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Auch die „Ausspanne“ in Sora traf es hart

Erhebliche Einbußen, da Tagungen, Übernachtungen von Gästen und Familienfeiern weitgehend ausblieben.

Dem Gasthof und Landhotel „Zur Ausspanne“ in Sora geht es nicht besser als dem Hotel im Gut Wildberg oder anderen Einrichtungen in Dresden und Umgebung: Seit Mitte März bis Anfang Mai zu, Stornierungen bis weit in den Oktober hinein. „Gravierende Einbußen“, sagt Volkmar Piontkowsky. Der 69-Jährige ist zwar im Ruhestand, doch er managt noch vieles in diesem bekannten Landhotel an der S 177 unweit dem Autobahnanschluss A 4 in Wilsdruff, wo seine Frau Ilona (58) Eigentümerin ist. Ob Bedienen, Aufräumen, Buchhaltung, Kunden-Service oder andere Arbeiten – Volkmar Piontkowsky als Rentner packt mit zu, wie er es in seinem ganzen Leben gewohnt war. „Wir gehen zwar nicht Pleite, haben finanzielle Rücklagen, doch als Gastwirt und Hotelier schmerzt es schon, wie die vergangenen Monate verlaufen sind. Denn das Hauptgeschäft und damit auch die wesentlichen Einnahmen dieser Einrichtung sind nicht die Gaststätte, sondern Tagungen, Konferenzen, Übernachtungen, Familienfeiern und anderes.

Buchungen noch verhalten

„Wir hatten Stornierungen über Stornierungen. Das hat weh getan“, sagt Volkmar Piontkowsky. Aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland kamen die Absagen, von Unternehmen, Organisationen und weiteren Gemeinschaften. Auch viele Hochzeits-, Geburtstags- und andere Familienfeiern wurden storniert. Die 30 Zimmer des Landhotels blieben weitgehend leer. „Auch jetzt sind die Buchungen noch sehr verhalten“, bemerkt der Soraer. Während früher etwa 40 bis 50 Gäste täglich übernachteten, sind es jetzt nur etwa zehn bis 20. „Mit Tagungen ist wohl vor Dezember nicht zu rechnen“, meint er. Zu groß sei noch die Skepsis vor Corona und ihren Folgen. Die zwei Mitarbeiter, ein Koch und eine weitere Angestellte der Einrichtung, seien in Kurzarbeit. „Uns hat auch der Zuschuss vom Freistaat von 9 000 Euro geholfen, um wenigstens einen Teil der Fixkosten der Einrichtung wie Wasser, Strom, Gas, Versicherungen und andere Dinge zu begleichen“, bemerkt Volkmar Piontkowsky. Andererseits ärgert er sich darüber, dass zwar die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer generell für die Gäste eine gute Sache sei, aber bei den wenigen Übernachtungen und dem ganzen bürokratischen Aufwand wie der Umstellung der Kasse und dem Hotel-Computerprogramm und der absehbaren Rücknahme des Ganzen sei der finanzielle Aufwand für seine Einrichtung enorm. „Das geht in die Tausende Euro“, sagt er.

Einen guten Ruf

Volkmar Piontkowsky freut sich, dass jetzt wenigstens wieder mehr Familienfeiern gebucht werden. Denn die „Ausspanne“ hat einen exzellenten Ruf. „Wir halten nichts von Fertiggerichten, kochen frisch, bieten vor allem auch saisonale Gerichte an“, sagt der 69-Jährige. Das hat sich in den Jahren herumgesprochen. Natürlich trägt auch die hervorragende logistische Lage der Einrichtung unweit der A 4 dazu bei, dass dieses Landhotel zu normalen Zeiten gut gebucht ist. Aber vor allem auch die gute Küche, die moderne Einrichtung, mehrere Tagungsräume, der schöne Gästegarten mit den vielen Pflanzen, das vor einiger Zeit neu gestaltete Restaurant, die anheimelnde Kutscherstube und das historische Flair sind Vorzüge, die die Gäste schätzen. Und Volkmar Piontkowsky sagt auch ganz klar: „Der erfolgreichen Entwicklung der Gemeinde Klipphausen mit den Gewerbegebieten und der soliden Infrastruktur haben wir es mit zu verdanken, dass unsere Einrichtung sich ebenfalls gut entwickeln konnte.“ Denn die Mehrzahl der Übernachtungsgäste seien nicht Touristen, die Sehenswürdigkeiten in Dresden und Umgebung kennenlernen wollen, sondern Geschäftsreisende, Monteure und weitere Gäste aus Wirtschaft und weiteren Bereichen. So buchen zum Beispiel auch nicht wenige Personen aus ganz Deutschland, die regelmäßig Kontakt zu Unternehmen in den Gewerbegebieten Klipphausen und Röhrsdorf haben, ihre Übernachtungen in der „Ausspanne“.

Reservierungen sind nötig

Seit geraumer Zeit ist das Restaurant täglich nicht mehr geöffnet. Tagesgäste haben da schlechte Karten. „Wir bewirten unsere Gäste auf Vorbestellung. Da gibt es keine Abstriche“, sagt Volkmar Piontkowsky. Das habe verschiedene Gründe. So werde es einmal immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden. Auch möchten die Wirtsleute nach so langer Zeit ihrer Tätigkeit in der Gaststätten- und Hotelbranche, die ihnen auch viel Kraft gekostet hat, etwas kürzer treten. „In zwei Jahren, so denken wir, wollen wir Hotel und Gaststätte an Jüngere übergeben“, meint der Soraer, der zwei Söhne und mehrere Enkel hat und in seiner Freizeit gern Tennis und Golf spielt.

Gartenbaubetrieb und Waldhotel

Da hoffen seine Frau und er natürlich, dass ihr Sohn Christoph (39), der Küchenchef bei einem großen Unternehmen in München ist, mit seiner Familie nach Sora kommt und die „Ausspanne“ übernimmt. „Eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen“, sagt Volkmar Piontkowsky. Er sei sich mit seiner Frau aber einig, dass es nun für sie Zeit sei, in einen neuen Lebensabschnitt zu treten, der nicht so turbulent, herausfordernd und arbeitsintensiv sei wie die vergangenen Jahrzehnte. Da hat Volkmar Piontkowsky in seinem Leben vieles erlebt. So als er Koch im sogenannten „Hoppe-Keller“ im Bahnhof Dresden-Neustadt gelernt hat, dann auch als Koch im Dresdner Kulturpalast arbeitete, als er 1979 mit seiner Frau, die im Frühgemüsezentrum Dresden Gärtnerin gelernt hatte, einen Gartenbaubetrieb in Coswig kaufte und 2 000 Quadratmeter unter Glas bewirtschaftete und wo seine angebauten Gurken bis ins Grand-Hotel Berlin und dem Oberhofer Panorama geliefert wurden. Oder als er kurz nach der Wende das große Waldhotel in Weinböhla mit seinen 116 Zimmern und den Tennishallen baute und mit seiner Frau viele Jahre betrieb, als er 1999 die „Ausspanne“ in Sora aus einer Zwangsvollstreckung heraus erwarb und dort alles modernisierte und 2005 nach dem Verkauf des Waldhotels in Weinböhla mit seiner Frau nach Sora zog, wo sie seitdem in einem Anbau an dieser Gaststätte wohnen.

„Unser Landhotel und unsere Gaststätte sollen weiterhin eine gute Zukunft haben“, sagt Volkmar Piontkowsky. Das ist gut so, denn diese Einrichtung hat eine jahrhundertelange Tradition, wurde schon im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Napoleons Truppen machten hier Anfang des 19. Jahrhunderts mehrfach Station, und zu DDR-Zeiten füllte Wirt und Entertainer Kumpfe, dessen betriebswirtschaftlichen Kenntnisse in der Gastronomie nach der Wende leider nicht mehr ausreichten, volle Säle.

Text und Fotos: Dieter Hanke, 29.07.2020