Pflegedienst bei diesen Ausrüstungen einigermaßen über die Runden. Mundschutzmasken aus Baumwolle würden zum Beispiel nun Helfer nähen.

Sachsen sollte einspringen

Auch war es wenig hilfreich, als vor einigen Wochen Staat und Gewerkschaft lauthals verkündeten, dass Pflegekräfte als Anerkennung für ihre aufopferungsvolle Arbeit eine einmalige Bonuszahlung von 1 500 Euro erhalten sollten. Annett Götz: „Auch unsere Mitarbeiter haben sich das sehr verdient. Staat und Gewerkschaft haben allerdings nicht gesagt, woher das Geld kommen soll. In großen, finanziell starken Einrichtungen kann das vielleicht der Arbeitgeber zahlen, aber wir als kleiner Pflegedienst sind da überfordert. Das Geld haben wir nicht. Es wäre deshalb eine schöne Geste, wenn da zum Beispiel der Freistaat Sachsen hier einspringen und diese Bonuszahlung übernehmen würde.“

Ständig Bestnote

 Sehr gefreut hat sich der Pflegedienst Götz über die lieben Osterkarten von Patienten. „Das hat uns sehr berührt. Vielen Dank dafür. Das muntert uns auf in dieser schwierigen Zeit“, bemerkt Simone Kluge. Die 63-jährige Diplompflegewirtin aus Pesterwitz ist in dieser Einrichtung Qualitätsbeauftragte. Bei allem Stress und Sorgen in dieser gegenwärtigen Situation freuen sich Annett Götz, Simone Kluge und die weiteren Mitarbeiter dieses Pflegedienstes, dass ihre Tätigkeit auch offiziell hoch anerkannt wird. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen bewertet seit Jahren ständig die Arbeit dieser Scharfenberger Einrichtung mit der Bestnote 1,0. „Auch das spornt an“, so Simone Kluge.

Pflegedienst in Semmelsberg

Im Triebischtal im Ortsteil Semmelsberg auf der Polenzer Straße 3 hat der Ambulante Pflegedienst Rothenbücher viele der gleichen Sorgen wie die anderen. In erster Linie geht es jetzt darum, dass Patienten und Mitarbeiter vom Virus verschont bleiben und die Beschäftigten dennoch für eine gute Betreuung sorgen. „Dafür engagiere ich mich“, sagt die Chefin Christine Rothenbücher. Die 62-Jährige, die mit ihrer Familie in Garsebach wohnt, hat 1992 mit einer Partnerin den Ambulanten Pflegedienst in Garsebach gegründet. Seit 2004 befindet sich der Sitz der Einrichtung in der ehemaligen Kaufhalle in Semmelsberg, wo der Pflegedienst zur Miete untergebracht ist. 75 bis 80 Patienten vorwiegend im TriebischtalerPflegedienste IMG 0352 Raum werden von den insgesamt 15 Mitarbeitern (hauptsächlich Altenpflegefachkräfte, Pflegehelfer, Krankenschwestern) betreut.

Christine Rothenbücher weiß um die schwierige Situation, in der sich jetzt Patienten und Personal befinden. „Hygiene ist das A und O. Abstand halten, für eine gute Desinfektion sorgen, aber auch besonnen sein und nicht in Hektik verfallen“, meint die energische Frau. Der 62-Jährigen kommt da zugute, dass sie über eine solide Ausbildung und reiche berufliche Erfahrungen verfügt. 1957 in Meißen geboren und in Kettewitz aufgewachsen, machte sie ihren Zehn-Klassen-Abschluss in der Miltitzer Schule, lernte Krankenschwester im Meißner Krankenhaus, arbeitete dann auf der Intensivstation sowie später mehrere Jahre als Abnahmeschwester beim Blutspendedienst Meißen, ehe sie sich nach der Wende mit dem Pflegedienst selbstständig machte.

Schöne Bilder ausgestellt

Bei aller Unruhe in der jetzigen Zeit haben die Mitarbeiter dieses Pflegedienstes sicher auch mal eine Minute der Besinnung, um die ausdrucksstarken Bilder im Pflegedienst-Büro in Semmelsberg zu betrachten. Marie-Christin, die 31-jährige Tochter von Frau Rothenbücher, die Diplomkünstlerin ist und Malerei und Grafik in Dresden studierte, hat diese gemalt.

Dank vom Bürgermeister

Drei Stationen in der Gemeinde Klipphausen wurden hier vorgestellt, wo Pflegekräfte in diesen Tagen im Einsatz sind und sich um Gesundheit und Wohl der ihnen anvertrauten Patienten und Bewohner kümmern – mit Elan, Wissen und Ausdauer. Sie gehören stellvertretend zu den zahlreichen Menschen in der Gemeinde Klipphausen, die jetzt besonderen Belastungen ausgesetzt sind und ohne viel Aufhebens zu machen ihre nicht leichte Arbeit verrichten. Bürgermeister Mirko Knöfel: „Ich sage all diesen Leuten, die jetzt oftmals auch persönliche Dinge zurückstellen, um sich für andere Bürger und die Gemeinschaft zu engagieren, ein herzliches Dankeschön.“

Text und Fotos: Dieter Hanke, 22.04.2020