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Stoppomat ging in Flammen auf

Die Zeitmessanlage für Freizeitsportler wurde am Zielpunkt in Kleinschönberg von Vandalen brutal vernichtet. 20 000 Euro Schaden  

„So eine Zerstörung. Das ist brutaler Vandalismus. Geschaffene Werte werden missachtet, den Bürgern wird Freude genommen.“ Rolf Baum, Abteilungsleiter Radsport beim SV Elbland Coswig-Meißen, redet sich in Rage. In der Nacht vom 6. zum 7. Juli haben bislang Unbekannte den Stoppomaten an der Bergstation in der Nähe des Hartsteinwerkes in Kleinschönberg völlig zerstört. Sie legten Feuer, zertrümmerten Geräte und Anlagen. Zurück blieben verkohlte Balken und Asche, Reste von Solarzellen und weiterer Teile der Technik. Die Funkuhr, die den Sportlern exakt ausweist, in welcher Zeit sie die 4 520 Meter lange Bergstrecke vom Start in Constappel bis zum Ziel in Kleinschönberg bewältigt haben, ist hinüber. „Es entstand insgesamt ein Schaden von 20 000 Euro“, bemerkt der 66-jährige Radsportler, der bis Mitte vorigen Jahres auch Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Meißen war.

Traurig sind die Radsportfreunde vom SV Elbland auch darüber, dass ihr großes Engagement für diese Zeitmessanlage, die in den vergangenen Jahren nicht nur von Radlern, sondern auch von vielen Skatern, Handbikern, Nordic Walkern, Laufsportlern und Wanderern rege genutzt wurde, auf diese Weise ein jähes Ende fand. „Wir sind fassungslos“, sagt Rolf Baum. Verbittert haben die Vereinsmitglieder nun die Überbleibsel des Feuers beseitigt. Haben die Rowdys mal nachgedacht, was sie mit ihrer Brutalität den ehrenamtlichen Helfern und Radsportlern dieses Vereins eigentlich angetan haben? Wer kann so was den Menschen antun?“

Bauhof engagierte sich

Auch der Bauhof der Gemeinde Klipphausen ist tiefbetrübt. 2009 hatte der SV Elband Coswig-Meißen gemeinsam mit der Gemeinde Klipphausen den Stoppomaten aufgestellt. So errichtete damals der Bauhof die beiden Schutzhäuschen an der Tal- und Bergstation, schuf später am Bergziel dieser Zeitfahrstrecke Constappel-Kleinschönberg noch einen Rastplatz, wo die Leute einen schönen Ausblick auf das Elbtal haben. Zusammen mit den Sportlern hatte sich der Klipphausener Bauhof in allen den Jahren um den Erhalt dieser Zeitmessanlage bemüht, wartete die Holzstände. Auch der Bauhof Meißen brachte sich hier mit ein. „In vergangener Zeit kam es immer wieder mal vor, dass die Anlage von Unbekannten beschädigt oder beschmiert wurde. Aber diese jetzige Zerstörung ist unbeschreiblich“, bemerkt Andreas Uhlmann, Leiter des Bauhofes der Gemeinde Klipphausen.

Der SV Elbland Coswig-Meißen hat eine Anzeige bei der Polizei aufgegeben. „Viel Hoffnung, dass diese kriminellen Handlungen aufgeklärt werden, haben wir aber nicht. Das haben ähnliche Ereignisse in der Vergangenheit gezeigt“, meint Rolf Baum. Bereits 2013 war der Stoppomat in Kleinschönberg von Rowdys ebenfalls erheblich zerstört worden. Mehrere Tausende Euro an Schaden entstand. Auch die Sitzgelegenheiten wurden damals verwüstet.

Nun das Aus für die Anlage?

Mit dieser erneuten brutalen Vernichtung der Zielanlage in Kleinschönberg ist nun offenbar das Aus des Stoppomaten in der Gemeinde Klipphausen gekommen. „Wir werden wohl diese Anlage nicht wieder neu aufbauen“ bemerkt der Abteilungsleiter Radsport. Da spielen nicht nur die Kosten eine Rolle, auch Bedenken, dass dieser Zeitmesser, der sich am Zielpunkt außerhalb von Ortschaften befindet, dann erneut zerstört wird, ist dafür ein Argument. Auch die Tatsache, dass Freizeitsportler heutzutage noch andere und vielleicht auch effektivere Möglichkeiten zur Messung ihrer sportlichen Leistungen haben, wie zum Beispiel Armbanduhren, Smartphones und weitere Geräte und wo da ein Vergleich mit anderen Gleichgesinnten eventuell über ein Internetportal möglich ist, ist in Erwägung zu ziehen.

Beliebte Zeitmess-Radroute

Der Stoppomat in der Gemeinde Klipphausen war 2009 die erste professionelle Zeitmessanlage in den neuen Bundesländern und zählte in der Folgezeit mit zu den beliebtesten und meistgenutzten Zeitmess-Radrouten in ganz Deutschland. Mit viel Liebe und Mühe hatten Sportler vom SV Elbland und die Gemeinde diese Anlage im Prinzbachtal mit dem Startpunkt in Constappel und dem Ziel in Kleinschönberg aufgebaut, die auch mit Mitteln der Meißner Sparkassenstiftung gefördert wurde. Der SV Elbland hatte vor 2009 eine solche Anlage am Bodensee getestet. Die Radsportler nahmen Kontakt mit dem Radsportverein RSV Seerose aus Friedrichshafen auf, der die Lizenz für den Stoppomaten besitzt. Die Elbländer holten so eine Anlage in die Region. Die Gemeinde Klipphausen erhoffte sich vom Stoppomaten Impulse für den Tourismus.

Zehn Minuten und weniger 

Jährlich kamen mitunter bis zu 2 000 Freizeitsportler aus ganz Deutschland - aus den Alpen, von der Küste, aus dem Ruhrgebiet, aus Mecklenburg und Sachsen. Es war eine Anlage für den Breitensport, für jedermann da und nicht in erster Linie nur für einen exklusiven Kreis von Radprofis. Die Sportler und Touristen hatten da Spaß an der Sache, konnten sich vergleichen. Die meisten Radler bewältigten die Bergpiste in zwölf bis 15 Minuten, trainierte Leute brauchten zehn Minuten und weniger. Am Starthaus in Constappel zogen die Teilnehmer eine Karte, vermerkten darauf ihren Namen und Geburtsdatum, stempelten die Startzeit darauf und legten sich dann ins Zeug. Etwa 4,5 Kilometer lang war die Strecke mit einer maximalen Steigung von 15 Prozent. 185 Höhenmeter galt es insgesamt zu bewältigen. Am Zielhaus in Kleinschönberg stempelten die Freizeitsportler die Endzeit und warfen die Karte in den Briefkasten. Sportler vom SV Elbland registrierten dann die Karten der Teilnehmer und stellten die Daten mit einer Rangliste ins Netz. Es gab auch eine Einordnung nach Altersklassen.

Täter endlich fassen

Auch für den Tourismus in Klipphausen ist nun diese erneute beispiellose Gewaltanwendung am Stoppomaten ein herber Rückschlag. Nicht nur der SV Elbland hofft nun, dass in einigen Monaten nicht ein Brief von der Staatsanwalt kommt, dass die Ermittlungen ergebnislos eingestellt wurden. Die Täter, die schon oft an diesem Platz in der Nähe des Hartsteinwerkes randalierten, sollten endlich von der Polizei gefasst werden und ihre gerechte Strafe erhalten. Das Maß ist voll. Bürger der Gemeinde und Sportler vom SV Elbland Coswig-Meißen und aus ganz Deutschland erwarten das.

Text: Dieter Hanke, Fotos: SV Elbland/Hanke, 24.07.2020