Wanderslust auf reizvollen Wegen

Die Wanderwegewarte Rainer Passek und Manfred Wendel haben das Streckennetz in den linkselbischen Tälern schon gut ausgeschildert.

Von Pinkowitz bis Dresden-Loschwitz mit dem Rad zu fahren, ist schon eine sportliche Herausforderung. Rainer Passek macht das täglich. Denn es ist sein Arbeitsweg zur Schiller-Oberschule, wo er seit vielen Jahren Lehrer für Geschichte sowie Wirtschaft-Technik-Hauswirtschaftslehre ist. Eine Stunde und zehn Minuten braucht er für eine Strecke. „Ich bin in der Natur, halte mich fit“, meint Rainer Passek, der Anfang August 62 Jahre alt wird. Seit 2013 ist er Wanderwegewart im linkselbischen Gebiet in der Gemeinde Klipphausen, gemeinsam mit Manfred Wendel aus Constappel, der als Elektromechaniker und Monteur beim Druckmaschinenwerk in Radebeul viel in der Welt herumgekommen ist. „Jetzt stehen aber die linkselbischen Täler im Vordergrund. Unsere Gegend ist wunderschön, eine reizvolle Natur“, bemerkt der 70-Jährige. Beide Wanderwegewarte eint das Bestreben, mit anderen Menschen diese Freude zu teilen und vor allem auch diese Landschaft zu bewahren.

Über zehn Rundwanderwege

Weit über 100 Kilometer umfasst das Wegenetz, das die beiden engagierten Männer betreuen. Mehr als zehn Rundwanderwege gibt es. Ihr Wandergebiet erstreckt sich vom Tännichtgrund bei Oberwartha und dem Kleditzschgrund von Wildberg nach Weistropp über weitere Täler wie dem Prinzbachtal, dem Saubachtal und Regenbachtal, dazu kommen der Eichhörnchengrund, der Elbtalleitenweg bis zur Rehbockschänke, das Kleine Triebischtal und auch der Gebietswanderweg, der zur Baeyerhöhe, mit 320,5 Metern die höchste Erhebung im Landkreis Meißen, führt. Auch mehrere Quertäler wie unter anderem die Wolfsschlucht in Scharfenberg und noch weitere Strecken gehören zum Gebiet der beiden Wanderwegewarte. Hier schauen sie nach dem Rechten, prüfen, ob die Wege noch in Ordnung sind, ob Sturm oder Starkregen die Strecken in Mitleidenschaft gezogen haben, ob große Äste herabgefallen sind, Bäume entwurzelt oder starker Bewuchs das Wandern erschwert. Und sie schauen auch, ob bei den Wegweisern noch alles stimmt.

Erfinderisch gehandelt

Gerade bei der Ausschilderung der Wanderrouten in den linkselbischen Tälern haben Rainer Passek und Manfred Wendel in den vergangenen Jahren Beachtliches geleistet. „Uns gefielen nicht mehr die alten Schilder aus Holz und Plaste, die teilweise schon angefault oder zersprungen waren. Auch etliche Holzpfosten waren marode, Wegweiser standen schief. Da musste was passieren“, sagen beide. Und es passierte was. Manfred Wendel war der Tüftler, und die beiden Männer fanden dann eine Lösung, die sich nun sehr bewährt. Statt der früheren Holzpfosten wurden nun für die Wegweiser verzinkte Metallrohre genommen, statt der einstigen Eisendorne in der Erde, in denen die Schilder steckten, gibt es nun Betonfundamente. Die Schilder, mit Schellen an das Rohr montiert, sind jetzt aus Aluminium, haben eine Plastebeschichtung. Der Nutzen: Das Ganze ist pflegeleicht, länger haltbar, die Schilder jederzeit auswechselbar und sie sehen auch besser aus. Manfred Wendel ist da ganz der Handwerker: „Die Schrauben müssen aus Edelstahl sein, schließlich sollen diese nicht rosten.“

Dank an ihre Mitstreiter

Mitunter müssen sie bei ihren Aktionen da auch mit der Schubkarre anrücken, denn auch Spitzhacke, Schaufel und Materialien für die Betonfundamente müssen an Ort und Stelle gebracht werden. „Der Bauhof der Gemeinde unterstützt uns sehr, wir arbeiten eng zusammen“, sagen sie. Und ein Dankeschön möchten sie auch dem Unternehmen Werbedesign Dachsel in Riemsdorf sagen, das die Schilder anfertigt. Die Angaben dazu liefern die beiden Wanderwegewarte. Das Geoportal hilft dabei, dass die Kilometerangaben stimmen.

Etwa zu 80 Prozent im gesamten Wandergebiet wurden von ihnen die Schilder schon ausgewechselt. Sie haben ein klares Programm, was noch zu tun ist. Zum Beispiel im Bereich Kettewitz, Polenz und Weitzschen gibt es noch einiges zu tun. Die beiden Wanderwegewarte sind da auch froh, dass die Gemeinde Klipphausen die finanziellen Voraussetzungen schafft, um das Wegenetz zu modernisieren und damit auch bessere Voraussetzungen für den Tourismus zu schaffen. Sie freuen sich, dass sie demnächst von der Gemeinde eine elektrische Heckenschere erhalten, um damit schneller wuchernden Wildwuchs an den Wanderwegen zu beseitigen. „Es ist unser Bestreben, dass viele Wanderer und hier vielleicht auch noch mehr Bürger aus unserer Gemeinde die Schönheiten unserer Heimat entdecken und dabei Freude und Erholung haben“, sagen Rainer Passek und Manfred Wendel. Dabei werden von ihnen nicht nur die bekannten Routen neu ausgeschildert, sondern auch Wege, die vielleicht etwas abseits liegen, aber nicht minder reizvoll sind und neue Sichten zeigen. In der Perspektive wollen sie noch an markanten Punkten Orientierungstafeln aufstellen, unter anderem mit Hinweisen zu Sehenswürdigkeiten und Infos zu historischen Details. Die beiden Wanderwegewarte haben für ihre Tätigkeit aber einen Wunsch. Es wäre schön, wenn sich Bürger, die an den Wanderwegen wohnen, bereit erklären, für Wegweiser eine Patenschaft zu übernehmen und so ab und zu diese mit einem Lappen saubermachen.   

Wissen um Geschichte und Kultur

Die Gemeinde Klipphausen hat mit diesen beiden Wanderwegewarten einen guten Griff getan. Handwerklich versiert sind sie allemal, auch mit den linkselbischen Tälern und ihrer Geschichte und Kultur eng verbunden, und sie eint die Liebe zur Natur. Manfred Wendel, verheiratet, zwei Kinder, ist in Nieder- und Oberwartha aufgewachsen, geprägt wurde er da auch von der einstigen Kulturbund-Ortsgruppe, die dort der damalige Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Professor Dr. Bachmann, geleitet hat. „Wir hatten viele kulturelle Erlebnisse bei Veranstaltungen und Exkursionen, auch Wissen um die Geschichte unserer Region wurde uns vermittelt. Das alles hat mein Leben mit beeinflusst, und ich möchte jetzt als Wanderwegewart den Menschen etwas zurückgeben“, bemerkt er.

Rainer Passek, verheiratet, drei Kinder, wuchs in Dresden auf. An der Kreuzschule machte er sein Abitur, studierte an der Pädagogischen Hochschule und erwarb den Abschluss als Diplom-Lehrer. Danach unterrichtete er an mehreren Schulen, zog 2000 mit seiner Familie von Dresden nach Pinkowitz, wo er in einem sanierten historischen Gutshof wohnt. „Die Stille, der weite Blick auf das Elbtal, auf das Spitzhaus in Radebeul, die abwechslungsreiche Landschaft – das alles fasziniert mich. Ich möchte mit beitragen, dass viele Wanderer auf ihren Routen in unserer schönen Gegend ebensolche Freude finden wie ich“, sagt er. Da hat er auch im Gedächtnis einen Spruch, den er mal gelesen hat: „Je weiter der Blick, desto freier das Herz“. 

Wenn sie nicht gemeinsam als Wegewarte für ein besseres Wandernetz sorgen, haben sie natürlich noch andere Freizeitinteressen. Da sind ihre Kinder, die Enkel, der Garten, Bücher und anderes. Manfred Wendel ist ein passionierter Angler. Vor kurzem hat er aus dem Stausee Oberwartha zwei Spiegelkarpfen an Land gezogen. Rainer Passek ist dagegen ein Radfan, kletterte früher auch in der Sächsischen Schweiz.

Zwei Wandervorschläge

Beiden fiel es schwer, hier einen Wandervorschlag auszuwählen. „Jede Tour hat ihre Reize und Sehenswürdigkeiten.“ Da nennen sie den malerischen Tännichtgrund mit seinem schroffen Verlauf, in Weistropp, von Wildberg kommend, Schloss, Park und Kirche. Im Prinzbachtal ist das Steinbrecherhaus interessant, das jetzt Fledermausquartier ist, im Saubachtal die Neudeckmühle oder der Literaturweg, im Regenbachtal gibt es eine schöne Steinbogenbrücke, im Eichhörnchengrund die deutschlandweit bekannte Miniaturmühle, am Elbleitenweg ist das Totenhäuschen sehenswert oder im Triebischtal die Baeyerhöhe mit der herrlichen Fernsicht.

Schließlich gab es einen Kompromiss: Zwei Wandervorschläge wurden ausgewählt, aber mit dem Hinweis darauf, dass es wert sei, in loser Folge in den Amtsblättern noch weitere Wandervorschläge zu veröffentlichen. Dem soll gemeinsam mit den Wanderwegewarten nachgekommen werden.

Zur ersten Wandervariante: Rundweg, Grüner Strich, von Constappel durchs Saubachtal nach Klipphausen zum Schloss (Literaturweg), den Kirchweg nach Röhrsdorf, dann durchs Regenbachtal (Blauer Punkt) zurück nach Constappel zum Wanderparkplatz am Sportplatz. Länge etwa zwölf Kilometer, gut begehbar.

Und die zweite Variante:  Rundweg, Blauer Punkt, vom Wanderparkplatz in der Nähe des Gauernitzer Schlosses an der B 6 durch den Eichhörnchengrund. Dann entweder über Scharfenberg/Windmühle Pegenau, Schloss Scharfenberg und weiter zum Elberadweg, wo es zurück nach Gauernitz geht. Oder man wandert aus dem Eichhörnchengrund raus, durch die Gävernitze und nach Röhrsdorf, dann durch das Regenbachtal über Constappel nach Gauernitz zurück. Bei beiden Touren sind es etwas über zehn Kilometer.

 Text und Fotos: Dieter Hanke, 30.07.2020