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Begeistert für Hochprozentiges und Hochwertiges

Die Meissener Spezialitätenbrennerei Prinz zur Lippe in Reichenbach stellt Brände, Geiste und Liköre her, die in Deutschland und dem Ausland gefragt sind.

Siegbert Hennigs Credo ist, „so viel Spaß wie möglich in jede handversiegelte Flasche zu füllen“. Der 60-jährige Destillateurmeister und Geschäftsführer der Meissener SpezialitBrennerei2ätenbrennerei Prinz zur Lippe stellt seit 1998 in Reichenbach in der Gemeinde Klipphausen Brände, Geiste und Liköre her, die in ganz Deutschland und im Ausland Liebhaber gefunden haben. Aus handgepflücktem gesundem Obst mit viel eigenem Fruchtzucker und vielfältigen Aromen entstehen in dieser Manufaktur Spitzenprodukte der traditionsreichen Brennereikunst. In Hotels, Gaststätten, aber zum Beispiel auch in der Perfetto Karstadt Feinkost-Filiale in Dresden werden die edlen Tropfen offeriert. „Wir vermarkten unsere Erzeugnisse selbst“, sagt Siegbert Hennig. So sind die feinen Köstlichkeiten direkt vor Ort in der Manufaktur in Reichenbach, im Online-Shop oder in der Vinothek des Weingutes Schloss Proschwitz in Zadel erhältlich.

Es gibt auch Bierbrand

Das Sortiment ist breit. Ob nun solche klassischen Sachen wie unter anderem Meissener Apfelbrand, Williamsbirnenbrand und Himbeergeist oder auch Marillen-, Quitten- und Traubenbrände, Himbeerlikör und Weinbergspfirsichlikör oder Schlehen-, Walnuss- und Himbeergeist – Meister Siegbert Hennig ist emsig bei der Sache und probiert oft auch Neues aus. So produzierte die Reichenbacher Manufaktur vor Jahren den ersten sächsischen Whisky. Auch Bierbrand wird hergestellt, und zwar destilliert der Meister hier Bennator-Bockbier aus der Meißner Privatbrauerei Schwerter. Und zusammen mit Jörg Fiedler von der Independent Spirit Dresden GmbH entwickelte Siegbert Hennig den London Dry Gin „Juniper Jack“, ein exzellenter Wachholdergeist.

1998 Manufaktur gegründet

Erfahrungen und Können des 60-jährigen Meisters sind da vor allem ausschlaggebend. Siegbert Hennig wurde in Meißen geboren und wuchs in Freital auf. Dort machte er auch sein Abitur und studierte von 1980 bis 1983 an der Ingenieurschule für Lebensmittelindustrie Dippoldiswalde, wo er den Abschluss als diplomierter Lebensmitteltechnologe erwarb. Danach arbeitet er bis kurz nach der Wende im Bereich Verfahrenstechnik an dieser Schule und später in Unternehmen der Lebensmittelbranche. 1998 machte sich Siegbert Hennig selbstständig. Zusammen mit Dr. Georg Prinz zur Lippe-Weißenfeld gründete er die Meissener Spezialitätenbrennerei Prinz zur Lippe und wurde geschäftsführender Gesellschafter. In ehemals landwirtschaflich genutzten Gebäuden in Reichenbach wurde die Manufaktur aufgebaut.

Sorgen bei Obstmengen

Mittlerweile sind nun über 20 Jahre vergangen. Das Unternehmen steht wirtschaftlich solide da, hat drei Teilzeitbeschäftigte. Doch Sorgen machen dem Meister, dass es immer schwieriger wird, in der Region vollreifes Obst in bester Qualität und in ausreicBrennerei1hender Menge bei bestimmten Sorten zu erhalten. „Oftmals sind es nur kleinere Chargen, die angeboten werden, es fehlen Kräfte zum Pflücken“, so Siegbert Hennig. Auch witterungsbedingte Einbußen der Obstbauern machen sich da negativ bemerkbar. Bei Äpfeln gab es zum Beispiel beim Unternehmen Obstland Dürrweitzschen erhebliche Ertragsausfälle. Immer mehr muss er da auf Angebote aus den alten Bundesländern oder dem Ausland zurückgreifen. So benötigt die Manufaktur etwa 20 t an Äpfeln im Jahr. An die 60 Prozent davon stammen schon aus den westlichen Bundesländern, weil aus der Region die erforderlichen Menge an ausgewählten Sorten nicht mehr zu erhalten ist. Auch Birnen wie Clapps Liebling oder Gellerts Butterbirne, die früher aus der Region bezogen wurden, kommen nun nicht mehr von hier.

Vielfalt im Bukett

Insgesamt an die 100 t Obst verarbeitet die Manufaktur im Jahr. Zehn bis 15 t Quitten werden von Obstbauern aus der Region geliefert, bei Birnen sind es an die 40 t, die benötigt werden. Ein Teil davon kommt noch aus Sachsen. Schlehen (drei Tonnen) werden aus Bulgarien bezogen, Aprikosen aus Südfrankreich (eine Tonne), Walnüsse aus Frankreich. Trauben stammen teilweise von hier.

Für Siegbert Hennig ist wichtig, dass nur gesundes, gut ausgereiftes Obst verwendet wird. „Denn nur aus bestem Ausgangsmaterial können in der Brennerei hohe Güte und Vielfalt im Bukett der Produkte entstehen“, sagt der Meister. Unreifes Obst wird da nicht verwendet. Seit jeher hat sich Siegbert Hennig auch für alte und seltene Obstsorten eingesetzt, um einmal die Natur in der Region zu bereichern und zum anderen auch mehr Nuancen und Geschmacksreichtum in den Produkten der Brennerei zu haben. Ein Beispiel ist da die wiederentdeckte Süßkirschsorte „Franzens Wilde“, die vom Gut Gödelitz bezogen wird.

Kleiner Bruder vom Whisky

Das zerkleinerte Obst wird in den Maischebehältern mit speziellen Hefen versetzt. Diese vergären dort Fruchtzucker zu Alkohol, der dann durch Erhitzen in einer kupfernen Brennblase gewonnen wird. In Edelstahltanks, Holzfässern oder anderen Gefäßen reift dann das junge Destillat. Alles ein langwieriger Prozess, ehe dann nach genauer Analyse und Verkostung das Ganze filtriert und in Flaschen abgefüllt und versiegelt wird.

Viel eigener Fruchtzucker im Obst ist da wichtig für die einzelnen Produkte. Das ist natürlich unterschiedlich. So werden zum Beispiel aus 100 kg Himbeeren zwei Liter Alkohol gewonnen, aus ErdbeerBrennereien 2,5 bis drei Liter, bei Äpfeln sind es 3,6 bis vier Liter und aus Birnen 3,4 bis 3,8 Liter. Fünf Liter frisches Bennator-Bockbier werden benötigt, um einen halben Liter Bierbrand herzustellen, der 42 Prozent Alkoholgehalt hat, etwas süßlich und malzaromatisch schmeckt. Der kleine Bruder vom Whisky wird dieses Erzeugnis auch genannt.

Die Corona-Krise hat auch bei dieser Brennerei für Einbußen gesorgt. Siegbert Hennig: „Der Umsatz bei Handel und Gastronomie lag da drei Monate bei Null. Die Bestellungen im Internet-Shop und im direkten Vertrieb hielten sich in Grenzen. Der Aufwand aber nicht. Die Reduzierung der Umsatzsteuer für ein halbes Jahr verursacht immense Kosten und großen Aufwand bei einem für die Brennerei fragwürdigen Ergebnis. Die in der Presse herausgestellten Umsatzzuwächse können nicht nachvollzogen werden und treffen wohl eher die Discounter. Wir blicken dennoch optimistisch in die Zukunft. Die Mitarbeiterinnen sind gesund und die Arbeitsplätze erhalten. Unsere Kunden signalisieren, dass sie auch weiterhin bewusst und mit Genuss Destillate und Liköre konsumieren werden.“

Text und Bilder: Dieter Hanke, 03.08.2020