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Guter Schutz vor starken Regenfluten

Der Speicher in Reichenbach ist zwar jetzt kein Badeteich mehr, dafür aber als Regenrückhaltebecken eine wirksame wasserwirtschaftliche Anlage. Damm, Becken und anderes wurden für über zwei Millionen Euro instandgesetzt.   

Im Riemsdorfer Wasser auf Reichenbacher Flur plätschert es derzeit kaum. Der Bach gleicht einem Rinnsal. Nur wenige Zentimeter hoch ist der Pegel. Doch das sah schon mal ganz anders aus. Beim Hochwasser in den Jahren 2002 und 2013 wurde das Riemsdorfer Wasser zu einem reißenden Gewässer. Der Damm und Anlagen des Speicherbeckens in Reichenbach, durch das der Bach fließt, wurden stark beschädigt. Die Fluten strömten die Hänge hinab, überschwemmten den internationalen Campingplatz Rehbocktal und die B 6, zerstörten Gebäude und weitere Einrichtungen. Auch Wirtschaftswege und Durchlässe von Batzdorf bis zur B 6 wurden erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Schäden in Millionenhöhe entstanden. Jetzt ist das Riemsdorfer WasserBagger mit Landschaft, in das auch Gewässer aus Riemsdorf, Reichenbach und Bockwen münden, hier gezähmt.

Premiere für den Bach

Vor gut zwei Wochen floss zum ersten Mal offiziell der Bach durch die neuen wasserwirtschaftlichen Anlagen des Regenrückhaltebeckens in Reichenbach – in das Einlaufbauwerk vor dem Damm, dort in ein großes Rohr mit 1,20 Meter Durchmesser und dann etwa 60 Meter lang und in einer Tiefe von ungefähr sechs Metern durch den Damm, bis das Wasser wieder auf der anderen Seite beim Auslaufbauwerk austritt und seinen Verlauf im Wildbett des Riemsdorfer Wassers fortsetzt. „Jetzt sind es etwa 15 Liter Wasser pro Sekunde am Einlaufbauwerk. Bis auf 200 Liter wird das Regelsystem dort eingestellt. Ein Schieber reguliert die Ablaufmenge“, sagte Planungschef Wolfram Hagstotz vom gleichnamigen Planungsbüro aus Dippoldiswalde. Mit seinem Team hat der 57-Jährige die Instandsetzung dieser wasserwirtschaftlichen Anlage in Reichenbach gemanagt. Falls die Wassermenge durch enormen Starkregen in der Region über diese Größe ansteigen sollte, kommt es zum Rückstau in das Rückhaltebecken. „85 000 Kubikmeter Wasser fasst das Becken bei Vollstau. Erst dann kommt es zum kontrollierten Überlauf an der Dammkrone“, bemerkte der Planer.

Jetzt nur Regenrückhaltebecken

Vorbei sind jetzt allerdings die Zeiten, wo sich Badelustige an dieser Speicheranlage vergnügten und Angler so manchen Fisch an Land zogen. Mitte der 1980er Jahre war der Speicher von der Landwirtschaft gebaut worden, diente vor allem zur Bewässerung von Kulturen und nur zum Teil auch für den Hochwasserschutz, denn das Becken war meist gut gefüllt. Jetzt wird das anders sein. Der Landkreis Meißen und die Gemeinde Klipphausen als Eigentümer dieser wasserwirtschaftlichen Anlage kamen überein, den Speicher in Reichenbach ausschließlich als Regenrückhaltebecken zu nutzen. Dieser ist kein Badeteich mehr. Das bedeutet, dass dieses Becken – abgesehen von Hochwasserereignissen – das Jahr über leer bleibt und nicht wieder mit Wasser befüllt wird. „Der gesellschaftliche Nutzen ist ausschlaggebend, hat einen größeren Stellenwert als Badefreuden“, sagte Planungschef Wolfram Hagstotz.

Bis Jahresende alles fertig

Dazu wurde das Rückhaltebecken,Bauarbeiter und Bagger die wasserwirtschaftliche Anlage ist insgesamt fünf Hektar groß, umfassend instandgesetzt. Zu etwa 70 Prozent sind die Arbeiten bereits erledigt. „Im Dezember 2020 soll alles fertig sein“, informierte Steffen Horn vom Bauamt der Gemeindeverwaltung Klipphausen, der das Vorhaben betreut und der den Bauleuten von der Firma STRABAG AG, Direktion Sachsen/Thüringen, Bereich Ostsachsen, sowie den weiteren Beteiligten für ihre solide Arbeit dankte.

Für dieses anspruchsvolle Hochwasserprojekt der Gemeinde musste vieles bewerkstelligt werden, denn die Anlagen waren bei den Schadensereignissen in den vergangenen Jahren stark beeinträchtigt worden. So wurden verschlissene alte Einrichtungen wie zum Beispiel das Pumpenhaus, die alte Hochwasserentlastungsanlage und das Tosbecken abgerissen. Der Damm, etwa 120 Meter lang, 6,5 Meter hoch, vier Meter breit an der Krone und an die 50 Meter am Fuß, wurde auf der Wasser- und der gegenüberliegenden Luftseite mit Erde, Schotter, Kies und Netzen abgedichtet, auf der Luftseite auch abgeflacht und verbreitert, damit er nicht brechen kann. „Er ist jetzt ein überströmbarer Damm“, bemerkte der Planungschef. So wurde unter anderem auf der abgeflachten Seite des Dammes ein Geogitter eingebracht, das mit Schotter gefüllt und mit einem Decknetz versehen ist. Auf der Wasserseite legten die Bauleute am Dammfuß eine breite Bentonitmatte, eine Abdichtung auf mineralischer Basis, die ein Durchsickern des Wassers verhindert.

Begehbares Wasserrohr

Imposant ist das Einlaufbauwerk mit dem Mönch, wie dieses Bauwerk heißt, das gewissermaßen das Regelorgan für den Wasserablauf mit der entsprechenden Ausrüstung und Steuerung ist. Der Mönch hat die Ausmaße 2,50 mal 2,50 Meter und ist sieben Meter hoch. In diesen Schacht können die Wasserwirtschaftler und Anlagenbetreuer einsteigen und dann, wenn erforderlich, auch das große begehbare Wasserrohr im Damm inspizieren. Während des Baus wurden dort Messungen gemacht. 14 Zentimeter war mal im Rohr der höchste Wasserstand. Bis zu 50 Zentimeter könnten es im Ernstfall sein. Bei extremen Situationen, wenn das Rückhaltebecken voll ist, kann das Wasser auch in den Mönch strömen und abgeleitet werden.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                            

Ein Palisadenrechen im Bachbett vor dem Einlaufbauwerk soll Treibgut aufhalten. Die Stahlstangen dieses Grobrechens sind innen mit Beton gefüllt. Das Bachbett am Einlauf- und Ablaufbauwerk wurde mit Natursteinen befestigt. Auf der abgeflachten Seite des Dammes erfolgte schon die Aussaat von Gras.

Biotop wird angelegt

Gegenwärtig legen die Bauleute nach der abgeflachten Dammseite bis zum nahegelegenen Flora-Fauna-Habitat ein Restgewässer an, das vom Riemsdorfer Wasser gespeist wird. Es soll kein Fischteich werden, sondern mal ein Biotop für Lurche, Frösche, Kröten und weitere Amphibien. Bis Ende des Jahres, so sagte Steffen Horn, sollen dann noch die weiteren Arbeiten abgeschlossen werden. Das betrifft zum Beispiel einen Betriebssteg aus Stahl von der Dammkrone bis zur Öffnung des sieben Meter hohen Mönchsbauwerkes und eine Treppe von der Dammkrone hinunter zum Dammfuß. Auch der Wirtschaftsweg von derBagger weit Dammkrone zur Straße zu wird noch gepflastert oder zum Teil auch mit Asphalt belegt, insgesamt sind das etwas über 400 Meter. Das alte Grundablassrohr im Damm wird noch mit Beton verdämmt.

Zauneidechsen siedeln um

Hinzu kommt noch, dass die Zauneidechsen wieder ihr angestammtes Quartier, ihre Liegewiese, auf der Sonnenseite des Dammes, der Wasserseite, in Beschlag nehmen werden. Schotter wurde dort aufgeschüttet. Während der Bauphase hatten die Tiere angrenzend am Speicherbecken auf einer abgegrenzten 2 000 Quadratmeter großen Fläche vorübergehend ihren neuen Standort erhalten. Wurzel- und Steinhaufen wurden dort extra für diese Reptilien angelegt. Experten hatten vor Baubeginn über 120 Zauneidechsen umgesetzt. Zu den noch ausstehenden Arbeiten gehört außerdem noch das Pflanzen von Sträuchern an der Anlage.

Langwieriger Ablauf 

Dieses umfassende Hochwasserprojekt der Gemeinde war recht langwierig, die Planungen im zeitlichen Ablauf und Genehmigungsverfahren aufwendig, es kam mitunter zu Unterbrechungen. Zahlreiche Behörden und Fachgremien mussten eingebunden werden, sagte Chefplaner Wolfram Hagstotz. So beispielsweise Statiker, Geotechniker, Fachplaner, Naturschutz- und Wasserbehörden, die Landesdirektion Sachsen, der Landkreis Meißen und weitere Gremien. Auch ungeklärte Besitzverhältnisse der Flächen des Speicherbeckens hemmten zunächst einen schnellen Fortgang. In Sachen Eigentumsverhältnisse herrscht jetzt aber Klarheit. Die Gemeinde Klipphausen als Bauherr dieses Vorhabens ist Eigentümer dieser wasserwirtschaftlichen Anlage. Eva Roick vom Bauamt der Gemeinde Klipphausen: „Die gesamte Fläche des RückhaltebeckensSteine gehört jetzt der Gemeinde. Der Landkreis Meißen hat mit Erfolg ein Verfahren zum freiwilligen Landtausch durchgeführt.“ Vorher traten etliche Unstimmigkeiten auf, es gab mehrere Besitzer der Speicherflächen und auch keine Klarheit in Sachen Speichersanierung und wer dafür aufkommt. Auch die Beantragung von Fördermitteln und deren Bewilligung oder Mehrarbeiten beim Bauablauf beanspruchten Zeit.

Über zwei Millionen Euro kostet die Instandsetzung dieses Rückhaltebeckens und der Anlagen im Rahmen der Hochwasserschadensbeseitigung. Bund und Freistaat Sachsen fördern dieses umfangreiche Hochwasservorhaben. Zusätzliche Kosten entstanden zum Beispiel, weil im Bereich der Bockwener Straße am Eingang des Wirtschaftsweges zum Speicher eine alte unbekannte Deponie zum Vorschein kam und der Schutt auf einer Sonderdeponie entsorgt werden musste. Ursprünglich sollte auch das neue Ablassrohr unter dem Damm in offener Bauweise verlegt werden. Um aber den vorhandenen Damm nicht zu schaden, wurde gepresst.

Vorsperre beräumt

Die Hauptarbeiten zur Instandsetzung hatten im November 2019 begonnen. Doch schon in Jahren zuvor waren etliche andere Baumaßnahmen ausgeführt worden, wofür weitere Gelder von Bund und Freistaat kamen. So wurde die obere Vorsperre von Sedimenten befreit. Erde aus umliegenden landwirtschaftlichen Flächen war dort bei Hochwasser vom Riemsdorfer Wasser angeschwemmt worden. Diese wurde wieder auf die Felder gefahren. Für die Baufeldvorbereitung galt es Gestrüpp und kleine Bäume auf dem Beckengrund zu beseitigen. Dieser wurde auch befestigt. 2017 war bereits der Speicher abgefischt und das Wasser abgelassen worden. Die Fische erhielten ein neues Quartier in Teichen der Radeburger Gegend.

Noch einige andere interessante Fakten nannte der 57-jährige Chefplaner Wolfram Hagstotz. Gut 72 Stunden würde es brauchen, wenn das vollgefüllte Rückhaltebecken mit 85 000 Kubikmetern Wasser wieder leerlaufen soll. Nach hydrologischen und hydraulischen Berechnungen sei diese Anlage nach theoretischer Grundannahme so ausgelegt worden, dass es innerhalb von 5 000 Jahren einmal zu einer Überflutung des Dammes kommen könnte.

Elvira Grübler, Bauamtsleiterin der Gemeinde Klipphausen, sagte zu diesem Gesamtprojekt: „Für den Hochwasserschutz ist diese Anlage außerordentlich wichtig. Gerade die niederen Täler, der internationale Campingplatz Rehbocktal, die Rehbockschänke Scharfenberg, die Bundesstraße 6 und noch viele weitere Fluren und Einrichtungen werden durch dieses Rückhaltebecken geschützt. Die Gemeinde dankt dafür allen am Bau Beteiligten.“    

Text: Dieter Hanke, Fotos: Jacob (1), Hanke (5), 09.10.2020