Jetzt sicherer Schutz vor Hochwasser

 Der Speicher in Reichenbach wurde grundlegend modernisiert und schützt vor starken Regenfluten. Die neue wasserwirtschaftliche Anlage wurde jetzt eingeweiht

 Ein Großer Tag für die Gemeinde Klipphausen: Am Freitag, den 4. Dezember 2020, wurde das neue Regenwasserrückhaltebecken in Reichenbach offiziell eingeweiht. Bürgermeister Mirko KnöfelBM nahm mit der Regelung des Schiebers am Einlaufbauwerk, der die Abflussmenge des Baches Riemsdorfer Wassers durch den Damm steuert, dieses Bauwerk in Betrieb. „Das Regenrückhaltebecken ist nun eine wirksame wasserwirtschaftliche Anlage, die bei Unwettern und Hochwasser guten Schutz im Umland bietet. Dafür den Planern, Bauleuten, Genehmigungsbehörden und allen weiteren Beteiligten ein herzliches Dankeschön“, sagte der Bürgermeister.

Ganz exakt ist es zwar nicht, hier von einem Neubau zu sprechen, doch der Reichenbacher Speicher, der Mitte der 1980er Jahre von der Landwirtschaft gebaut worden war, wurde von den Bauarbeitern des Unternehmens STRABAG AG, Direktion Sachen/Thüringen, Bereich Ostsachsen, jetzt umfassend instandgesetzt und modernisiert. Die alte Anlage, die vormals zur Bewässerung von Kulturen, sowie Badelustigen zur Erfrischung und nur zum Teil auch für den Hochwasserschutz diente, hat nun eine generell andere Funktion. Es ist ausschließlich ein Regenrückhaltebecken. War früher der Speicher das ganze Jahr über meist gut mit Wasser gefüllt und wo Angler auch so manchen Fisch an Land zogen, bleibt er jetzt bis auf genannte Wetterkapriolen leer und wird nicht wieder befüllt. Er ist kein Badeteich mehr.

Vieles entstand neu

Der Speicher wurde völlig umgekrempelt, das Riemsdorfer Wasser, das durch das Becken fließt, gezähmt. Steffen Horn vom Bauamt der Gemeindeverwaltung, der dieses Vorhaben der Kommune mit in Regie hatte, schilderte zur Eröffnung in eindrucksvollen Worten, was hier alles neu entstand. So wurden verschlissene alte Einrichtungen wie zum Beispiel das Pumpenhaus oder das Tosbecken abgerissen. Der Damm bekam ein anderes Aussehen. Er ist jetzt etwa 150 Meter lang, 6,5 Meter hoch, vier Meter breit an der Krone und an die 50 Meter am Fuß. Auf der Wasser- und der gegenüberliegenden Luftseite wurde das Bauwerk mit Schotter, Kies, Netzen und Erde abgedichtet. Auf der Luftseite wurde der Damm auch verbreitert und abgeflacht, denn dieser ist nun eine überströmbare Anlage. Doch dann müssten es schon im Ernstfall mehr als 85 000 Kubikmeter Wasser sein, die das BeckenSpeichersteine bei Vollstau fasst. Erst dann kommt es zum kontrollierten Überlauf an der Dammkrone.

„Der Damm wurde grundlegend ertüchtigt. So brachten die Bauleute auf der abgeflachten Seite des Dammes ein Geogitter ein, das mit Schotter gefüllt und mit einem Decknetz versehen ist“, sagte Steffen Horn. Auf der Wasserseite haben sie am Dammfuß eine breite Betonitmatte gelegt, eine Abdichtung auf mineralischer Basis, die ein Durchfeuchten und Durchsickern des Wassers durch den Damm verhindert.

Imposantes Einlaufbauwerk

Bei einem Rundgang durch die wasserwirtschaftliche Anlage machten sich die Gäste zur Eröffnung, unter ihnen auch der frühere Klipphausener Bürgermeister Gerold Mann sowie der ehemalige Bauamtsleiter Dieter Schneider, ein anschauliches Bild von dem neu Geschaffenen. Ins Blickfeld rückte da vor allem auch das Einlaufbauwerk mit dem Mönch - gewissermaßen das Regelorgan für den Wasserablauf mit der entsprechenden Steuerung.  Ein Betriebssteg aus Stahl führt von der Dammkrone bis zur Öffnung des sieben Meter hohen Mönches. In einem Schacht können dort die Anlagenbetreuer einsteigen und auch das große begehbare Wasserrohr im Damm inspizieren. Dieses führt in einer Tiefe von etwa sechs Metern etwa 60 Meter durch den Damm. Bis zu 200 Litern Wasser pro Sekunde können am Einlaufbauwerk durch das Rohr fließen und dann auf der anderen Dammseite seinen Verlauf im Wildbett des Baches fortsetzen, erst dann kommt es zum Rückstau. Gegenwärtig sind es aber nicht mal zehn Liter, die das Riemsdorfer Wasser bringt. Die Klimaveränderungen mit der Trockenheit im Boden sind da die Ursache.

Biotop wurde geschaffen

Sehr erfreulich, dass nach der abgeflachten Dammseite bis zum nahegelegenen Flora-Fauna-Habitat ein Restgewässer angelegt wurde, das vom Riemsdorfer Wasser gespeist wird. Es soll mal ein Biotop für Lurche, Frösche, Kröten und weitere Amphibien werden.

Noch vieles weitere wurde zur Eröffnung begutachtet oder kam zur Sprache. Der Planungschef für dieses Großvorhaben der Gemeinde, Wolfram Hagstotz vom gleichnamigen Planungsbüro aus Dippoldiswalde, STRABAG-Bauleiter Thomas Rind und Heiner Wellemeyer von der Unteren Wasserbehörde des Landratsamtes gaben da den Anwesenden ausführlich Auskunft. So sollte beispielsweise ursprünglich das neue Ablassrohr unter dem Damm in offener Bauweise verlegt werden. Um aber dem vorhandenen Damm nicht zu schaden, wurde deshalb gepresst. Zu diesem Speicherprojekt gehört ferner auch, dass Sträucher an der Anlage gepflanzt worden. Gras bedeckt die Dammseiten. Von der Dammkrone führt ein Wirtschaftsweg zur Verbindungsstraße nach Bockwen, der asphaltiert oder mit Betonsteinen Treppeversehen wurde. Interessant auch, dass Zauneidechsen nun wieder ihr angestammtes Quartier, ihre Liegewiese auf der Sonnenseite des Dammes, erhalten haben. Während der Bauphase hatten sie angrenzend am Speicherbecken einen Interimsstandort erhalten.

Lob für STRABAG

Steffen Horn brachte es auf den Punkt: „Eine super Leistung von STRABAG. Professionell, solide und qualitätsgerecht wurde gearbeitet. Die Bauleute haben großen Einsatz gezeigt.“ Und STRABAG-Bauleiter Bauingenieur Thoms Rind (39), fast 20 Jahre bei diesem Unternehmen, gab das Kompliment zurück. „Wir konnten gut und termingerecht bauen, weil es eine enge Gemeinsamkeit und Abstimmung mit der Gemeinde und dem Planungsbüro gab.  Zudem hat auchdas Wetter mitgespielt.“

Die Arbeiten zur grundlegenden Instandsetzung hatten im November 2019 begonnen. Das Ganze schließt auch mit ein, dass sich die Genehmigungsbehörden für dieses Vorhaben und so auch die Untere Wasserbehörde und die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises da engagiert mit einbrachten. Heiner Wellemeyer von der Unteren Wasserbehörde bemerkte: „Eine hervorragend gelungene Baumaßnahme, die eine wesentliche Verbesserung des Hochwasserschutzes mit sich bringt.“

Ein langwieriges Bauvorhaben

Das Bauprojekt war finanziell aufwendig.  Über zwei Millionen kosten allein die baulichen Arbeiten, hinzu kommen noch Kosten für Planung oder unter anderem auch zur Klärung statischer Grundlagen oder für Nachweise zur Damminstandsetzung und Kunstbauten. Insgesamt war dieses Hochwasserprojekt der Gemeinde recht langwierig. Steffen Horn berichtete darüber. Es war ein langer Weg bis zum wasserrechtlichen Plangenehmigungsbescheid für den Hauptspeicher im Juli 2018.

Schon 2014 war mit diesem Projekt konkret begonnen worden. Der Dauerstau im Becken wurde abgesenkt, später erfolgte das Abfischen des Gewässers. Die Planungen im zeitlichen Ablauf und Genehmigungsverfahren waren sehr aufwendig und wurden teilweise auch unterbrochen. Zahlreiche Behörden und Fachgremien mussten eingebunden werden. Auch ungeklärte Besitzverhältnisse der Flächen des Speicherbeckens hemmte den Fortgang. Mit einem Flurneuordnungsverfahren wurde dann Klarheit geschaffen. Auch die Finanzierung und die Beantragung von Fördermitteln von Bund und Freistaat und deren Bewilligung kosteten Zeit. Schon in vergangenen Jahren waren am Speicher einige Bauarbeiten erfolgt. So wurde zum Beispiel die obere Vorsperre von Sedimenten befreit. Das Riemsdorfer Wasser hatte dort Erde aus umliegenden landwirtschaftlichen Flächen angeschwemmt.

Gerold Mann freut sich 

Für den ehemaligen langjährigen Klipphausener Bürgermeister Gerold MannGruppenbild Steine geht mit der Übergabe dieses Großvorhaben der Gemeinde ein großer Wunsch in Erfüllung. „Es ist wunderbar, dass wir nun am Ziel angekommen sind. Unsere beharrlichen Bemühungen als Gemeinde in all den vergangenen Jahren für dieses Projekt haben sich jetzt ausgezahlt.“ Gemeinsam mit dem früheren Bauamtsleiter Dieter Schneider hatte Gerold Mann die Weichen für die Instandsetzung des Speichers mit einem besseren Hochwasserschutz gestellt. Er erinnerte daran, wie beim Hochwasser 2002 und 2013 das Riemsdorfer Wasser zu einem reißenden Gewässer wurde, wo Fluten die Hänge hinabstürzten und den internationalen Campinglatz Rehbocktal und die B 6  überschwemmten, Gebäude, Durchlässe und  Wege von Batzdorf bis zur B 6 zerstörten. „Beim August-Hochwasser 2002 mussten wir Menschen vom Campingplatz evakuieren und mit schwerer Technik Fahrzeuge und Zelte bergen“, sagte Gerold Mann. Alle Beteiligten waren sich bei der Eröffnung des neuen Rückhaltebeckens einig, dass nun die niederen Täler, der Campingplatz, die Rehbockschänke Scharfenberg, die B 6 und noch weitere Fluren und Einrichtungen durch dieses Rückhaltebecken gut geschützt werden.

 

skalaHagstotz

 Text und Fotos Dieter Hanke, 10.12.2020