Eine harte Zeit für Gaststätten

Keine Gäste, keine Einnahmen – die Gastwirte hoffen, dass es nun wieder aufwärts geht.

„Wir haben wahnsinnige Einbußen“, sagt Ira Robitzsch, Managerin im Groitzscher Hof. Es hätte Absagen über Absagen gegeben: Familienfeiern, Hochzeiten, Vereinstreffen. Besonders hart war es, dass auch Veranstaltungen im großen Saal wegfielen wie Tagungen von Unternehmen und Organisationen. „Aktuell sind es eine Seniorenveranstaltung eines Vereins am 9. Juli mit 230 Personen oder zwei Abiturbälle mit je 250 Gästen am 10. und 11. Juli. Das schmerzt schon sehr. Unsere Verluste steigen an“, bemerkt die 44-jährige Groitzscherin.

Auch beim Mittagessen für Kindertagestätten und Schulen wurden angesichts der Notbetreuung zeitweise nur wenige Portionen geliefert. Die Kantine des Landgasthofs war seit Ende März bis Mitte Mai zu. „Unsere Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Wir hoffen, Entlassungen vermeiden zu können“, sagt Ira Robitzsch. Mit dem Abo-Essen außer Haus an Bürger und Betriebe und mit der Kantine, die seit 18. Mai wieder offen ist, konnten die Umsatzeinbußen wenigstens etwas gemildert werden. „Es gibt wieder Buchungen für den Herbst, Leute fragen an. Das macht uns froh, dass es wieder aufwärts geht“, so die Managerin.

Die strengen Hygieneauflagen würden aber dem Groitzscher Hof sehr zu schaffen machen. „Wir haben einen enormen personellen Aufwand, das alles zu bewerkstelligen“, meint Ira Robitzsch. Die Einnahmen würden dazu in keinem Verhältnis stehen. Die Managerin: „Der große Saal ist für 400 Gäste ausgelegt. Jetzt können wir dort durch die Abstandsregelung maximal 80 Gäste bewirten.“ Auch ein Büfett sei nicht möglich, die Speisen müssen von den Servierkräften mit Mundschutzmasken serviert werden. Das alles würde den Ablauf erschweren. Auch seien die Bürger bei der Buchung von Familienfeiern und der Nennung der Gästezahl sehr zurückhaltend. „Denn viele sind verunsichert, ob zum Beispiel die eingeladenen Gäste aus anderen Bundesländern auch kommen können“, sagt Ira Robitzsch. Eine Silvesterveranstaltung soll es aber im Groitzscher Hof geben, wenn es die Verordnungen zulassen.

Kaum Mitarbeiter mehr

Es grünt und blüht am Landgasthof „Meissner Blick“ in Seeligstadt. Eine Augenweide. Im Hochbeet wetteifern Estragon, Thymian, Fenchel, Rosmarin, Basilikum und weitere Kräuter um den besten Wuchs. Wirtin Angelika Kießling verfeinert damit ihre kulinarischen Spezialitäten. Das Spektakelhaus wird umsäumt von schönen Sträuchern, Pflanzen und originellem Ambiente. Nicht weit vom „Meissner Blick“ entfernt befindet sich die Baeyerhöhe, mit 321 Metern die höchste Erhebung im Meißner Land. Eigentlich gute Voraussetzungen für diesen Landgasthof in reizvoller Natur.

Doch die Tatsachen sprechen eine andere Sprache. „Drei Monate keine Einnahmen. Das ist hart“, sagt die 60-jährige Wirtin. Die beliebten Veranstaltungen im Spektakelhaus des Landgasthofes, wo sonst Busunternehmen aus ganz Deutschland ihre Insassen zum „Russenspektakel“, Aronia-Kräuter-Spektakel oder auch Schlacht- und Bergspektakel brachten, fielen aus. „Es gab Absagen über Absagen. Jetzt fanden die ersten Veranstaltungen wieder statt. Allerdings wegen der Hygiene-Auflagen mit verminderter Teilnehmerzahl“, so die Wirtin. Auch die Gaststätte ist momentan geschlossen, nur am Sonntag ist von 11 bis 16 Uhr offen, auf Vorbestellung können die Gäste dort speisen, wobei Rinderrouladen der Renner ist. „Uns fehlen die Mitarbeiter. Einst hatten wir sieben, jetzt sind nur noch zwei da. Ich habe mich über die Arbeitsagentur und im Internet um Personal bemüht. Leider bisher erfolglos“, so Angelika Kießling. Den Sofort-Zuschuss vom Freistaat in Höhe von 9 000 Euro hat sie in Anspruch genommen. „Die Unkosten für die Gaststätte laufen ja weiter. Da können wir wenigstens die dringendsten Ausgaben bestreiten“, sagt sie. Die 60-Jährige ist von ganzem Herzen Wirtin. „Ich möchte wieder bessere Zeiten erleben, viele fröhliche Menschen in unserem Haus. Wir müssen durchhalten.“

Tische sind gut besetzt

Nur wenige Kilometer weiter befindet sich in Burkhardswalde der historische Gasthof „Alma Kasper“. Am Sonntag, dem 21. Juni, waren die Tische gut besetzt. Das Geschäft florierte. „Wir freuen uns darüber. Aber so wie es einmal war, ist insgesamt in diesen Wochen der Besuch noch nicht“, bemerkt Kellnerin Yvette Schmidt.

Der Truck rollt wieder

An der B 6 in Scharfenberg kommen ins „Western Inn“ wieder viele Gäste, vor allem am Wochenende. „Der Truck rollt wieder“, wird dort scherzhaft gesagt. Offen ist täglich von 8 bis 22 Uhr. Die Hygieneauflagen werden eingehalten, doch es ist schon für die Mitarbeiter traurig, wenn sie in Spitzenzeiten nicht mehr Gäste im Biergarten Platz nehmen lassen können, da die Abstandsregeln das nicht gestatten.

„Wir hatten beträchtliche Einbußen in den vergangenen Monaten“, sagt Dagmar Großer. Die zwölf Mitarbeiter gingen in Kurzarbeit. „Stundenweise sind sie jetzt wieder tätig“, bemerkt die 71-Jährige, die seit 45 Jahren Chefin in diesem Haus ist.

Auch etliche Western-Veranstaltungen oder andere kulturelle Events fielen oder fallen noch aus. Das Hotel war zu. Familienfeiern zu runden Geburtstagen oder weiteren Jubiläen wurden abgesagt. Auch Hochzeitsgesellschaften mussten auf das Western Inn verzichten. „Wir hatten auch finanzielle Verluste, weil wir bestimmte eingelagerte verderbliche Produkte nicht mehr verwenden konnten wie Gemüse oder Suppen“, sagt Dagmar Großer. Sie hofft, dass nun wieder bessere Zeiten kommen. „Nach den Entbehrungen der letzten Monate ist für uns ein gutbesuchtes Western Inn eine große Freude“, bemerkt sie.

 Kontakt zu Gästen vermisst

Hans Linn, der Wirt der Triebischtalbaude, hat seine gute Laune nicht verloren. „Von Jammern wird es auch nicht besser. Diese Zeit müssen wir überstehen, anderen Menschen und Unternehmen geht es noch schlechter“, sagt der 67-Jährige. Dabei hat auch diese Landgaststätte beträchtliche Einbußen hinnehmen müssen. Auch die beliebten Kremserfahrten für die Gäste in das schöne Triebischtal fanden nicht mehr statt.

Was aber Hans Linn in den vergangenen Monaten besonders vermisst hat, war der Kontakt zu den Gästen. Denn der Wirt plaudert gern mit ihnen, gibt auch Empfehlungen für Wanderungen und weitere Ausflüge. Die Zeit der Schließung hat er mit seiner Familie genutzt, um Räume und Lager aufzufrischen. Auch mussten 500 Fichten im Umfeld der Gaststätte gefällt werden, da sich in ihnen der Borkenkäfer breit gemacht hatte. Und Hans Linn hat in diesen Wochen mit anderen Mitgliedern des Tanneberger Vereins „Historische Landtechnik“ einige Exponate saniert. An seiner Gaststätte gibt es eine sehr sehenswerte Schau alter Landtechnik, die der Verein vor dem Verfall gerettet hat.

Jetzt freuen sich die Mitarbeiter dieser Landgaststätte (zwei Festangestellte, vier Pauschalkräfte), dass der Besuch von Gästen zunimmt. Wildgerichte, Kräuterbraten, Rinderzunge und weitere Speisen der gutbürgerlichen Küche sind gefragt. Seine Frau, Chefköchin Evelin Linn, hat jetzt wieder viel zu tun. „Vor allem auch Forelle, die entgrätet ist, wird sehr gern bestellt“, sagt sie.

Bei der Stippvisite des Amtsblattes am Sonntagnachmittag, dem 21. Juni, saßen auf der Terrasse viele Gäste, unter ihnen auch der Semmelsberger Dietmar Kohlstrunk mit seiner Frau Bettina sowie Verwandten. Mit dem Rad waren sie gemeinsam auf Tour und stärkten sich in der Baude. „Die schöne Lage der Gaststätte, die freundliche Bedienung und die gute Küche lassen uns gern hierherkommen“, meint der ehemalige Baufacharbeiter.

2 500 Gäste blieben weg

Roland Taubinger ist in Sorge. Der Inhaber des Landhotels Gut Wildberg rechnet vor: „Totalausfall von Mitte März bis Mitte Mai. Gemessen an den Buchungen und am Vergleich zum Vorjahr sind das in diesem Zeitraum etwa 2 500 Gäste, die nicht kamen.“ Aber die laufenden Kosten würden doch trotz Schließung und null Umsatz weiter anfallen, so der 56-Jährige, der das schöne Landhotel vor den Toren Dresdens mit seinen 37 Zimmern aufgebaut und hier 1995 die ersten Gäste begrüßt hatte. An die 10 000 Übernachtungen gibt es etwa im Jahr, die Gäste kommen aus ganz Deutschland und Europa.

18 Mitarbeiter sind hier tätig, einige wurden in den letzten Monaten in Kurzarbeit geschickt. Roland Taubinger hat einen Soforthilfe-Kredit vom Freistaat aufgenommen. „Doch diesen müssen wir zurückzahlen. Das belastet uns in Zukunft“, bemerkt er.

Jetzt kommen wieder Buchungen von Gästen, aber verhalten. Was ihn und das Team auch sehr beschäftigt und zum Teil auch unzufrieden macht, sind die strengen Hygieneanforderungen. Im Gastraum wurden zwar Zwischenwände eingezogen, um die Abstände einzuhalten. Doch der Aufwand sei enorm, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. „Alles muss serviert werden, kein Büfett“, so Roland Taubinger. Für das Bedienpersonal sei es nicht leicht, ständig mit der Mundschutzmaske die Arbeit zu verrichten. „Ich hoffe da auf baldige Lockerungen, was die Hygieneregeln anbelangt“, sagt er. Aber der Wildberger ist andererseits auch in Sorge, dass eine zweite Corona-Welle das Land heimsuchen könnte und dadurch auch die finanziellen Ausfälle weiter zunehmen würden.

Viel Lob für Kuchen

Der selbstgebackene Kuchen in der Neudeckmühle ist Spitze. Ob Rhabarber mit Streusel, Eierschecke, Mandel- und Kokoskuchen oder auch Kirsch- und Pflaumenkuchen – die Gäste sind voll des Lobes. Die 56-jährige Kerstin Schaller, Lebensgefährtin von Peter Poitz, dem Gastwirt, zaubert solche lukullischen Sachen. „Ich freue mich, wenn die Gäste das anerkennen. Das muntert in dieser schwierigen Zeit auf“, sagt Frau Schaller.

Dieser Familienbetrieb hat es auch nicht leicht, über die Runden zu kommen. „Wir haben etwa zwei Drittel Umsatzeinbußen“, sagt Peter Poitz. Jetzt, wo wieder geöffnet ist, sei aber die Frühjahrssaison für Wanderer und Ausflügler vorbei. Mit einer Imbissversorgung würden die Einnahmeverluste wenigstens etwas gemindert werden. „Der normale Gaststättenbetrieb ist aber noch nicht wieder machbar“, sagt der 61-Jährige, der 1991 die Gaststätte vom Vater übernommen hatte. Die strengen Hygieneanforderungen seien aus Kostengründen nicht zu realisieren. „Wir betreiben die Gaststätte zu zweit.“

Ein schwerer Neustart

Auch in der Rehbock-Schänke in Scharfenberg unternimmt Inhaberin Kerstin Fiebiger große Anstrengungen, um jetzt die enormen Umsatzverluste der vergangenen Monate ein wenig auszugleichen. „Doch das ist alles sehr schwer. Die Gäste kommen zwar langsam wieder, wir sind aber nur zu zweit, meine Mama macht die Küche“, sagt die 52-Jährige, die 2002 diesen Familienbetrieb von den Eltern übernommen hatte. Rehbraten, Gallertschüssel oder Wildgulasch stehen hier bei den Gästen hoch im Kurs. Auch Wandergruppen oder Familien würden jetzt wieder Termine buchen, so Frau Fiebiger.

Fazit des Ganzen  

Nicht alle Gaststätten und Imbisseinrichtungen im Gemeindegebiet hat das Amtsblatt befragt. Doch die Tatsachen in den aufgesuchten Einrichtungen vermitteln eine klare Aussage: Die Corona-Krise hat die Gastronomie- und Hotelbranche hart getroffen. Die staatlich verordnete Zwangspause, um die drohende Virusgefahr abzuwenden, hat in der Gastronomie enorme Umsatzeinbußen verursacht. Gäste blieben fern. Und auch jetzt haben die Gastronomen durch die hohen Hygieneauflagen Probleme, können nicht kostendeckend arbeiten. Angesichts dieser Situation und das ist sicher ein einleuchtendes Argument, können die meisten Gaststätten auch die vorgesehene vorübergehende Mehrwertsteuersenkung nicht an die Kunden weitergeben, zumal auch die Kassenumstellung da wiederum Kosten und Aufwand verursachen würde. So möchten die meisten Gaststätteninhaber die Senkung der Mehrwertsteuer nutzen, um einen Teil der Verluste abzufedern.

Positiv auf die Branche könnte sich vielleicht auswirken, dass in den Sommermonaten mehr Bürger diesmal einen Heimaturlaub machen wollen. Auch die Gaststätten im Gemeindegebiet Klipphausen könnten davon profitieren. Einwohner der Gemeinde, von denen allerdings auch nicht wenige Einbußen durch die Krise wie Kurzarbeit oder gar den Verlust des Arbeitsplatzes haben, werden sicher ebenfalls wieder verstärkt in den nächsten Monaten die gastronomischen Einrichtungen in der Gemeinde Klipphausen aufsuchen, um den Wirten beizustehen. Denn von ihnen gibt es ja auch gar nicht mehr viele. Auch in der Gemeinde haben in den letzten Jahren etliche Gaststätten zugemacht.

Text und Fotos: Dieter Hanke, 25.06.2020