^ Nach oben

Erhebliche Ernteeinbußen in Reichenbach

Der späte Frost im Frühjahr wirkte sich verhängnisvoll auf den Plantagen des Meissner Obstgartens Geisler aus...

...Den Meissner Obstgarten in Reichenbach hat es hart getroffen. „Wir rechnen diesmal mit nur etwa 60 bis 70 Prozent der normalen Ernte bei Äpfeln“, sagt Geschäftsführer Steffen Geisler. Der Winter hatte zu den Eisheiligen nochmals zugeschlagen mit Frost. „Minus zwei Grad am 12. Mai. Das haben viele Obstblüten nicht überstanden“, bemerkt der 64-Jährige. Vor allem bei der Sorte Jonagold richteten die Eisheiligen verheerende Schäden an. Aber auch viele der anderen über 20 Apfelsorten auf den Plantagen, der Hauptproduktionsrichtung des Unternehmens auf 24 Hektar, waren betroffen, besonders Elstar, Rubinette und Tobaz. „Viele Mühen und Arbeiten das Jahr über wurden so zunichte gemacht. Das macht traurig“, so Steffen Geisler, fügt aber gleich an: „So ist es eben in der Natur. Damit müssen wir leben. Wir lassen uns nicht entmutigen.“ Während die Anlagen auf Reichenbacher Fluren besonders in Mitleidenschaft gezogen wurden, kamen die Plantagen des Unternehmens in Scharfenberg glimpflicher davon. Die geschütztere Lage dort an der Kante zum Elbtal bewahrte die Bäume vor größeren Schäden.

 

Bewässerung durch Natur

In solchen kritischen Frost-Situationen auf den Plantagen Feuer anzuzünden zwischen den Obstreihen, wie es im Weinbau üblich ist, käme bei den Apfelbäumen nicht in Betracht. Denn diese seien wesentlich höher als die Rebstöcke. Die Wärme würde die meisten Äste und Zweige nicht erreichen. Ein anderer Schutz vor dem Frost, und zwar Wasser-Sprühnebel in den Plantagen einzusetzen, wie es zum Beispiel in der Hamburger Gegend bei Obstbauern praktiziert wird, sei für den Meissner Obstgarten auch keine Alternative. „Wir haben hier keine Wasseranlagen“, sagt Steffen Geisler.

 

Die Obstplantagen des Unternehmens sind auf die Bewässerung durch die Natur angewiesen. Die Trockenheit der letzten Jahre hat ebenfalls zu Ernteeinbußen geführt. Aber auch Hagelschlag führte oft zu Verlusten, so besonders 2017 und 2019, wie der Geschäftsführer bemerkt.

 

Keine Selbstpflücke-Aktionen

Angesichts der Ernteausfälle wird es in diesem Jahr auch keine Selbstpflücke-Aktionen der Bürger in den Apfelplantagen des Meissner Obstgartens mehr geben. Am Wochenende 11. bis 14. September fand die einzige Pflückaktion statt. „Mehr sind in diesem Jahr nicht drin“, meint Steffen Geisler. Normalerweise finden im September/Oktober an die vier bis sechs solcher Einsätze an den Wochenenden statt. Neben der geringeren Erntemenge hat der Meissner Obstgarten Geisler GbR aber auch noch einen anderen Beweggrund, warum Bürger sich nicht selbst Gala, Pinova, Braeburn, Golden Delicous und weitere Apfelsorten in die Körbe pflücken können. „Bei der Selbstpflücke an jenen Septembertagen sind diesmal viele Früchte runtergeworfen worden“, sagt der Geschäftsführer. Qualitätsobst lege auf dem Boden. Unachtsamkeit der Bürger beim Pflücken oder keine Achtung vor dem Gewachsenen in der Natur und kein behutsames Vorgehen seien dafür Gründe. Auch die Pflaumenernte musste deshalb für die Selbstpflücke abgebrochen werden. Diese Bäume stehen mit in den Apfelplantagen. Hier ist jetzt die Sorte Elena, eine Zwetschge, die große, ovale, dunkelblaue Früchte mit hohem Zuckergehalt hat, reif. 

Das Obstbauunternehmen wird deshalb mit Saisonkräften die Apfel- und Pflaumenernte bewältigen. Anfang Oktober werden das zum Beispiel die Sorten Golden Delicous, Jonagold, Tobaz, Pinova und Braeburn (ab 12. Oktober) sein. Aber auch Boskop, Elstar, Gala, Rubinette und Shampion werden im September/Oktober gepflückt. Solche Sorten wie Alkmene, James Grieve oder Delcorf sind schon unter Dach und Fach.

Hofladen mit breitem Angebot

Da die Selbstpflücke in diesem Jahr ausfällt, hat der Hofladen des Unternehmens in Reichenbach besonderes Gewicht. „Aus zwölf Apfelsorten können dort die Bürger zurzeit auswählen“, informiert Steffen Geisler. Aber auch Hauspflaumen und Birnen können erworben werden oder auch aus Obst gepressten Saft. „Über 1 000 Liter haben wir in diesem Jahr schon produziert“, so der Geschäftsführer. Das Kilogramm Äpfel kostet 1,80 Euro, bei Pflaumen sind es 2,50 Euro. Der Hofladen in Reichenbach ist Montag, Dienstag und Mittwoch von 9 bis 16.30 Uhr geöffnet; am Donnerstag von 9 bis 17 Uhr; freitags von 9 bis 16.30 Uhr und sonnabends von 9 bis 12 Uhr. „Wir würden uns freuen, wenn Bürger mit dem Kauf heimischen Obstes unsere Arbeit als Obstbauern in der Region unterstützen“, sagt Steffen Geisler.

 

Im November/Dezember 2020 wird der Meissner Obstgarten wieder neue Bäume auf den Plantagen pflanzen. „Diesmal sind es 5 000 Apfelbäume“, so der Geschäftsführer. Die neuen Anlagen werden mit Netzen versehen, um die Bäume vor Hagelschlag zu schützen.

 

Der Meissner Obstgarten mit Betriebssitz in Reichenbach wurde im März 1993 von Steffen Geisler gegründet und seit Juli 2017 mit Sandra Geisler zur GbR weiter geführt. Beide sind Geschäftsführer. Im Umkreis von etwa zwei Kilometern in den linkselbischen Tälern werden verschiedene Obstplantagen bewirtschaftet. Das sind 24 ha Äpfel, jeweils zwei Hektar Süßkirschen und Sauerkirschen, 1,7 ha Pflaumen, 0,5 ha Birnen und 0,3 ha Aprikosen. Immer bis Mai des folgenden Jahres bietet der Meissner Obstgarten ein breites Sortenangebot an Äpfeln an. Das ist möglich, da ein modernes Kühllager zur Verfügung steht, das garantiert, dass Frische, Qualität und sortenspezifischer Geschmack der Äpfel nicht verlorengehen.

 

Text: Dieter Hanke, 06.10.2020