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Hightex mit Mut und Zuversicht

Eine tolle Überraschung: Der MDR erfreute die Mitarbeiter des Hightech-Betriebes in Klipphausen mit einem musikalischen Gruß in der neuen Produktionshalle, wo weit über fünf Millionen Euro investiert werden

Das war eine originelle Sache: In der fast fertiggebauten neuen Produktionshalle der Hightex Verstärkungsstrukturen GmbH im Gewerbegebiet Klipphausen gab es am Nachmittag des 26. Mai ein kleines Konzert. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens und Bauleute der Goldbeck Ost GmbH, Niederlassung Sachsen, und deren Unterauftragnehmer erfreuten sich an Melodien der Comedian Harmonists und Volksliedern. Im Rahmen des MDR Lieder-Lieferdienstes kamen vier Sänger des MDR-Rundfunkchors. „Mit unserem Ständchen vor Ort möchten wir allen Mitarbeitern, die in den vergangenen Wochen und Monaten großen Einsatz gegen die Corona-Krise zeigten, eine Freude bereiten“, bemerkte Philipp Brömsel aus Dresden, der mit den anderen drei Sängern das kleine Programm bestritt. Die Akustik in der Halle war wunderbar, fast wie in einer Kirche, und dort Abstand der Mitarbeiter untereinander zu halten, auch kein Problem. „Das Ganze hat uns sehr berührt, trotz des räumlichen Abstandes den Menschen ganz nah zu sein. Das war schon etwas ganz Besonderes“, bemerkte der 35-jährige Sänger.

Ein schönes Erlebnis

Neben den Hightex-Beschäftigten, die für das Konzert ihre Schicht unterbrochen hatten, waren auch Mitarbeiter von zu Hause gekommen, die in Kurzarbeit waren. „Ein schönes Erlebnis in dieser schwierigen Zeit. Das hat aufgemuntert, große Freude gemacht“, sagten die Stickerinnen Diana Haagen und Kerstin Ellmer. Auch weitere Kolleginnen sprachen sich anerkennend über diese Überraschung der Geschäftsleitung des Unternehmens aus, denn diese hatte die Idee zu dieser Veranstaltung und hatte sich beim MDR für ihr Team beworben. Anita Cholemski, die Schichtleiterin im Bereich Raumfahrt ist, meinte: „So ein musikalisches Dankeschön kommt nicht nur in kultureller Hinsicht an, es ist  zugleich auch ein Ausdruck, dass wir alle gemeinsam bei Hightex zusammenstehen, um diese schwierige Zeit zu überbrücken.“ Auch freute sich die 35-Jährige aus Wilsdruff, dass sie wie andere der Hightex-Beschäftigten gleichzeitig erstmals auch die Gelegenheit hatte, die neue Produktionshalle in Augenschein zu nehmen. 

Ende Juli soll Bau fertig sein

Denn allen Corona-Widrigkeiten zum Trotz: Die Hightex Verstärkungsstrukturen GmbH will ihre Erfolgsgeschichte weiterschreiben. Ende Juli 2020 soll der Neubau dieser weiteren modernen Fertigungshalle mit 3 500 Quadratmetern Produktionsfläche und einem etwa 500 Quadratmeter großen Büro- und Sozialbereich im Gewerbegebiet Klipphausen fertig sein. Über 5,5 Millionen Euro wird der neue Komplex kosten, der im Hightex-Firmengelände in Richtung Autobahn entsteht, verbunden mit weiteren Investitionen für Maschinen und Ausrüstungen. Das Bauunternehmen Goldbeck Ost GmbH, Niederlassung Sachsen, das seinen Sitz ebenfalls im Gewerbegebiet Klipphausen hat, ist wieder Generalauftragnehmer für den Neubau, so wie auch für die letzte Halle, die Hightex 2015 bezogen hat. Coronabedingt wird erst Anfang September die automobile Fertigung aus der angemieteten Produktionsstätte in der Dresdner Straße 3 in Klipphausen komplett in die neuen Räumlichkeiten umziehen. Dies erfolgt unter laufender Produktion und muss gut geplant werden.  

Teile für BMW-Elektroauto

„Wir konzentrieren in dieser Halle die Fertigung von Komponenten für die Automobilindustrie“, informierte Geschäftsführerin Jeanette Scherf. So wird Hightex, das mit seinen innovativen Produkten seit Jahren ein anerkannter Serienfertiger für Technische Textile Halbzeuge in der Luft- und Raumfahrt sowie in der Automobilindustrie ist, in der neuen Produktionsstätte Strukturbauteile aus Faserverbundwerkstoffen für den Seitenrahmen des Elektroautos BMW i3 und für Folgefahrzeuge herstellen. Als Zulieferer von BMW sind das bis zu 2 000 Teile, die hier wöchentlich in Klipphausen produziert werden, eine logistische Herausforderung! Dafür gibt es im Neubau ein erweitertes modernes Lager, welches den Erfordernissen der neuen Serienfertigung entspricht. Eine weitere Produktion zur Behandlung von Kohlefasern, die sogenannte Binderei, wird ebenfalls in die neue Halle umziehen.

Bessere Arbeitsbedingungen

Der neue Hallenkomplex knüpft in bewährter Weise auch an das soziale Engagement des Unternehmens an. Schon 2014/15 errichtete Hightex eine 2 000 Quadratmeter große Halle für die Produktion von Halbzeugen für die Luft- und Raumfahrt verbunden mit einem modernen Sozialtrakt. Auch in dem neuen Betriebsteil „An der Novisol 3“ werden die etwa 20 dort tätigen Mitarbeiter gute Arbeitsbedingungen vorfinden. So freuen sich die Mitarbeiter/innen der neuen Binderei schon auf die größeren und hellen und vor allem verbesserten klimatischen Räume. Ein großer freundlicher Aufenthaltsraum einschließlich Küche mit einem tollen Ausblick vom Balkon gehört ebenfalls zum Sozialbereich. Und auch für Kraftfahrer wird es ein Vorteil sein, dass die neue Halle umfahren werden kann und eine Laderampe besitzt, die sich in Höhe der Lkw-Bordwand befindet und so Ent- und Beladung erleichtert.

Wenn alles klappt, wird spätestens im Oktober 2020 die volle Produktion in der neuen Fertigungsstätte laufen. „Die offizielle Einweihung der Halle ist dann im ersten Halbjahr nächsten Jahres vorgesehen“, so die 57-jährige Geschäftsführerin.

Ausfälle, Einbußen und anderes

Da werden sich sicher manche fragen: Corona und eine neue Produktionshalle, wo doch wirtschaftliche Einbußen und Liquiditätsprobleme in nicht wenigen Unternehmen in Deutschland und Europa an der Tagesordnung sind, wo Produktionsstopp und Lieferengpässe sowie Kurzarbeit und Entlassungen von Arbeitnehmern die wirtschaftliche Entwicklung bremsen. Wie passt das zusammen?

Der ungewollte Zeitgenosse Corona hinterlässt auch bei Hightex größere Spuren. Die Abläufe mussten neu organisiert werden. In zwei Abteilungen ging sechs Wochen gar nichts mehr, die Produktion ruhte, Kurzarbeit Null für viele der 65 Beschäftigten. Nun läuft die Fertigung in den einzelnen Bereichen langsam wieder an. Hightex fertigt zum Beispiel neben Teilen für den BMW i3 in seinem anderen Bereich Luftfahrt textile Kohlefaser-Halbzeuge für Fensterrahmen und Fußbodenstrukturen für das Langstreckenflugzeug Airbus A 350 oder auch in seiner Abteilung für die internationale Raumfahrtindustrie Halbzeuge zur Fertigung von Segmenten für die neue europäische Trägerrakete Ariane 6. Gerade der Bereich Luftfahrt gestaltet sich derzeit schwierig. Jeanette Scherf: „Leider können wir nicht in eine Glaskugel schauen, um zu erkennen, wie sich die wirtschaftliche Gesamtsituation in der Perspektive darstellt. Aber machbar ist, mit den Partnern nach neuen Lösungen zu suchen, neue Aufträge zu akquirieren und das Wichtigste: Zuversicht zu haben und sich nicht unterkriegen zu lassen. Gemeinsam werden wir schon diese schwierige Phase meistern.“

Masken hergestellt

Mit gemeinsam meint die Geschäftsführerin vor allem auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Hightex: „Wir haben ein tolles Team, das mitzieht und engagiert zum Unternehmen steht.“ Ob Kurzarbeit, Home-Office oder die Betreuung von Kindern – auch für viele der Hightex-Beschäftigten war es in den vergangenen Wochen nicht leicht, den Alltag zu bewältigen. Doch sie gaben ihr Bestes, kamen kurzfristig aus der Kurzarbeit zurück, als zum Beispiel auf dem Mehrlagencutter insgesamt 200 000 Mundschutzmasken zuzuschneiden waren, die dann von der Stadt Dresden verteilt wurden. „Es war ein gemeinsames Projekt mit der Dresdner Gardinen- und Spitzenmanufaktur GmbH, die auch den Stoff lieferte“, sagte Geschäftsführer Dr. Dirk Feltin. In einer weiteren Aktion wurden hausintern von Mitarbeiterinnen Masken in verschiedenen Größen genäht, so dass vor der Maskenpflicht alle Beschäftigten für sich und ihre Familienangehörigen Masken hatten.

Kurzarbeitergeld aufgestockt

Jeanette Scherf: „In den vergangenen Jahren haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Job großartig gemacht. Das war mit Grundlage, dass sich unser Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich entwickeln und erweitern konnte. Als Geschäftsleitung schätzen wir das sehr und wollen deshalb in dieser gegenwärtigen schwierigen Zeit als Dankeschön der Belegschaft etwas zurückgeben.“ So stockt das Unternehmen Hightex das staatliche Kurzarbeitergeld auf 80 Prozent netto auf. Die monatlichen Mehrausgaben des Betriebes betragen dafür zwischen 8 000 und 10 000 Euro.

Dank auch an Bauleute

Hightex hat sich mit seinen Hightech-Produkten, die zuverlässig und in hoher Qualität geliefert werden sowie seinem Know-how, das Weltspitze ist, in den vergangenen Jahren in verschiedenen Märkten etabliert. Das gewährleistet wirtschaftliche Stabilität und Zukunftschancen. In den letzten beiden Jahren lag der jährliche Umsatz bei sieben Millionen Euro, wie der Hightex-Geschäftsführer, Dr. Dirk Feltin, sagte. Die neue Produktionshalle „An der Novisol 3“ ist auch ein Zeichen dieser soliden Entwicklung. Die Corona-Krise setzt jetzt zwar Dämpfer, doch das Unternehmen will gewappnet sein, wenn der wirtschaftliche Aufschwung wieder Fahrt aufnimmt. Auf der Basis stetiger Entwicklungen sind neue Aufträge in Vorbereitung. Das Unternehmen hält sich hier verständlicherweise bedeckt, aber sicher wird es wieder um innovative Lösungen gehen. „Wir haben in der Geschäftsleitung und mit unseren Partnern in Forschungseinrichtungen schon weitere Ideen und Lösungsansätze, wo im Leichtbau Faserwerkstoffe eingesetzt und in Serie gefertigt werden können“, bemerkte Dr. Dirk Feltin.     

Zum Schluss möchte Hightex noch ein weiteres Dankeschön aussprechen, und zwar an das Sächsische  Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr sowie an die Wirtschaftsförderung Sachsen, die auch den Bau der neuen Produktionsstätte mit Fördermitteln unterstützten. „Und unser Dank gilt auch den Bauleuten von Goldbeck für die qualitäts- und termingerechte Bauausführung“, sagte Hightex-Geschäftsführer Dr. Dirk Feltin.   

Text: Dieter Hanke, Fotos: Hightex / Hanke, 29.06.2020