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Erinnerung an die Schulzeit

Im Schloss Rothschönberg zeigt der Heimatverein eine sehenswerte Sonderschau „Schule, es war einmal“. Fast 500 Exponate aus 100 Jahren sind ausgestellt.

Zurückversetzt in die Schulzeit: Eine neue Sonderausstellung des Heimatvereins Rothschönberg „Schule, es war einmal“ wurde am 10. Mai im Museum im Schloss eröffnet. Fast 500 Exponate aus 100 Jahren, von etwa 1890 bis 1990 veranschaulichen eindrucksvoll, wie einst Bürger vor allem im Triebischtal, so aus Burkhardswalde, Rothschönberg, Tanneberg, Taubenheim, Miltitz und Garsebach, aber auch aus anderen Orten ihre Schulzeit in der Region verbrachten. Es ist eine Erinnerung für den Einzelnen an gute oder weniger erfreuliche Zeiten, an emsiges Lernen, an Lehrerlob oder Strafarbeiten, an Schönschreiben, Experimentieren in Physik und Chemie, an Freude beim Zeichnen oder Missstimmung bei Jungen, wenn es zur Nadelarbeits-Stunde ging.

Krakeleien mit Tinte

Viele Exponate führen in eine vergangene Zeit zurück, wo Federmappen, Tinte, Rollbilder, Rechenmaschinen, Bunsenbrenner, Glaskolben, Medizinbälle, Schulhefte, Ranzen, Diaprojektor, Zensurenbücher, Kartenständer und noch viele weitere, für manchen schon vergessene alte Lehrmittel und  Schulutensilien, diesen Lebensabschnitt verdeutlichen. Auch Krakeleien mit Tinte oder Messer in den alten Holzschulbänken gehören dazu.

Dem Heimatverein Rothschönberg ist mit dieser Sonderausstellung etwas Großartiges gelungen, denn selbst in Städten sieht man solche historische originale Zeitzeugen des Schulalltags in einer solchen Mannigfaltigkeit nur selten. Und der Vorteil ist noch ein anderer: Mit dieser Schau hat der Heimatverein einen wertvollen Beitrag zur Heimatgeschichte der Region geleistet. Denn solide aufbereitet, wird hier für die Nachwelt das Thema Schule in vergangener Zeit bewahrt. Für Burkhardswalde, Rothschönberg, Tanneberg, Taubenheim, Miltitz und Garsebach ein echter Gewinn.

Viele Rollbilder und anderes

Am besten für den Besucher, er setzt sich zunächst auf einen Platz in den Schulbänken und lässt seinen Blick im Raum schweifen. Erinnerungen werden wach. Bunte Rollbilder an den Wänden waren Lehrmittel in den einzelnen Unterrichtsfächern und für den Alltag, beim Arzt oder beim Einkauf beispielsweise oder Ansichten von einem Bahnhof, vom Spreewald oder dem Elbsandsteingebirge. Imposant ein mindestens 100 Jahre altes Rollbild aus der Miltitzer Schule, das Raben zeigt. Alte Rechenmaschinen, Kartenständer, Maltafel, Zuckertüten, Filmwerfer, Tierpräparate, eine Lehrtafel mit Buchstaben der Deutschen Schulschrift, die bis 1968 Praxis war und noch anderes mehr fallen sofort auf. Auf den Schulbänken liegen Federmappen, Hefte und Lehrbücher. Darin zu blättern, macht Spaß. Auch ein Rechenheft der Klasse 1b vom damaligen Schüler Hartmut Fleischer, dem Mann der jetzigen Schulleiterin in Burkhardswalde, ist mit ausgestellt. Interessant, wie gut er damals das ABC des Rechens beherrschte.

Alte Schreibfedern

Natürlich sollte sich dann der Besucher auf einen Rundgang begeben, um noch viele weitere Exponate zu bestaunen. So zum Beispiel eine Kindertafel mit Ausschneidepuppen, ein 50 Jahre altes Tintenfass oder ein Herbarium mit Pflanzen. Auch einen Direktorenschreibtisch gibt es. Neben dem imposanten Telefon liegt ein „Tagebuch der Unterklassen, Schule zu Tanneberg“ aus den Jahren 1917 bis 1934. Lehrer haben dort ihre Eintragungen über die einzelnen Unterrichtsfächer gemacht.

Nadeln war vielleicht bei den Mädels beliebt, bei vielen Jungs aber sicher nicht. Doch schöne Stickarbeiten und Nähproben mit dem Kammstich sind auf jeden Fall sehenswert. Verschiedene Schreibfedern, die bis in die 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts aktuell waren, sind ebenfalls ausgestellt. Dann begann die Ära der Füllfederhalter. Auch ein Rollbildwagen und mehrere Lehrmittel in einer Glasvitrine aus der Schule in Burkhardswalde lassen ebenfalls vergangene Zeiten lebendig werden. Wer hätte das gedacht? Auch Lehrmodelle zum Getriebebau aus den 60er Jahren für den Werkunterricht werden präsentiert, ebenso ein Arsenal von Behältern und Gegenständen aus dem Chemieunterricht in dieser Zeit.

Historische Schulfotos, zum Beispiel aus Burkhardswalde, Miltitz und Piskowitz ergänzen die Schau. Im Blickpunkt ist auch eine alte Schulvereinsfahne aus Piskowitz von 1883. Mehrere Schieferkästen mit Griffeln für die Schiefertafel, die bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts aktuell waren, erwecken gleichfalls Aufmerksamkeit. Ebenso ein altes astronomisches Modell namens Tellurium aus der Burkhardswalder Schule. Auch einige Leihgaben von Bürgern aus ihrer Schulzeit ergänzen diese Exposition. 

Initiatorin Cornelia Müller

Dass so eine schöne und informative Schau zustande kam, ist in erster Linie der Grundschullehrerin Cornelia Müller aus Rothschönberg zu verdanken. Seit über 30 Jahren ist die heute 56-Jährige im Schuldienst. Aufgewachsen ist sie in Schieritz bei Meißen, studierte am Institut für Lehrerbildung in Nossen und wurde Lehrerin für die Unterstufe der ersten bis vierten Klasse. Viele Jahre unterrichtete sie an der Schule in Miltitz, und seit 1997 bis jetzt war sie Lehrerin an der Grundschule in Burkhardswalde, kann nun aber aus gesundheitlichen Gründen ihren Beruf nicht mehr ausüben. „Die Schule ist ein wichtiger Abschnitt im Leben eines Menschen. Mit Erziehung und Bildung werden hier die Voraussetzungen geschaffen für ihren weiteren Lebensweg. An diese Zeit soll unsere Ausstellung erinnern und auch dokumentieren, wie sich die Schulen in der Region entwickelt haben“, bemerkte Cornelia Müller, die verheiratet ist, zwei Kinder hat und seit 2002 in Rothschönberg wohnt.

Die 56-Jährige betreut schon seit geraumer Zeit das kleine Schulmuseum in Burkhardswalde. In der ehemaligen Schulleiterin Gisela Grellmann und der jetzigen Uta Fleischer fand sie viel Verständnis und Unterstützung für diese Tätigkeit. Und in ihr reifte der Gedanke, einmal die Schulexponate aus Burkhardswalde und darüber hinaus noch viele weitere eingelagerte Gegenstände einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Im Herbst des Vorjahres trug sie ihr Anliegen dem Heimatverein Rothschönberg vor. Dieser war begeistert von der Idee von Frau Müller und half tatkräftig mit, dass jetzt so eine tolle Ausstellung zustande kam.

Vor der Deponie bewahrt

Doch ohne Cornelia Müllers Enthusiasmus für schulische Sachzeugen wäre in einer solchen Breite und Originalität diese aktuelle Schau nicht denkbar gewesen. Seit Jahren schon ist die Lehrerin da mit Argusaugen unterwegs. Bei den Schulschließungen vor Jahren in Miltitz und Taubenheim bewahrte sie zum Beispiel etliche Lehrmittel und Ausstattungen vor den Weg zur Mülldeponie. Sie stöbert auf Böden und Lagern herum, geht Hinweisen von Einwohnern nach, und mit ihrem Mann sucht sie auch oft auf Flohmärkten nach schulischen Gegenständen und Lehrmitteln aus der Vergangenheit. „Mein Mann kann da die Preise gut herunterhandeln“, schmunzelte sie. Überhaupt ist ihr Mann, der im Bauhof der Gemeinde Klipphausen arbeitet, in Sachen Schule nicht minder engagiert. Er setzt so auch mal defekte Dinge wieder in Stand. Die beiden ergänzen sich bei diesem Schul-Hobby wunderbar.

Dank vom Bürgermeister

Bürgermeister Mirko Knöfel fand deshalb zur Eröffnung der Sonderschau am 10. Mai anerkennende Worte für Cornelia Müller und dem Heimatverein. „Durch deren Engagement wird Heimatgeschichte lebendig. Diese Ausstellung setzt mit Maßstäbe“, bemerkte der Bürgermeister, der die Erwartung aussprach, dass sich möglichst viele Bürger der Gemeinde und von auswärts diese Schau ansehen sollten.

Auch Vereinsvorsitzende Angela Dämmig freute sich sehr, dass wieder etliche Helfer aus dem Ort und der Region rührig den Vereinsmitgliedern zur Seite standen, um alles gut vorzubereiten. „Allen dafür ein großes Dankeschön“, sagte sie.

Besucher staunten

Lob gab es am Eröffnungstag auch von Besuchern. Frisörin Tina Seidler (37), die aus Rothschönberg stammt, meinte: „Eine informative, interessante Schau. Die Exponate werden gut präsentiert.“ Ihr Bruder Tom Eberlein (30) ergänzte: „Der Heimatverein hat sich wieder viel Mühe gegeben.“ Es sei sehr aufschlussreich, wie sich im Laufe der Zeit Lehrmittel und Ausstattungen in der Schule verändert haben, bemerkte der Kfz-Meister. Für die 68-jährige Rita Weser aus Rothschönberg ist diese Schau „eine gute Erinnerung an die Kindheit“. Der gleichen Ansicht ist auch Bernd George aus Rothschönberg. „Vier Jahre bin ich hier zur Schule gegangen, ab der 5. Klasse war ich dann in Deutschenbora“, sagte der 68-Jährige. Auf solchen Schulbänken hätte er auch gesessen und ab und zu auch mal mit den Fingern geschnipst, wenn der Lehrer etwas wissen wollte. „Es gab nur zwei Klassenzimmer. In dem einen waren die Schüler der Klassen 1 und 3 und im anderen die zweite und die vierte Klasse. Während die einen zum Beispiel lasen oder schrieben, beschäftigte sich der Lehrer mit den Schülern der anderen Klasse. Nur Singen mussten die beiden Klassen zusammen“, so der frühere Maschinenbauer.

Die Sonderausstellung „Schule, es war einmal“ im Schloss Rothschönberg ist bis zum 27. September 2020 jeweils Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Sonderführungen für Schulklassen oder Gruppen sind möglich.

Text und Fotos: Dieter Hanke, 26.05.2020