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Neuer Hightech-Betrieb in Klipphausen

Im Gewerbegebiet Klipphausen wird künftig die ADS-Tec Energy GmbH Batteriespeicher und Schnellladesysteme für die Elektromobilität herstellen. Großauftrag von Porsche. 

Der Branchenmix im Gewerbegebiet Klipphausen wird breiter. Voraussichtlich im Juli dieses Jahres startet dort die ADS-Tec Energy GmbH auf der Schwabacher Straße 5. Darüber informierte Prokurist Martin Reinhuber von der ADS-Tec Dresden GmbH in Wilsdruff. In zwei Hallen des ehemaligen Handelskomplexes in der Nähe der Zufahrt von der S 177, wo früher einmal Polstermöbel, Teppiche und Schuhe verkauft wurden, wird künftig das IT-Unternehmen Hightech-Produkte fertigen. In Klipphausen wird ein anspruchsvolles Projekt der ADS-Tec Gruppe mit ihrem Hauptsitz in Nürtingen bei Stuttgart, die für hochentwickelte Systemlösungen in den Bereichen industrielle Computer und Batterietechnologie steht, verwirklicht. Martin Reinhuber, der sich bei ADS-Tec in Wilsdruff zusammen mit dem Werkleiter Patrick Quander um Organisation und Personal kümmert, gab darüber Auskunft.

Start mit 20 Mitarbeitern

So sollen in einer eigens entwickelten Batteriefertigungsanlage Lithium-Ionen-Batteriespeicher hergestellt werden. Beispielsweise werden in Klipphausen für das renommierte Automobilunternehmen Porsche, das 2019 der Öffentlichkeit den neuen Elektro-Sportwagen Taycan vorstellte, Strom-Speicherwürfel mit jeweils zwei Ladesäulen gefertigt. „Für die weltweiten Niederlassungen dieses Kraftfahrzeugherstellers sollen an diesem Standort insgesamt 500 High-Power-Schnellladesysteme für die Elektromobilität montiert werden“, so der Prokurist.

Begonnen wird die Produktion in den zwei angemieteten Hallen mit einer Fläche von 5 500 Quadratmetern mit 20 Mitarbeitern, so mit Elektronikern für Geräte und Systeme, Industrieelektrikern und weiteren Beschäftigten. Falls sich Auftragslage und Entwicklung dieses neuen IT-Unternehmens erfolgreich gestalten, sei auch an eine Aufstockung gedacht.

Moderne Speichersysteme

Im Gewerbegebiet Klipphausen hält damit ein weiterer Betrieb Einzug, der innovative technische Lösungen anbietet, die in ihrer Kompaktheit hinsichtlich Kapazität und Leistungsfähigkeit weltweit einzigartig und das Ergebnis von oft jahrelangen Forschungen sind. Denn die ADS-Tec Energy GmbH, die ein Unternehmen der ADS-Tec Gruppe mit Beteiligung des Unternehmens Bosch ist, bietet einer breiten Kundschaft hocheffiziente Batteriespeicherlösungen und Schnellladesysteme für die Elektromobilität an. Diese Produkte sind für Privathäuser, öffentliche Einrichtungen, Gewerbeunternehmen, Industrie- und Infrastrukturlösungen, autarke Energieversorgungen bestimmt und reichen bis in den Multi-Megawatt-Bereich. Vom kleinen Heimspeicher für die Solaranlage auf dem Dach bis hin zu großen

Elektro-Speicheranlagen für Kraftwerke erstreckt sich da die Produktionspalette. ADS-Tec Geschäftsführer Thomas Speidel, der auch Präsident des Bundesverbandes Energiespeicher (BVES) ist, hat sich engagiert in den vergangenen Jahren für die Entwicklung moderner Elektro-Speichersysteme im Unternehmen eingesetzt, deren Resultate jetzt auch in Klipphausen produktionsreif umgesetzt werden.

Seit 2009 in Wilsdruff

Das inhabergeführte Familienunternehmen ADS-Tec mit dem Stammsitz bei Stuttgart, das rund 300 Mitarbeiter beschäftigt und wo die beiden operativen Tochtergesellschaften in den Bereichen „Industrial IT“ und „Energy“ tätig sind, hat sich mit der Klipphausener Standortwahl einmal mehr für Sachsen ausgesprochen. Bereits seit 2004 existiert in Kesselsdorf ein Produktionsstandort, und 2009 nahm die ADS-Tec Dresden GmbH im Gewerbegebiet Wilsdruff in einer eigens gebauten Halle die Produktion auf. Dort stellen heute insgesamt 65 Mitarbeiter - 2004 waren es noch zehn Beschäftigte in Kesselsdorf - industrielle Computer- und IT-Systeme für Branchen wie Automation, Logistik, Medizin, Automobil und Maschinenbau her. Im Vorjahr wurden zum Beispiel in Wilsdruff 18 000 Computer gefertigt. Deren Anwendungsgebiete sind vielfältig, so unter anderem in der Medizintechnik, wo zum Beispiel Sauerstoff im Blut gemessen wird. Terminals bei Gabelstaplern sorgen für eine effiziente Lagerhaltung, auch in der Steuertechnik im Maschinenbau oder bei Diagnosegeräten im Kfz-Bereich werden ADS-Tec-Computer eingesetzt.

Gute Rahmenbedingungen

„Der Platz in Wilsdruff reichte für die Batterieherstellung und dem Porsche-Projekt nicht mehr aus“, sagte Martin Reinhuber. Klipphausen habe da für einen Standort die besten Rahmenbedingungen geboten. „Das gab für uns den Ausschlag. Auch eine Standortwahl bei Stuttgart war ehemals mit im Gespräch gewesen“, bemerkte Martin Reinhuber. Wie er hervorhob, würden der Landkreis Meißen und die Gemeinde Klipphausen das Unternehmen aktiv bei der Ansiedlung unterstützen.

Bis zum Produktionsstart in einigen Wochen werden die beiden Hallen im Gewerbegebiet noch auf die neuen Anforderungen umgerüstet. Seit zwölf Jahren standen diese weitgehend leer. Da geht es um Brandschutz, Beleuchtung, Umbauten und anderes. So wurde zum Beispiel auch der Teppichboden in der Halle entfernt. „Wir richten auch einen Empfangsbereich ein, ebenso Sozialräume. Derzeit wird die Produktionslinie in einer Halle aufgebaut, in der anderen werden die Regale für das Lager installiert“, so Martin Reinhuber. ADS-Tec freut sich auf den Start im neuen Areal in Klipphausen.

Engagiert auch im Sozialen

Doch nicht nur in Sachen Unternehmensentwicklung und der Schaffung neuer Arbeitsplätze ist ADS-Tec in Sachsen aktiv. Auf Einladung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche hatte 2000 die evangelische Kommunität „Christusträger des Klosters Triefenstein am Main eine Außenstation in Meißen gegründet. Die Stiftung Leben und Arbeit, ein europäisches Kultur- und Begegnungszentrum mit Schwerpunkt auf der Jugendarbeit, entstand in Wilsdruff. Sie basiert auf drei Säulen. Träger sind die evangelische Kirche, die Stadt Wilsdruff sowie Unternehmen. Da geht es der Stiftung, der von der Kommune das ehemalige Rittergut in Limbach übertragen wurde, zum Beispiel um ambulant betreutes Wohnen, stationäre Betreuung, um Kulturangebote, schulsoziale Arbeit, Unterstützung junger Menschen bei der Berufswahl und anderes.

Dem Stiftungsrat gehören von Seiten der Wirtschaft auch die ADS-Tec-Unternehmer Markus und Thomas Speidel an, die dieses Begegnungszentrum aktiv unterstützen und eng mit dem Anliegen und der Arbeit der Stiftung verbunden sind. Schon vor deren Gründung engagierten sich die Speidels für die Umsetzung der Initiative „Leben und Arbeit“. Am Wilsdruffer ADS-Tec-Produktionsstandort stammen die Mitarbeiter zu 70 Prozent aus ehemaligen Maßnahmen der Initiative „Leben und Arbeit“. So fanden größtenteils Langzeitarbeitslose Arbeit in einem zukunftsorientierten Unternehmen der IT-Branche. „Durchaus ungewöhnlich und beispielgebend in einer Branche, die sonst sehr auf das Potenzial hochqualifizierter, vorwiegend junger Menschen setzt“, meinte Martin Reinhuber, der seit Gründung der Stiftung geschäftsführender Vorstand ist. Der heute 63-Jährige, der in Waiblingen in Baden-Württemberg geboren wurde, lebt seit 20 Jahren in Sachsen. Als Mitglied der evangelischen Bruderschaft hatte Werner Reinhuber damals als Arbeitstherapeut die Jugendclubs rund um Wilsdruff kennengelernt und sich für die Gründung einer Stiftung mit eingesetzt. „Wir haben mit ihr das Anliegen, Leben und Arbeit vor dem Hintergrund christlicher Werte und demokratischer Fähigkeiten als Einheit zu verstehen, zu erleben und weiter zu geben“, sagte er. Dass damals etliche langzeitarbeitslose Menschen bei ADS-Tec einen Job erhielten, ist auch ein Verdienst von Martin Reinhuber, der sich maßgeblich mit um den Aufbau dieses ADS-Tec-Firmenstandortes gekümmert hatte.  

Text und Fotos: Dieter Hanke, 03.06.2020