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Gefahr für das Abwasser-System

 Viele Feuchttücher und weiterer Abfall werden aus dem Abwasser am Pumpwerk in Klipphausen herausgefischt. Die Corona-Krise verschärft das Problem noch. Ein Abwasser-Abfluss war kürzlich völlig verstopft. Das Gelände am Saubachtalweg überflutete...

Ist man nun am Pumpwerk Saubachtalweg in Klipphausen, der ehemaligen Kläranlage, wo seit Februar 2019 von dort das Abwasser in der neuen Druckleitung nach Dresden zur Kläranlage der Stadtentwässerung Dresden geschickt und in den Becken biologisch gereinigt wird, oder vielmehr in einem Super- oder Drogeriemarkt? Denn das Gelände am Rechenhaus, in dem Feststoffe aus dem eingehenden Abwasser aus Orten der Gemeinde Klipphausen sowie aus Wilsdruff und weiteren Gemeinden des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge entfernt werden, ehe dieses in der Druckleitung befördert wird, sah am Mittwoch, dem 14. September, ganz danach aus. Bis auf die angrenzende Wiese war das Areal mit diversen ArtikelnBecken übersät: mit Binden, Wattestäbchen, Feucht- und Kosmetiktüchern, Speiseresten, Kondomen, Lappen, Zellstoff-Taschentüchern, Plaste, Fettklumpen und anderen Dingen.

Dicke Schicht von Abfällen

Der starke, anhaltende Regen an diesem Tag hatte den Zufluss von Abwässern am Klipphausener Pumpwerk enorm ansteigen lassen. Ein Teil der Niederschläge gelangte über die Kanalisation in den Orten in die Schmutzwasserkanäle, was das Abwasser-Volumen bedeutend erhöhte. Normalerweise ist das kein Problem für die Stadtentwässerung Dresden. Wenn bei einer Havarie, in extremen Spitzenzeiten früh und abends oder wie in jenem Fall bei dauerhaften Starkregen die Abwasser-Zulaufmenge größer ist als die Fördermenge, die die Pumpen in die Druckleitung nach Dresden bewältigen können, dienen in Klipphausen die fünf sanierten ehemaligen Klärbecken als Speicher und puffern insgesamt mit einem Volumen von 9 000 Kubikmetern vorübergehend die zusätzlichen Abwassermassen ab. Doch wenn im Becken  am Rechenhaus, wo das Abwasser aus den Orten ankommt und wo sich auch der Notablass für das überschüssige Abwasser in Richtung der Speicherbecken befindet, dieser völlig mit Fremdstoffen zugesetzt ist, läuft die ganze Brühe über die Anlage und überschwemmt das Gelände. „Das Sieb am Eingangsablass war völlig verschmiert, mit einer dicken Schicht von Abfällen bedeckt. Bei wahrlich widrigen Bedingungen mussten wir das ganze Zeug abkratzen, ehe das Abwasser wieder fließen konnte“, sagte Abwassertechniker Daniel Röthig von der Stadtentwässerung DresdenStadtentwsserung, der auch für diese Anlage in Klipphausen mit zuständig ist.

 In jenem Fall war es von großem Vorteil, dass am Schalthaus des Pumpwerkes eine elektronische Störungsmeldung angezeigt wurde und in der Zentrale einlief. So konnte schnell reagiert werden. Nicht auszudenken, wenn dies nicht erfolgt wäre, denn das automatisch arbeitende Pumpwerk Saubachtalweg ist nicht ständig besetzt. Nach und nach wurde dann das Abwasser aus den ersten zwei großen Speicherbecken, die in jenem September-Zeitraum mit dem starken Regen randvoll vollliefen, wieder abgelassen und von den Pumpen auf ihre dreistündige Reise in der Druckleitung nach Dresden geschickt.

Erheblicher Mehraufwand

"Wir suchen jetzt nach einer geeigneten Lösung am Abwasser-Notablass, um für die Zukunft bei ähnlichen Ereignissen gewappnet zu sein“, bemerkte Daniel Röthig. Der 39-jährige Abwassertechniker gehört seit 1998 der Stadtentwässerung Dresden an, hatte dort auch Ver- und Entsorger gelernt. Zusammen mit einem achtköpfigen Team und einem Meister betreut er regelmäßig Abwasser-Pumpwerke der Stadtentwässerung. Über 100 solcher Anlagen sind es in Dresden und Umgebung. Daniel Röthig wartet die Pumpwerke, macht Inspektionen, erledigt Reparaturen und andere Dinge. Zum Beispiel betrifft das neben Klipphausen unter anderem auch die Pumpwerke auf der Hühndorfer Höhe, in Limbach, Mohorn, Kesselsdorf, Heidenau oder Ottendorf-Okrilla.

Doch das generelle Problem bei dem geschilderten Fall ist nicht der Abwasser-Notablass in Klipphausen, sondern der Abfall im Abwasser. Und dieser wird immer mehr. „Er ist eine Gefahr für das Abwasser-System“, bemerkte Abwassertechniker Daniel RöthigPutzen, der mit seiner Familie in Groitzsch in der Gemeinde Klipphausen lebt. So können vor allem Pumpen durch Feucht- und weitere Pflegetücher und durch anderen Müll verstopft werden und blockieren. Denn Feuchttücher mit ihren langen Kunststoff-Fasern lösen sich nicht im Abwasser auf, sie sind sehr reißfest und verknoten sich zu Zöpfen. Im warmen Abwasser wird außerdem der Kunststoff in den Tüchern sehr hart, so dass sich die Klumpen der Pumpenzöpfe auch nur mit viel Mühe entfernen lassen. Der verharzte Kunststoff zerstört Dichtungen. Im schlimmsten Fall kann es bei einer Verstopfung der Pumpen zum Rückstau in Abwasserkanälen kommen. Das Abwasser sucht sich dann seinen Weg, tritt über Einläufe aus und überschwemmt Areale und wenn eine Rückstauklappe fehlt, auch Häuser. „Durch Störungen infolge des Mülls im Abwasser entsteht ein nicht unerheblicher Mehraufwand im Unternehmen. Es fallen beträchtliche Zusatzkosten für Reinigung, Entsorgung und Reparaturen“, meinte Daniel Röthig.

Mehr Achtsamkeit nötig

Deshalb die große Bitte der Stadtentwässerung Dresden:  Abfälle, besonders die bei Bürgern beliebten feuchten Reinigungs-, Baby-, Brillen-, Erfrischungs- und Abschminktücher, aber auch Küchenpapier und anderes gehören nicht in das Toilettenbecken. Sie sollten im Mülleimer über den Restmüll entsorgt werden, wie es auch in der Anleitung vorgeschrieben ist. Leider halten sich auch in den Orten in der Gemeinde Klipphausen etliche Bürger nicht daran - aus Gedankenlosigkeit, Bequemlichkeit oder aus anderen Gründen. Auch Medikamente aller Art, so alte TablettenAbfall, Säfte und Tropfen, gehören nicht in die Toilette. Denn diese können selbst in solch hochmodernen Kläranlagen wie in Dresden-Kaditz nur teilweise oder gar nicht entfernt werden. Sie gelangen in den Wasserkreislauf, belasten die Umwelt und sind eine Gefahr für die Gesundheit. Auch Wattestäbchen stellen eine Gefahr für das Abwassersystem dar. Denn sie schmuggeln sich oftmals durch alle Rechen- und Siebanlagen und landen dann in der Elbe. Ohrstäbchen sollten deshalb ebenfalls über den Hausmüll entsorgt werden.

Abfallmengen stiegen an

Das Pumpwerk in Klipphausen hat im Gegensatz zu anderen in der Region den Vorteil, dass dort unmittelbar an der Zufluss-Abwassertrasse aus den Orten zwei parallel geschaltete Rechenanlagen,Haus gewissermaßen eine mechanische Vorklärung, die Feststoffe aus dem eingehenden Abwasser sieben, ehe dieses dann in der Druckleitung nach Dresden fließt. Außerdem gibt es dort am Rechenhaus auch nachgeschaltet einen Sandfang, wo eine Pumpe diese Stoffe im aufgewirbelten Abwasser in einen Sandklassierer presst, wo sie abgeschieden werden. Ferner werden im Sandfang auch Fette eliminiert, die sich an der Oberfläche des Abwassers befinden. Das Rechenhaus hat die Stadtentwässerung Dresden mit dem Bau der Druckleitung nach Dresden und der Sanierung von Anlagen im einstigen Klärwerk Klipphausen umfassend modernisiert. Etwa 100 000 Euro hat das Rechenhaus gekostet.

Die zwei großen Rechenanlagen im Klipphausener Pumpwerk verfügen auch über eine Vorrichtung, wo die Feststoffe zusammengepresst und die Abwässer herausgedrückt werden. In Containern wird dann der Abfall gesammelt und später auf Deponien entsorgt. Die ganze Palette der anfallenden Fremdstoffe ist in diesem übel riechenden Abfall-Haufen enthalten. Nach Februar 2020, als Corona den Alltag durcheinander wirbelte und viele Menschen zu Hause bleiben mussten, Kinder betreuten oder im Home office arbeiteten, stieg der Abfall im Abwasser auch in Klipphausen und Umgebung einige Monate stark an. „Statt üblicherweise zwei Container mit jeweils 1,3 Kubikmetern Abfall im Monat fielen dann drei im Pumpwerk Saubachtalweg in Klipphausen an“, sagte Daniel Röthig. Jetzt seien es wieder zwei Container. Da Corona nun wieder auf dem Vormarsch ist, könnte sich das Prozedere wiederholen und der Müllanfall im Abwasser leider erneut ansteigen.

Abgesehen von solchen Ausnahmen, wo durch Starkregen oder Hochwasser der Abwasser-Zulauf extrem ansteigt und in solchen Fällen oder auch bei Havarien als Ausweich die Speicherbecken im Klipphausener Pumpwerk zur Verfügung stehen, bewältigen hier zu normalen Zeiten die Pumpen problemlos die Zulaufmenge aus den Orten und befördern das von Feststoffen befreite Abwasser nach Dresden ins Klärwerk. In der 12,5 Kilometer langen Druckleitung, die einen Innendurchmesser von 25 Zentimetern hat, können an die 65 bis 75 Liter Abwasser in der Sekunde oder jährlich rund eine Million Kubikmeter Abwasser transportiert werden. Das ist völlig ausreichend für die Mitglieder aus der Region, die dem Abwasserzweckverband „Wilde Sau“ angehören. Die Abwässer von Wilsdruff und aus mehreren Ortsteilen dieser Stadt sowie von Pohrsdorf und Fördergersdorf im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge werden über die Druckleitung nach Dresden entsorgt. Aus der Gemeinde Klipphausen im Landkreis Meißen betrifft es die Abwässer aus Sora, Klipphausen, Röhrsdorf, Sachsdorf und Hühndorf. Auch die Schlämme aus den Kleinkläranlagen Kleinschönberg, Lampersdorf und Lotzen werden hier mit erfasst.

 SiebHaus Rohre

Text und Fotos: Dieter Hanke, 29.10.2020