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Freuden und Sorgen mit dem Kieswerk

Über den Abbau von Sand und Kies und Verkehrsprobleme und über die Wiederverfüllung des Tagebaus in Sönitz

Wenn vom Kieswerk in Sönitz die Rede ist, dann fallen die Reaktionen sehr unterschiedlich aus. Für Gesteinsliebhaber zum Beispiel ist Sönitz eine Fundgrube. Große Findlinge, dieSnitz3 vor mehr als 15 000 Jahren mit der Eiszeit hierher gelangten, lagern jetzt unweit vom Bürogebäude und können erworben werden. Aber auch Meißner Granit, Feuersteine und andere Gesteinsartenarten kommen beim Abbau von Kies und Sand zum Vorschien. Familien, die für ihre Kinder Sandkasten anlegen wollen, freuen sich über die hervorragende Qualität des Materials. Für Bau- und Gartenbaufirmen aus der Region ist die Sand- und Kiesgruben Sönitz GmbH ebenfalls eine gute Adresse. Anders dagegen sind die Reaktionen von Bürgern aus Taubenheim, Piskowitz und Sönitz. Sie sind erbost, dass etliche 40 t-Laster der Speditionen durch die Orte donnern, sich nicht an die Geschwindigkeits-Begrenzungen halten, Lärm und Staub verursachen. Da in diesen Orten teilweise Fußwege fehlen, sind Bürger bei den engen und kurvenreichen Straße sehr gefährdet.

 

Bohrungen für neue Lagerstätte

Das Ganze spitzte sich noch zu, als vor einiger Zeit bekannt wurde, dass das Werk, wo die Vorkommen an Kies und Sand in einigen Jahren erschöpft sind, möglicherweise eine neue Lagerstätte für den Kiesabbau angrenzend, östlich von Roitzschen, erschließen will und schon Bohrarbeiten zur Erkundung auf dem 8,5 Hektar großen Gelände stattfanden. Auch haben nicht wenige Bürger Bedenken, dass beim Wiederverfüllen der alten Kiesgrube kontaminierte Stoffe mit eingebaut werden, was die Umwelt gefährdet. Außerdem befürchten sie, dass die Ablagerungen höher als das ursprüngliche Geländeniveau ausfallen könnten. Das Areal würde dann wie ein Klotz aus der Landschaft ragen.

 

Die Baustoffe sind gefragt

Die Kiesgrube in Sönitz besteht schon seit mehr als 100 Jahren auf einer Fläche von knapp zehn Hektar und bis zu 40 Meter Tiefe. Verschiedener Kiessand wird hier abgebaut. Die Eigentümer haben im Laufe der Zeit mehrfach gewechselt. Seit 2015 betreibt die Sand- und Kiesgruben Sönitz GmbH (SKS) mit ihrem Sitz in Chemnitz diese Lagerstätte. Bauunternehmen in der Region schätzen das Sönitzer Werk. Sie nutzen dessen Kies und Sand oder auch gesiebte Muttererde für den Bau von Wohnhäusern und weiteren Gebäuden, für Straßen, Anlagen, Gewerbegebieten und den Gartenbau. Ob in Meißen, Freiberg, Dresden, Radebeul oder Riesa – die Baustoffe aus Sönitz haben einen guten Ruf. „Für den Bau der B 101- Umgehungsstraße in Krögis wurden Kies und Sand aus unserem Werk verwendet“ sagt Silke Niemand, Betriebsleiterin seit 2015. Auch für Gebäude der Bergakademie Freiberg seien Baustoffe aus Sönitz genutzt worden. Vorteil für die Bauunternehmen ist auch, dass sich die Anfahrtswege in der Region in Grenzen halten, was ihnen Kosten erspart. Über 5 000 t Sand und Kies werden durchschnittlich im Monat verkauft, wie SKS-Geschäftsführer Michael Gräßler sagt. 

 

Deponie wieder verworfen

Der ausgesandete Tagebau in Sönitz wird wieder verfüllt. Das ist gewinnträchtig für den Betrieb, vor allem Bauschutt bringt Geld. Noch vor einigen Jahren wollte deshalb nicht SKS, sondern der vorhergehende Eigentümer des Kieswerkes seinen Betriebsplan ändern und eine Deponie im mittleren Tagebaubereich anlegen. Da schrillten die Alarmglocken im Triebischtal, denn acht bis zehn Meter höher als jetzt sollte mal die geplante neue Deponie werden. Rund eine Million Abfälle hätten sich dann getürmt – Bauschutt, Glasfaserabfall, Steine, Glasverpackungen, Bodenaushub und anderes. Doch die Vorgaben der Behörden dafür sind streng, die Antragsverfahren langwierig. Unter anderem wäre auch ein umfangreiche Abdichtung und Entwässerung der geplanten Deponie nötig gewesen. Diese Investitionen rechneten sich aber nicht für das Unternehmen, es nahm Abstand von einer Deponie. Auch hatte damals das Oberbergamt Freiberg festgelegt, dass die bisher zugelassenen Schadstoffgehalte der Abfälle hier künftig nicht mehr zulässig sind. Bisher wurden Beton, Ziegel, Fliesen, Keramik und weitere Gemische in das durch den Kiessandtagebau entstehende Restloch eingebaut. Künftig sollten es nur noch sehr gering belastete mineralische Abfälle sein. Die SKS als Nacheigentümer verfüllt deshalb das Tagebau-Restloch der Kiesgrube mit Steinen, Erden und mit nicht kontaminiertem Bauschutt, dessen Menge nur noch 20 Prozent Anteil an den Verfüllmassen haben darf. Bei einer Deponie wären hier größere Mengen möglich gewesen.

 

Bergamt kontrolliert

„Wir halten uns daran, werden auch vom Oberbergamt regelmäßig kontrolliert“, sagt SKS-Geschäftsführer Michael Gräßler. Das Verfüllmaterial muss deshalb frei sein von verunreinigenden untypischen Beimengungen wie zum Beispiel Glas oder Kunststoff, Gipskarton, Dachpappe, Asbest, Gasbeton, Schornsteine oder weiteren chemisch belastenden Dingen. Grünschnitt darf ebenfalls nicht drin sein, ebenso weitere Siedlungsabfälle. Wie Betriebsleiterin Silke Niemand informiert, werden Angaben zu Herkunft, Art und Menge des Verfüllmaterials bei der Anfuhr genau registriert und längere Zeit aufbewahrt. SKS lässt auch selbst Proben des Verfüllmaterials analysieren. „Es kam auch schon vor, dass Fahrer abgewiesen wurden, weil das Verfüllmaterial nicht den Anforderungen entsprach“, bemerkt sie.

 

Noch fünf Jahre wird verfüllt

Snitz5Zwei Drittel des Tagebau-Restlochs in Sönitz auf insgesamt 10,5 Hektar sind inzwischen verfüllt, wie Michael Gräßler informiert. „Wir haben hier keine Deponie oder Halde, wir haben hier eine Kiesgrube, die wieder verfüllt und rekultiviert wird“, so der Geschäftsführer. Etwa fünf Jahre werde in Sönitz noch verfüllt. Auf gut einem Drittel sei die Endhöhe erreicht und wurden die entsprechenden Schichten eingebaut. Das bedeutet, dass auf den Ablagerungen eine Kies- und Lehmschicht eingebracht wird mit einer Höhe von etwa 60 Zentimetern, dann folgt Mutterboden (40 Zentimeter). Eine sogenannte „Anflugbegrünung“, also eine natürliche Begrünung durch die Natur bildet den Abschluss. Ein Graben soll noch ringsum um das Gelände angelegt werden, um das Oberflächenwasser abzuleiten. 

 

 Kipphöhen angezweifelt

Streitpunkt ist allerdings, was auch etliche Bürger anzweifeln, die Endhöhe der Wiederverfüllung. 216 Meter sind als höchster Punkt vom Oberbergamt festgelegt. Damit orientiert sich das Amt an historischen Karten und Angaben, wie das einstige Höhenniveau dieses Landschaftsareals einmal ausgesehen hat. Über 100 Messpunkte für die einzelnen Höhen im Gelände des Tagebaus wurden insgesamt vom Oberbergamt fixiert. „Da kann nicht geschummelt werden. Die Höhen sind exakt einzuhalten“, bemerkt der Geschäftsführer. Wenn der Eindruck bei einigen Bürgern entstehe, dass die Kipphöhen überschritten werden, könne dafür auch ein Grund sein, dass vorübergehend Lehm, Kies oder Muttererde für die Rekultivierung auf Haufen abgelagert werden, die später dann an den vorgesehenen Stellen eingebaut werden. Auch was Neigungen und Stabilität der Böschungen anbelangt, entspreche das Kieswerk den Vorgaben des Oberbergamtes im Abschlussbetriebsplan, sagt der Geschäftsführer. Drohnen der Behörden würden das Gebiet überfliegen und auch Angaben zu den Kipphöhen liefern. Allerdings gibt es da auch Sorgen von Bürgern. „Wir wollen keinen Ärger, uns geht es um einen guten Kontakt zum Kieswerk. Aber wir haben Bedenken, dass der Neigungswinkel der abgelagerten Verfüllmassen zu steil ist und bei starkem Unwetter das Ganze ins Rutschen kommen kann. Unser Haus, das nur wenige Meter davon entfernt ist, befindet sich da in Gefahr“, sagt Siegfried Bauerschäfer.

 

Verkehr nicht nur zum Werk

Stichwort Verkehr. Ungerecht sei es, wenn dem Kieswerk die ganze Verantwortung für die Probleme im Straßenverkehr in Sönitz, Piskowitz und Taubenheim zugeschoben werden, meinen die Mitarbeiter. An die 20 bis 25 Fahrzeuge seien es am Tag, die das Kieswerk Sönitz ansteuern, sagt die Betriebsleiterin. „Wir weisen die Fahrer der Speditionen regelmäßig darauf hin, dass die erlaubten Geschwindigkeiten einzuhalten sind. Wir ärgern uns selbst sehr, wenn es Verstöße gibt“, bemerkt Silke Niemand. Doch bei dieser brisanten Problematik sollte auch genannt werden, dass zahlreiche Laster von anderen Speditionen stammen und auch diese Strecken zum Beispiel als Abkürzung zur Autobahn nach Nossen nutzen. Nicht alle Ärgernisse sind also da dem Kieswerk anzulasten. Fakt ist, dass ein Ausbau der Strecken unbedingt erforderlich ist. Doch es ist eine Kreisstraße, das Landratsamt entscheidet hier, wann das passiert. Die Gemeinde Klipphausen hat schon zum wiederholten Male das Landratsamt auf die derzeitigen unhaltbaren Zustände in Taubenheim, Piskowitz und Sönitz aufmerksam gemacht. Doch ein Beginn des Ausbaus steht noch nicht fest.

 

Erweiterung noch offen

Was die mögliche Erweiterung des Kieswerkes anbelangt, ist alles noch offen. „Wir prüfen noch die Ergebnisse der Erkundungsbohrungen und auch, ob sich ein Abbau der Lagestätten finanziell rechnet“, sagt der Geschäftsführer. Ohnehin sei ein mögliches Antragsverfahren mit den entsprechenden Untersuchungen und Genehmigungen sehr langwierig. „Das kann über fünf Jahre dauern, ehe ein Entscheid feststeht“, bemerkt Michael Gräßler.Das neue Abbaugebiet auf der Seite des derzeitigen SKS-Recyclingplatzes, das etwa 8,5 Hektar groß und derzeit Acker ist, liegt vollständig im Landschaftsschutzgebiet Triebischtäler,Snitz4 und das Gelände ist im Regionalplan auch kein Vorranggebiet für den Rohstoffabbau. Auch das wird sicher von den Behörden mit ins Kalkül gezogen werden.SKS-Gesellschafter und Geschäftsführer Michael Gräßler: „Uns liegt am Herzen, dass wir einvernehmlich mit Bürgern, Gemeinderäten und Verwaltung zusammenarbeiten und Probleme gemeinsam klären. Wir halten nicht hinter dem Berg, informieren offen über unser Vorgehen.“ Der 59-jährige Chenmnitzer, der Betriebswirtschaftslehre in Leipzig studiert hat und gelernter Autoschlosser ist, hat große Erfahrungen in der Baustoffbranche und bei der Entsorgung und Verwertung von diversen Abfällen. So baute er zum Beispiel nach der Wende das Unternehmen Becker-Umweltdienste in Chemnitz auf. Seit einigen Jahren ist er selbstständiger Unternehmer und leitet Firmen in Leipzig, Greiz, Chemnitz und Sönitz.Für die wiederverfüllte Kiesgrube in Sönitz könnte sich Michael Gräßler zum Beispiel auch vorstellen, dass dort Photovoltaik-Anlagen als Bürgerkraftwerk installiert werden. „Für so ein Projekt stehe ich gern zur Verfügung“, sagt der 59-Jährige.

Text und Fotos: Dieter Hanke, 20.07.2020