^ Nach oben

Das Triebischtal entdecken

Auf 60 Kilometer Wanderwegen haben die Ausflüger schöne Naturerlebnisse und erhalten viele Auskünfte zu Geschichte und Kultur eines reizvollen Gebietes.

Eckhart Richter schwärmt vom Triebischtal. Der 64-Jährige ist seit 2003 Wanderwegewart in diesem Gebiet. „Der liebliche Charakter der Täler, die schönen Laubmischwälder, die mit Wiesen und Weiden verwoben sind, die reizvollen Hänge und die Triebisch, die mal zahm und mal wild daherkommt“, sagte Eckhart Richter, der in einem Dreiseithof in Munzig wohnt. Ihm imponiere die Vielfalt der Talformen, die weit oder auch eng sind. „Und es ist eine alte Kulturlandschaft mit sehenswerten Siedlungen, historischen Mühlen und vielen Zeugnissen des Bergbaus aus vergangener Zeit. Das Triebischtal ist auch in geologischer Hinsicht sehr interessant“, bemerkte der Wanderwegewart, der für das Große Triebischtal zuständig ist.

Sieben Rundwanderwege

An die 60 Kilometer Wanderwege erstrecken sich hier auf dem Territorium der Gemeinde Klipphausen. Darunter sind zwei Fernwanderwege, und zwar der Hauptwanderweg Ostsee-Saaletalsperren, der mit dem Kennzeichen Blauer Strich von Meißen nach Nossen führt (35 Kilometer) und der Gebietswanderweg Roter Punkt von Meißen nach Mohorn (31 Kilometer). Hinzu kommen sieben Rundwanderwege, die insgesamt knapp 50 Kilometer ausmachen. Die Wanderwege sind gut ausgeschildert mit Wegweisern und Orientierungstafeln. Es gibt Info-Tafeln an Sehenswürdigkeiten. Rastplätze, Schutzhütten und Bänke laden zum Verweilen ein. Für Ausflügler sind solche Wanderungen ein doppelter Gewinn: Die Kondition wird gestärkt und zugleich gibt es einen Zuwachs an Wissen über Geschichte und Gegenwart des Triebischtals.

Sanierte Brücken und Wege

Aber nicht nur für Touristen, sondern vor allem auch für Bürger der Gemeinde Klipphausen sind das gute Offerten, gerade in schwierigen Corona-Zeiten, wo der Alltag sowie der Urlaub im Ausland sehr erschwert sind, mal näher die Schönheiten des Triebischtals zu erkunden, um abzuschalten und Kraft zu tanken. Zumal die Gemeinde Klipphausen seit dem Hochwasser 2013 und dem Starkregen 2014 im Triebischtal nicht wenige Brücken, Durchlässe, Wanderwege und Böschungen sanierte oder neu baute und somit die Voraussetzungen für schöne Wandererlebnisse verbesserte. Genannt seien da zum Beispiel der Wanderweg von Taubenheim nach Kobitzsch entlang der Kleinen Triebisch oder hier von Lampersdorf nach Taubenheim. Erwähnt seien auch die Wanderwegbrücke über den Tännichtbach in Rothschönberg Richtung Elgersdorf oder der Wanderweg und Radweg Meißner Acht zwischen Semmelberg und Polenz. „Wir wünschen als Gemeindeverwaltung den Familien mit ihren Kindern und allen weiteren Bürgern bei ihren Ausflügen viel Freude und Erholung“, sagte Bürgermeister Mirko Knöfel.

Bergbauhistorischer Lehrpfad

Im Folgenden möchten wir da einige Anregungen für Wanderungen im Großen Triebischtal geben. In den nächsten Ausgaben des Amtsblattes werden dann Vorschläge für weitere Strecken unterbreitet, so im Kleinen Triebischtal und in den weiteren linkselbischen Tälern wie unter anderem im Saubach-, Prinzbach-, Rehbock- und Regenbachtal.

Auf jeden Fall ist im Großen Triebischtal der Geopfad zu empfehlen, der geologisch-bergbauhistorische Lehrpfad vom Alten Kalkbergwerk Miltitz zum Rothschönberger Stolln. Diesen Lehrpfad gibt es seit 2006. Eckhart Richter hat hier maßgeblich mitgewirkt. Die Gesamtlänge beträgt sieben Kilometer, wobei Ausgangspunkt sowohl der Schlossvorplatz in Rothschönberg (Parkplatz) als auch das Alte Kalkwerk in Miltitz (Parkplatz) sein können. Entlang der Triebisch sind hier die steinernen Zeugen eines großen erdgeschichtlichen Zeitraumes anzutreffen. Natürliche Aufschlüsse und durch bergbauliche Aktivitäten freiliegende Gesteine oder auch alte Steinbrüche dokumentieren die Entstehungsgeschichte des Nossen-Wilsdruffer Schiefergebirges und verdeutlichen einen geologischen Zeitraum von vor 500 bis 250 Millionen Jahren. Verschiedene Relikte des Altbergbaus von Silber- und Eisenerz sowie dem Kalkabbau, Halden und Pingen und auch der Rothschönberger Stolln, der eine technische Meisterleistung der bergmännischen Wasserwirtschaft Mitte des 19. Jahrhunderts ist, sind auch an diesem Geopfad zu sehen und künden von einer reichen Erd- und Kulturgeschichte. An 13 Stationen wird hier Wissenswertes vermittelt.

Garsebacher Rundweg

Auch der Garsebacher Rundweg (gelber Punkt, zehn Kilometer) ist ein empfehlenswerter Wandervorschlag und führt rund um den Ort Garsebach, eine sportliche Strecke. Die Ausflüger haben hier schöne Blicke ins Tal und können historische Mühlen in Augenschein nehmen. Start am Parkplatz Semmelsberg (oder auch am Wanderparkplatz an der nahen Sporthalle), dann Jägersteig, Hufweg, Kuhberg, Kettewitz, Helmmühle, Polenz, Polenzer Linden, Obersemmelsberg, Mittelmühle, Pechsteinklippe, Barthmühle und zurück zum Ausgangspunkt.

Schloss- und Ritttergutstour

Eckhart Richter, der auch stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins Rothschönberg ist und beruflich mehrere Jahrzehnte Leiter der Unteren Wasserbehörde im Landratsamt Meißen war, ist seit Anfang 2020 im Ruhestand. Für seine ehrenamtlichen Aktivitäten gewiss ein Gewinn. Der 64-Jährige möchte auch den Heynitzer Weg empfehlen, eine Schloss- und Rittergutstour (Markierung gelber Strich, elf Kilometer). „Die Tour führt durch eine interessante Kulturlandschaft, über Berg und Tal, auf Wald- und Wiesenpfaden bzw. Wegen und kurzen Straßenabschnitten durch kleinere Siedlungen“, so der Wanderwegewart. Die Schlösser in Rothschönberg und Heynitz mit ihren Parks, das Herrenhaus in Obermunzig, der Rothschönberger Stolln, die alte Steinbogenbrückee in Munzig, ein schöner Ausblick in Obermunzig in das Tal sind unter anderem markant auf dieser Tour. Ausgangs- und Endpunkt ist der Parkplatz am Schloss Rothschönberg.

Viele Sehenswürdigkeiten

Der Parkplatz am Miltitzer Jahnbad ist Ausgangs- und Endpunkt für weitere erlebnisreiche Wanderungen, zum Beispiel bietet sich hier der Miltitzer Rundweg an (Grüner Punkt, acht Kilometer, mit Abkürzung über Dorfberg 6,5 Kilometer). Der Wanderer hat hier eine herrliche Weitsicht auf der Polenzer Höhe bis zum Landberg am Tharandter Wald. Auch der Edelkastanienhain, Europas nördlichst gelegener Park seiner Art, ist auf dieser Tour ein Highlight.

Der Burkhardswalder Rundweg (gelber Strich, neun Kilometer) startet ebenfalls am Jahnbad. Auch hier sind Naturerlebnisse und kulturhistorisch bedeutsame Sehenswürdigkeiten präsent. Es geht zunächst nach Niedermunzig, einer ehemaligen Bergarbeitersiedlung, die mit dem Silbererzbergbau entstand. „Eine Tafel am Eingang zum Diebsgrund informiert über die Reste des einstigen Bergbaus“, wie Eckhart Richter informierte. Das einstige Herrenhaus des Rittergutes Obermunzig, das saniert wurde, ist dann ebenfalls im Blickpunkt. Auf dem Weg nach Burkhardswalde ist ein Kalkofen mit Huthaus zu sehen, hier wurde von 1841 bis 1858 Kalk abgebaut, wie der Wanderwegewart berichtete. Noch ein weiterer alter Kalkofen am Kirchweg kann betrachtet werden. In Burkhardswalde sind die imposante Wallfahrtskirche (erbaut 1470) sowie das historische Steingut, die kleinste Burg des Landkreises Meißen, von Interesse. Der Wanderweg führt dann auf die Seeligstädter Höhe zur höchsten Erhebung im Landkreis Meißen, der Baeyerhöhe (321 Meter). Über Seeligstadt und Weitzschen geht es dann zum Ausgangspunkt zurück.

Historische Landtechnik

Und der Tanneberger Rundweg (Markierung Gelber Punkt, vier Kilometer) ist hier gleichfalls eine gute Offerte. Viel Grün prägt diese Strecke. Der Beginn ist ab dem kleinen Wanderparkplatz am Buswendeplatz Alttanneberg. Die Strecke führt entlang des kleinen Kerbtälchens und dann immer entlang der großen Triebischauen nach Süden. Gerodete und wieder aufgeforstete Flächen der Sturmschäden am Hangwald zeigen, dass Laubmischwälder widerstandsfähiger sind und besser zu unserer Landschaft gehören. Am Hofeteich Neutanneberg lädt eine Bank zum Verweilen ein, und es gibt einen Hinweis auf den Geologischen Wanderweg, der bis Mohorn mit Infotafeln führt. An der Triebischtalbaude sind der Rhododendronhain und ausgestellte historische Geräte der Landtechnik sehenswert. Der Rückweg auf der Höhe (Feldweg) führt vorbei an der neugepflanzten Tanne als Sinnbild für die Teilorte Neutanneberg und Alttanneberg, dann zum Rittergut Tanneberg. Hier ist ein Abstecher in den gepflegten Park lohnenswert (überdachter Rastplatz mit Grillstelle). In der Nähe befindet sich dann auch der Ausgangspunkt der Wanderung.

Statistische Angaben

Noch zum Schluss kurz einige statistische Angaben: Das Triebischtal erstreckt sich vom Tharandter Wald, wo auch die Quelle der Triebisch zwischen Klingenberg-Colmnitz und Grillenburg ist, bis Meißen-Altstadt im Norden und Wilsdruff im Süden, insgesamt 36 Kilometer. Es kann in mehrere Abschnitte unterteilt werden, wie Eckhart Richter sagte. Es sind angrenzend Meißner Triebischtal, Garsebacher Schweiz, Kleines Triebischtal, Mittleres Triebischtal (Kulturlandschaft um Miltitz), Oberes Triebischtal (ab Rothschönberg) und angrenzend Oberes Triebischtal ab Blankenstein-Tharandter Wald (Waldtriebisch). Ein über 400 Millionen Jahre altes Schiefergebirge durchzieht das Tal. Der Altbergbau prägte dieses Gebiet, so alte Steinbrüche (Granit und Porphyr), der Abbau von Kalk im 18. und 19. Jahrhundert in Bergwerken und noch viele weitere Zeugnisse des einstigen bergmännischen Wirkens. Ein Lavadom (vulkanische Glas) bei Dobritz, die Pechsteinklippen in Garsebach sowie mehrere Mühlen aus vergangenen Jahrhunderten haben das Triebischtal ebenfalls bekanntgemacht.

(Weitere Infos unter www.triebischtaeler.de, unter www.geopfad-triebischtal.de. und unter www.kalkbergwerk.de

Tex: Dieter Hanke, Fotos: Eckhart Richter/Dieter Hank, 26.06.2020)