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Sie macht ältere Menschen froh

Kerstin Schmidt aus Sora ist Alltagsbegleiterin für Senioren und hilft ihnen mit ihrem Team, dass sie noch viel Freude am Leben haben.

Dieser Satz spricht an: „Gemeinsam können wir wieder viele Dinge in ihr Leben holen, die Ihnen Spaß machen, Sie fit halten und lächeln lassen – geistig und körperlich!“ Kerstin Schmidt aus Sora hat diese Worte geschrieben. Sie ist Alltagsbegleiterin für Senioren. „Ich bin für Sie da!“, wendet sich die 56-Jährige an Menschen, die Hilfe und Unterstützung benötigen. Da ruft bei ihr jeden Abend ein älterer Herr an. Zwei Minuten. Er lebt allein. „Er sagt mir, dass am Tag alles gut geklappt hat. Alles sei im grünen Bereich. Sie brauche sich keine Sorgen zu machen. Er gehe jetzt schlafen.“

Fürsorge und Zuspruch

Kerstin Schmidt weiß, wie wichtig es ist, dass ältere und gebrechliche Bürger nicht einsam dahinleben, dass sie noch Kontakt zu Mitmenschen, Fürsorge und Zuspruch erfahren, dass sie auch im Alter noch Lebensqualität haben. So begleitet sie Senioren zu Friseur, Fußpflege und Kosmetik, macht mit ihnen Ausflüge oder geht mit ihnen ins Theater und Museum. Sie hilft im Haushalt mit, kocht gemeinsam mit ihnen, sie sprechen über Alltagsdinge und Politik, schauen Fotos an, basteln, machen Handarbeiten. Sie geht Einkaufen, begleitet die Senioren bei Behördengängen, zu Ämtern und Ärzten. Und sie sitzt auch am Computer, füllt Anträge und Bescheinigungen für Senioren aus, beantragt für diese Leistungen bei den Krankenkassen. Zwei älteren Frauen aus Coswig hilft sie zum Beispiel auch beim Umgang mit Computer und Internet. Manche Senioren wollen einfach nur noch mal den Park in Pillnitz sehen oder in Meißen ins Kino gehen. „Wenn ich diese Wünsche erfülle und sehe, wie glücklich darüber diese älteren Bürger sind, bin ich sehr froh, dass ich jetzt so eine Tätigkeit ausüben kann“, sagt Kerstin Schmidt.    

Das alles und noch vieles mehr gehört zu ihrem Seniorendienst. „Ich möchte diesen Menschen und auch den pflegenden Angehörigen Unterstützung in allen Belangen des täglichen Lebens geben“, sagt die Soraerin. Seit dem 1. April 2019 hat sich die 56-Jährige als Alltagsbegleiterin und Seniorenbetreuerin selbstständig gemacht. Ihr Büro hat sie in ihrem Wohnhaus An den Kastanien 3. „Ich bin fast täglich auf Achse“, sagt sie. Über 30 Klienten betreut sie, viele sind im hohen Alter, oft auch gebrechlich und krank, einige brauchen einen Rollator oder sitzen im Rollstuhl. Sie leben in der Gemeinde Klipphausen, aber auch in Wilsdruff, Braunsdorf, Radebeul, Coswig, Kesselsdorf, Dresden und Meißen. Seit einiger Zeit hat sie noch zwei Mitarbeiterinnen, und zwar Ina Schnür aus Wilsdruff und Manuela Kammel aus Leippen. Beide Frauen sind auch über 50. Das Team vervollständigt noch Rentner Karl Lorenz aus Meißen, der als Fahrer unterwegs ist.

Hat sich gut vorbereitet

Zunehmend spricht es sich in der Region herum, dass das Soraer Unternehmen „Seniorendienste und Alltagsbegleitung“ solide und kompetent arbeitet. „Viele ältere Bürger wissen doch auch gar nicht, dass die meisten Leistungen bei anerkanntem Pflegegrad über den Entlastungsbetrag oder über die Verhinderungspflege aus der Pflegeversicherung finanzierbar sind“, sagt Kerstin Schmidt. Ihr Anliegen ist es auch, hier aufzuklären. Sie hat auch die Zulassung, Leistungen direkt mit den Kassen abzurechnen.

Für ihre neue berufliche Tätigkeit hat sich die Soraerin gründlich vorbereitet. Halbe Sachen machen, ist nicht ihr Ding. So absolvierte sie vorher dazu eine Weiterbildung an einer Einrichtung in Meißen. Bei der Caritas Meißen-Großenhain eignete sie sich Kenntnisse in der Hospiz- und Sterbebegleitung an. Und sie ging auch zu einem Praktikum als Alltagsbegleiterin in eine ambulante Pflegeeinrichtung und arbeitete anschließend dort noch ein halbes Jahr.

 Auf Leute zugehen

Auch ihre Lebenserfahrungen, Ausbildungen und vorherigen beruflichen Tätigkeiten kommen ihr jetzt zugute. 1964 wurde Kerstin Schmidt in Leutewitz in der Gemeinde Käbschütztal geboren. Sie erwarb ihren Zehn-Klassen-Abschluss an der Schule in Ziegenhain und lernte Bankkauffrau an der Sparkasse Meißen. 1989 ging sie mit ihrer Familie in den Westen, qualifizierte sich noch zur Büroangestellten und arbeitete in einem Privatbetrieb. 1991 zog sie aus familiären Gründen nach Dresden zurück. Viele Jahre arbeitete sie bei ihrem Mann in einer Werbefirma und baute das Unternehmen in Sora mit auf.

„Nicht alles geht glatt im Leben. Doch man darf nicht kapitulieren, sich nicht unterkriegen lassen, sondern sollte nach Lösungen suchen“, meint sie. Vor einigen Jahren wurde sie geschieden. Sie musste ihr Leben neu organisieren, arbeitete da auch zwei Jahre als Angestellte im Landtag, ehe sie nun ihre neue Tätigkeit, die für sie, wie sie selbst sagt, maßgeschneidert sei, fand.

Kerstin Schmidt schmunzelt. Auf Leute zuzugehen, hätte sie keine Scheu. Sie könne den Menschen zuhören, mit Behörden umgehen. Kerstin Schmidt ist beherzt, tatkräftig und sagt, wenn ihr etwas nicht passt. Da eckt sie auch manchmal an. Schon in einer Schulbeurteilung hätte mal gestanden, dass sie vorlaut wäre und weiß, was sie will.

Doch für ihre Seniorendienste und die Alltagsbegleitung sind ihre bisherigen Lebensstationen und -erfahrungen da genau richtig. Die Leute haben Vertrauen zu ihr, schätzen ihre Zuverlässigkeit, ihr Wissen und akribisches Vorgehen. Das kommt an.

Da schmerzt sie es, dass Corona vor allem auch bei vielen älteren Menschen Unsicherheit und Angst hervorgerufen hat. Ihr Seniorendienst leidet ebenfalls darunter. Etliche Aufträge wurden gekappt, ihre Mitarbeiterinnen sind in Kurzarbeit. „Wir müssen alle zusammen diese schwierige Zeit überstehen“, sagt sie. Es ärgert sie da, dass jetzt oftmals nur große Pflegedienste und -einrichtungen im Blick stehen und solche kleineren Unternehmen wie ihr Seniorendienst kaum Erwähnung finden. „Das finde ich nicht in Ordnung. Auch wir geben älteren Menschen Hilfe und Unterstützung“, bemerkt sie.

Tee ist ihre Leidenschaft

Zwei Kannen Tee trinkt sie am Tag, meistens ist es grüner oder auch Kräutertee. „Tee ist meine Leidenschaft“, sagt sie. Sie sammelt auch selbst Linden- oder Holunderblüten, liebt die Natur, hält sich mit Yoga und Pilates fit. Auch ihr Hund Kurt, ein Labrador, sorgt für Bewegung. Mit Enkeln geht sie ab und zu auf Tour durch den Ort, um von einigen Mitmenschen in die Landschaft geworfenen Müll zu beseitigen. Und sie freut sich, dass es in ihrer Familie einen guten Zusammenhalt gibt. Zehn Leute wohnen in dem großen Haus An den Kastanien 3, das vor der Wende einmal Sitz der Tischlerei von der LPG Sora war, und zwar ihre Söhne Philipp (34), der Unternehmer und auch Feuerwehrchef in Sora ist und jetzt in den Gemeinderat nachrückte, und Franz-Berti (28), der als Angestellter beruflich tätig ist, sowie ihre Ehefrauen und vier Enkel und noch ihr Lebenspartner, der Zimmermann ist. „Am Wochenende wird gemeinsam gefrühstückt“, sagt Kerstin Schmidt.            

Zur Info: Seniorendienste und Alltagsbegleitung Kerstin Schmidt, An den Kastanien 3, 01665 Klipphausen, Telefon: 0172- 30 833 90 und Festnetz 035204-779427; Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.lebens-zeiten.de

Text und Foto: Dieter Hanke, 28.05.2020