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Der Umwelt zuliebe: Wasser statt Gift

Der Bauhof der Gemeinde hatte zu einer besonderen Aktion geladen: Dienstleister Steffen Kuhn führte eine Unkrautbekämpfung mit Heißwasserdampf vor

 

Der Meißner Bauhof-Chef Steffen Petrich war gekommen, aus der Gemeinde Käbschütztal wollte sich Frank Müller, Leiter der Bauverwaltung, dieses Verfahren ansehen. Und noch weitere Fachleute, die sich um Ordnung und Sauberkeit in Kommunen kümmern, waren zugegen. Andreas Uhlmann, Leiter des Bauhofs der Gemeinde Klipphausen, hatte kürzlich zu einer besonderen Aktion nach Seeligstadt eingeladen. Denn dort demonstrierte Dienstleister Steffen Kuhn aus Ullendorf auf kommunalen Flächen (Fußweg, Straßenbord), wie eine effektive UnkrautbekämpfungBauhof Maschine 2 ohne Chemie oder mechanisches Einwirken erfolgen kann.

 

Eiweißschock in der Pflanze

 

Denn mit Heißwasserdampf wird dem Unkraut der Garaus gemacht. Das geschieht ratzfatz. Der 56-Jährige: „Ein 115 Grad heißes Wasserdampfgemisch umhüllt die Pflanze, öffnet den Wurzelmund. Durch diesen Vorgang wird in der Pflanze ein Eiweißschock ausgelöst und die Zellwand zerstört. Alles platzt auseinander. Die Pflanze stirbt ab, Blätter werden braun. Die Pflanze nimmt keine Nährstoffe mehr auf und trocknet innerhalb weniger Tage ein.“ Nach drei, vier Tagen könne dann alles zusammengekehrt werden. Ein, zwei Wochen später werden nochmals mit Wasserdampf die einzelnen Stellen besprüht, die Wurzel wird getötet. „Dann hat man mindestens ein halbes Jahr Ruhe vor dem Unkraut“, so Steffen Kuhn.

 

Ökologisch und nachhaltig

 

Die Anwesenden waren beeindruckt, überzeugten sich von den Ergebnissen und nahmen dieses Verfahren genau in Augenschein. Bauhofleiter Andreas Uhlmann: „Das ist eine effektive Unkrautbekämpfung – und vor allem ohne Chemie. Das Unkraut wird bei der Wurzel gepackt.“ Auch dem Meißner Bauhof-Chef Steffen Petrich interessierte dieses Verfahren sehr. „Es ist ökologisch und nachhaltig. Kein Pflanzengift, die Umwelt profitiert davon. Das Grundwasser wird nicht beeinträchtigt“, sagte der 56-Jährige. In Meißen wären an die 300 Kilometer an kommunalen Straßen zu betreuen. „Ein solches Verfahren zur großflächigen Unkrautbekämpfung ist da eine gute Alternative zu herkömmlichen Methoden. Wir werden jetzt das Ganze durchdenken“, meinte Steffen Petrich. Auch die Käbschütztaler zeigten sich sehr interessiert daran. Denn der Einsatz dieses Gerätes ist vielfältig: Auf Straßen, Fußwegen, Parkanlagen, Spielplätzen, Friedhöfen, Schulen, in Kindertagesstätten, Grundstücken und anderen Bereichen. 

 

Spitzenleistung der Technik

 

Im Blick war da an diesem Tag vor allem auch das SpezialfahrzeugMitarbeiter Bauhof mit dem entsprechenden Aufbau zur Heißwasserdampf-Unkrautbekämpfung. Ein österreichisches Unternehmen stellt diese Anlage her. Billig sind Fahrzeug und Anlagen nicht gerade, über 40 000 Euro die Gerätetechnik aus Österreich, und das multifunktionale Kommunal-Spezialfahrzeug selbst, das von einem Unternehmen in Deutschland gebaut wird und mit entsprechenden Anbaugeräten auch für Straßenreinigung, Winterdienst, Grasmahd und anderes eingesetzt werden kann, ist noch teurer. Dafür sind allerdings Fahrzeug- und Anlagentechnik High-Tech-Spitzenleistungen, alles computergesteuert und umweltfreundlich.

 

Steffen Kuhn, der als Selbstständiger seit vielen Jahren ein Unternehmen für Betonpumpendienst sowie Serviceleistungen für Biogas- und Gülleanlagen betreibt, gab ausführlich Auskunft und demonstrierte das Ganze auch. Ein mit Diesel oder Heizöl betriebener Dampferzeuger würde das Wasser auf 115 Grad erhitzen, ein Tank auf seinem Fahrzeug fasse 850 Liter. Eine eingebaute Batterie versorge die Einheit für acht Stunden mit der erforderlichen Antriebsleistung, also emissionsfrei. Mit verschiedenen Arbeitswerkzeugen, im einfachsten Fall mit Einzelgeräten, so zum Beispiel mit einer Lanze von Hand für kleinere Flächen, oder dann mit extra Frontträgern und Flächenwagen als Anbauzubehör ans Fahrzeug für größere Flächenleistungen im Straßenrandbereich, auf Parkplätzen oder Fußwegen könne der Einsatz starten. Steffen Kuhn: „Der Heißwasserdampf wirkt auf allen Untergründen, so Asphalt, Randsteinkanten, Straßenrändern, Beton, Kies oder Sand. Der Untergrund wird nicht beschädigt, es gibt keine Spuren auf der Oberfläche. Die ungewünschte Vegetation wird nachhaltig und umweltschonend beseitigt.“ Der Wasserverbrauch würde bei etwa 13 Litern pro Minute liegen. Eine Flächenleistung bis zu 200 Quadratmetern von Hand oder etwa 600 bis 800 Quadratmetern mit den Fahrzeug-Anbaugeräten seien in der Stunde möglich.

 

Gemeinde prüft das Ganze

 

Wie Meißen wird deshalb auch die Gemeinde Klipphausen eine solche alternative, chemiefreie Unkrautbekämpfungs-Methode prüfen. „Die Sache ist auch für uns interessant, da die Umwelt nachhaltig geschont wird. Wir werden in der Verwaltung darüber beraten, was machbar ist“, bemerkte Bürgermeister Mirko Knöfel. Bauhofleiter Andreas Uhlmann denkt da an die etwa 160 kommunalen Straßenkilometer, die die Gemeinde zu betreuen hat. „Für den Einsatz an Schnittgerinnen, auf Fußwegen oder auf Flächen in kommunalen Einrichtungen wie zum Beispiel in Kindertagesstätten und Schulen wäre eine solche chemiefreie Unkrautbekämpfung denkbar. Das wäre auch im Sinne einer guten Sauberkeit in den Orten“, meinte er. Auch solche Lösungen wie das Reinigen von Parkbänken oder anderen Anlagen mit einem Wasserdampf-Hochdruckreinigungsgerät seien interessant. Natürlich müsse da bei all dem auch die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde berücksichtigt werden. Dienstleister Steffen Kuhn hat derzeit schon einen Vertrag mit der Gemeinde für Reinigungsleistungen mit der Kehrmaschine in Orten und Gewerbegebieten. 

 

Text und Fotos: Dieter Hanke, 08.09.2020