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Fische haben bald wieder freie Bahn

 Am Tännichtbach in Rothschönberg entsteht eine Fischaufstiegstreppe. Zugleich werden Hochwasserschäden beseitigt...

Vor allem Forellen, aber auch Bachschmerlen oder Grundeln haben bald im Tännichtbach freie Fahrt. Denn in Rothschönberg am Abzweig Schenkberg, direkt an der S 83, wird jetzt in diesem Gewässer eine Fischaufstiegstreppe angelegt. Bisher war für die Tiere hier an der Brücke Stopp. Denn eine weit über einen Meter hohe Schwelle, ein Sohlsprung des Bachbettes, versperrte ihnen hier den Weg. „Die Fische sprangen an dieser Stelle hoch. Aber vergebens, sie konnten das Hindernis nicht überwinden. Es war für sie unüberwindlich“, sagte Steffen Horn, Mitarbeiter des Bauamtes der Gemeinde, der dieses Vorhaben begleitet. Den BachforellenNickel und weiteren Fischen war so der Weg stromaufwärts in Richtung Neukirchen versperrt, um Laichplätze zu erreichen. Die Feuerwehr hatte diese Schwelle an der Brücke für eine Löschwasser-Entnahme genutzt.

Treppe ist 70 Meter lang

Für die Aufwärts-Passage der Fische im Tännichtbach entsteht nun eine naturnahe Aufstiegshilfe. Diese wird an die 70 Meter lang sein und insgesamt auf dieser Strecke einen Höhenunterschied von etwa 2,35 Metern überwinden. Diese Differenz wird in Abschnitten unterteilt. Denn Mulden, sogenannte Tassen, die aneinandergereiht sind, wechseln sich ab. „Auf jeder Seite der Brücke werden es jeweils 14 kleine Becken im Bachbett sein“, sagte Planer Olaf Nickel von der Ingenieurgesellschaft Müller-Miklaw-Nickel mbH in Miltitz. Den Fischen Krahnwerde damit der Aufstieg bedeutend erleichtert. Zwei Meter breit und aller 2,50 Meter ein Riegel sind die Tassenmaße. Natursteine begrenzen die einzelnen Areale. An deren Ende befindet sich in der Mitte ein 25 Zentimeter breiter Durchlass für die Fische. „Der Sinn ist, dass der Wechsel zwischen einer stärker fließenden Wasserströmung in den Durchlässen und dem beruhigten Wasserbereich in den Tassen den Tieren bei ihrer Wanderung einen etappenweisen Aufstieg mit Verschnaufpausen ermöglicht“, bemerkte der 60-jährige Ingenieur.

Fertig Ende November

Ende Oktober sind etwa 70 Prozent der Arbeiten geschafft, wie Olaf Nickel informierte. Ende November dieses Jahres soll das gesamte Vorhaben fertig sein. Etwa 150 000 Euro wird das Ganze kosten. Der Freistaat Sachsen fördert diese Maßnahme. Doch damit wird nicht nur die Durchgängigkeit des Gewässers für Fische und Kleinstlebewesen hergestellt. Zugleich werden hier am Tännichtbach, der in seinem weiteren Verlauf in die Triebisch mündet, vor allem auch Schäden beseitigt, die das Hochwasser 2013 angerichtet hatte. Unter der Brücke am Abzweig Schenkberg gab es starke Ausspülungen. Auch Böschungen wurden in Mitleidenschaft gezogen, die jetzt mit Natursteinen stabilisiert werden. 

Ökologische Aufwertung

„Diese Fischaufstiegshilfe wertet das Gewässer ökologisch auf. Zugleich wird damit auch dessen Attraktivität erhöht. Für die Tiere schafft diese Treppe einen besseren Lebensraum. Wir freuen uns, dass der Freistaat uns dabei unterstützt, denn ursprünglich sollten nur die Hochwasserschäden beseitigt werden“, sagte Bauamts-Mitarbeiter Steffen Horn. Und er zollte den Bauleuten von der Melioration GmbH in Meißen ein großes Lob. Dieses Unternehmen ist hier zu Gange. „Ihre reichen Erfahrungen im Wasserbau zahlen sich auch bei diesem Vorhaben aus. Engagiert wird gearbeitet, die Qualität stimmt. Wir sind sehr zufrieden mit den Leistungen“, meinte Steffen Horn und dankte besonders auch dem Polier Henry Seidel für sein Können und seine Einflussnahme.

Gutes Augenmaß gefragt

Der 59-jährige gelernte Baufacharbeiter,Bauchef der fast 40 Jahre bei der Melioration Meißen tätig ist und in Paltzschen bei Lommatzsch wohnt, hat diese Baustelle im Griff. Es flutscht gewissermaßen. „Wir haben schon mal eine Fischaufstiegstreppe gebaut, und zwar an der Jahna in Mergendorf bei Riesa“, meinte Henry Seidel. Akkurat bearbeiten er und seine Mitarbeiter die Natursteine, besonders auch die Exemplare für den Durchlass in den Tassen. „Diese müssen an den Seiten glatt und gerade sein, damit die Wasserströmung gleichmäßig ist“, bemerkte er. Auch im Bachbett gehen die Beschäftigten der Melioration sorgsam zu Werke. Sie richten die Steine, die aus dem Hartsteinwerk in Kleinschönberg kommen, gewissenhaft aus. „Die Abstände müssen exakt stimmen, auch optisch soll das Ganze etwas hermachen“, bemerkte der Polier, der sich zusammen mit seinen Mitarbeitern freut, dass sie so eine interessante Aufgabe in Rothschönberg verwirklichen können. In Mike Poitz hat er da einen Baggerführer, der versiert beim Steinsatz im Wasserbau ist. „Da ist schon gutes Augenmaß gefragt und auch Umsicht, um die großen Steine exakt an der vorbestimmten Stelle im Bachbett abzusetzen und zu richten. Außerdem darf auf eng begrenztem Raum niemand zu Schaden kommen“, sagte der 48-jährige Baggerfahrer aus Niederau, der schon über 20 Jahre der Melioration Meißen angehört. Für den Planer Olaf Nickel ist es da eine Freude, mit solch engagierten Leuten zusammenzuarbeiten. „Letztlich zahlt sich der enge Kontakt und das Miteinander auf der Baustelle für alle aus“, meinte er und verwies noch darauf, dass die Planung dieses Vorhabens recht langwierig war, weil es auch ein umfangreiches Abstimmungs- und Genehmigungsverfahren mit verschiedenen Behörden und Bürgern einschloss.

Nicht nur ein Wasserspender

Henning Klein vom Sachgebiet Naturschutz im Landratsamt Meißen verfolgt das Geschehen am Tännichtbach in Rothschönberg mit regem Interesse. Der erfahrene Naturschützer hat hier das Projekt der Fischaufstiegstreppe angeschoben und gemeinsam mit der Gemeinde Klipphausen auf den Weg gebracht. „Uns geht es um eine gute Durchgängigkeit des Gewässers. In Rothschönberg wird da in diesem Sinne beispielhaft ein Vorhaben verwirklicht. Denn auch der Tännichtbach ist nicht nur Wasserspender, er ist vor allem ein wichtiger Naturraum für Mensch und Tier. Für das Ökosystem ist dieses Vorhaben vorteilhaft“, sagte er.

Steckwehr für Feuerwehr

Übrigens wird die Feuerwehr in Sachen Löschwasserentnahme nicht zu kurz kommen. Im Bachbett nahe der Brücke wurde eine EdelstahlschieneFlex eingebracht. „Ein sogenanntes Steckwehr“, wie Steffen Horn sagte. Bei Notwendigkeit kann dort mit Brettern in der Stahlschiene der Bach vorübergehend angestaut werden, um eine bessere Wasserentnahme zu ermöglichen.

Das Vorhaben in Rothschönberg begleitet auch Dr. Sieg aus Höckendorf. Der 62-Jährige ist Unabhängiger Fischereisachverständiger. Er wird nach Abschluss einen Bericht über die Verwirklichung dieses Projekts verfassen. Unter anderem werden da auch die Resultate von Strömungs- und Wassertiefenmessungen mit einfließen. Er nimmt beim Bau darauf Einfluss, was es bei dieser Fischaufstiegstreppe zu beachten gilt. „Die Zusammenarbeit klappt gut. Hinweise werden beherzigt“, sagte der Sachverständige. 

Bagger Fisch   Bauarbeiter

Text und Fotos: Dieter Hanke, 27.10.2020