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Bedeutende Kunstwerke restauriert

Sandstein-Epitaphien sowie der Altar in der Naustädter Kirche aus dem 16. Jahrhundert wurden aufgefrischt. Eine weitere Skulptur, die bislang unentdeckt blieb, gibt momentan Rätsel auf...

 

Der Sandstein ist nun heller, die originalen historischen Restfarben an einigen Exponaten wieder sichtbar. Die über 13 kunstgeschichtlich bedeutsamen Epitaphien rings um den Altar in der Naustädter Kirche aus vergangenen Jahrhunderten wurden jetzt von Restauratoren aufgefrischt. Auch der Altar aus SandsteinAltar, der dem Bildhauer Hans Köhler dem Jüngeren zugeschrieben wird und 1607 fertiggestellt und 1817 durch Dietrich von Miltitz umgebaut wurde, bekam eine behutsame Behandlung. Die bildhauerischen Sandsteinarbeiten aus der Zeit um 1600 wurden gereinigt und entsalzt. Die Restauratoren befestigten zudem lose Teile, ersetzten plastisch auch verlorengegangene Details an den Kunstwerken und nahmen eine farbliche Angleichung vor. Schriften wurden zum Teil erneuert und sind jetzt wieder besser erkennbar. Seit etwa 100 Jahren war an diesen Sandsteinarbeiten in der Naustädter Kirche keine grundlegende Reinigung und Entsalzung mehr vorgenommen worden.

 

Für Touristen attraktiv  

Die Epitaphien, die Grabdenkmäler in Lebensgröße von Mitgliedern der einstigen sächsischen Adelsfamilie von Miltitz, von Pfarrern und dem letzten Berggeschworenen Martin Richter (1582- 1626) sind als Teil der Repräsentations- und Erinnerungskultur des AdelsFiguren in der einstigen Naustädter Patronatskirche eindrucksvolle Zeugnisse der ländlichen Geschichte der Region und von ganz Sachsen. Mit der Erhaltung dieser meisterlichen Grabdenkmäler wird Naustadt und seine Kirche, die es seit über 850 Jahren gibt, für Touristen und weitere Besucher noch attraktiver und bekannter. Bereits 2005 war dort das historische Kaendler-Epitaph für Alexander von Miltitz restauriert worden.

 

Mit dieser Auffrischung weiterer historischer Kunstwerke setzt die Naustädter Kirchgemeinde nun einmal mehr ein Zeichen, wie wichtig ihr die Bewahrung geschichtlicher Zeugnisse ist. Denn das Grabmal des Berggeschworenen Martin Richter in der Turmhalle der Kirche zeugt anschaulich vom einstigen Silbererzbergbau in der Scharfenberger Region. Der Berggeschworene, der von den Bergleuten gewählt wurde, war gewissermaßen Kontakt- und Vertrauensperson sowohl für diese als auch für die Eigentümer der Gruben und des Bergamtes. Die Naustädter Kirche war viele Jahrhunderte die Patronats- und Begräbniskirche der sächsischen Adelsfamilie von Miltitz gewesen.

Dank an alle Spender

Die Gesamtkosten der Restaurierung der Sandsteinarbeiten betragen etwas über 50 000 Euro. Neben Mitgliedern der Kirchgemeinde hatten sich auch viele Bürger und Unternehmen von außerhalb mit Spenden an der Finanzierung beteiligt. Darunter war zum Beispiel das Wilsdruffer Bauunternehmen HIW Hoch- und Ingenieurbau. Auch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Sparkasse Meißen erwiesen sich abermals als Kulturförderer der Region. Sie stellten wie schon beim Kaendler-Epitaph auch diesmal Fördergelder für die Kunstwerke zur Verfügung, und zwar Mittel aus dem Zweckertrag des PS-Lotterie-Sparens. Die Spendenaktion „Herzen für hier“ der Sparkasse Meißen fand hier ebenfalls einen sinnvollen Niederschlag.

 

„Wir freuen uns sehr über die Restaurierung dieser Sachzeugen der Vergangenheit“, sagte Pfarrer Christoph Rechenberg. Er dankte der Kirchgemeinde und allen weiteren Beteiligten für ihr Engagement. Eine offizielle festliche Zeremonie aus diesem Anlass mit vielen Kirchgemeindegliedern und weiteren Interessenten sowie Kunst- und Geschichtsfreunden verhindert gegenwärtig die Corona-Pandemie. Aber wenn die Zeiten wieder besser sind, werde das nachgeholt. Klipphausens Bürgermeister Mirko Knöfel dankte auch schon mal vorab für diese erneute Initiative in Naustadt, mit der dieser Ortsteil und die Gemeinde weiter aufgewertet werden.

 

Salz rausgezogen

Die bekannten Diplom-Restauratoren Grit Stamm-LangeMalen und Michael Lange vom Atelier für Restaurierung im Schloss Kaufungen in Limbach-Oberfrohna (Landkreis Zwickau) waren seit März mit den Arbeiten an diesen Kunstwerken beschäftigt. Einige Epitaphien wurden in ihrer Werkstatt aufgefrischt, die meisten aber an Ort und Stelle in der Naustädter Kirche. Zunächst erfolgte eine Trockenreinigung mit Pinsel und Staubsauger. Die Restauratoren bedeckten dann mit Kompressen aus Zellulose-Fasern, die in destilliertem Wasser getränkt wurden, die Epitaphien. So wurde Salz aus dem Sandstein gezogen. Vor allem untere Bereiche der Epitaphien, wo über viele Jahrzehnte Feuchtigkeit und Salz Schäden verursacht hatten, waren besonders betroffen. „Zwei Kompressen-Durchgänge, die jeweils ein bis zwei Wochen andauerten, mussten die Kunstwerke über sich ergehen lassen“, sagte die 50-jährige Grit Stamm-Lange, die in Chemnitz geboren und aufgewachsen ist. Anschließend gab es noch eine Feuchtreinigung mit einem Mikroporenschwamm. Dann war die Steinfestigung an der Reihe. Mit Kieselsäureester, das bei der Hydrolyse Siliziumdioxid bildet und damit feinste Risse und Spalten im Sandstein mit einem Kieselgel-Film auskleidet, wurden die Epitaphien konserviert. „Wir haben auch Schriften an den Kunstwerken erneuert, teilweise auch farblich mit Gold-Pink“, bemerkte die Restauratorin. An nur wenigen Epitaphien sei insgesamt noch die ursprüngliche historische Farbgestaltung vorhanden. „Eine Restfarbigkeit, wir haben diese wieder sichtbar gemacht“, so Grit Stamm-Lange. Besonders am Epitaph für Pfarrer Christoph Freitag (gestorben 1595) ist diese noch gut erkennbar. Fehlstellen bei Details, wie zum Beispiel Finger, oder kleine Abbrüche wurden ausgeglichen, ebenso auch Löcher und Risse in den Epitaphien beseitigt.

 

Ein  neuer Sockel

Das Epitaph für Caspar Andreas Conradi (gestorben 1626), Sohn des Pfarrers Andreas Conradi, war hier besonders betroffen. Fuß und Schuh waren weg. Mit einem Zementrohr waren in der Vergangenheit diese Stellen durchbohrt worden. „Das haben wir nun wieder ergänzt“, sagte die 50-Jährige. Auch das Epitaph für den Berggeschworenen im Eingangsbereich der Kirche wies beträchtliche Schäden auf. Ein neuer Sockel wurde hier gemacht, das Kunstwerk neu zusammengesetztHerrscher, unschöne Zementergänzungen entfernt. Ein Steinmetz wurde da mit einbezogen. Am Altar galt es unter anderem etliche lose Teile wieder anzukleben.

 

Vogel aus Sandstein

Auch Kurioses kam bei der Restaurierung zum Vorschein. Hinter einem der ersteren Epitaphe rechts neben dem Altar ist unten links ein Vogel aus Sandstein entdeckt worden. Es kann eventuell ein Storch, ein Kranich oder eine andere Vogelart sein. Ein Fuß und ein Teil des Schnabels fehlen. „Wir müssen uns da noch bei Experten sachkundig machen, was es mit dieser Skulptur an ungewöhnlicher Stelle auf sich hat“, sagte Pfarrer Rechenberg. Diese Figur, die beim vorderen Betrachten des Epitaphes nicht sichtbar ist, scheint so momentan noch ein Rätsel zu sein.

 

Erfahrene Restauratoren

Mit Grit Stamm-Lange und Michael Lange vom Atelier für Restaurierung im Schloss Kaufungen in Limbach-Oberfrohna hat die Kirchgemeinde einen guten Griff gemacht. Sachkundig und akkurat gingen diese zu Werke, ihre großen Erfahrungen auf diesem Gebiet zahlten sich aus. Bereits bei der Restaurierung des Kaendler-Epitaphs in der Naustädter Kirche hatte Michael Lange (60), der in Frankenberg geboren wurde und in Augustusburg aufwuchs, sein Können bewiesen. Bisher hat das Ehepaar, das zusammen drei Kinder hat und Ende 2004 das Schloss Kaufungen (um 1600 erbaut) erwarb und dort in der Folgezeit Atelier und Wohnsitz einrichtete und das Gebäudeensemble sanierte, Kunstwerke und Einrichtungen in über 100 Kirchen restauriert, davon sehr viele in Sachsen. Auch in zahlreichen Schlössern und weiteren historischen Gebäuden in Sachsen und darüber hinaus hat es seine Visitenkarte hinterlassen, bei der Restaurierung von Portalen, Skulpturen, Decken und anderen bedeutsamen Zeugnissen der Vergangenheit, so unter anderem im Schloss Lauenstein und im Pretiosensaal des Grünen Gewölbes in Dresden. Im Museum in Mittweida restaurierte es Gipsmodelle von den Skulpturen und Plastiken des bekannten deutschen Bildhauers Johannes Schilling (1829-1910), der in Mittweida geboren wurde. Der Röhrsdorfer Pfarrer Christoph Rechenberg: „Wir sind froh, dass wir für die Restaurierung unserer Epitaphien in der Naustädter Kirche solche versierten Fachleute hatten.“

 

Text und Fotos: Dieter Hanke, 23.11.2020