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Rothschönberger Stolln ist im Blickpunkt

Neue Aktivitäten: Übersichtstafel aufgestellt, im Schloss Rothschönberg entsteht eine extra Schau und Bauprojekte sind vorgesehen...

Seit Kurzem steht eine große Übersichtstafel an der Verbindungsstraße von Groitzsch nach Rothschönberg über Perne am Abzweig des Wanderweges zum HauptmundlochSchilder des Rothschönberger Stollns. Von hier aus sind es noch knapp 200 Meter bis zum Stollntor. Die Tafel stammt vom Welterbeverein Montanregion Erzgebirge/Krusnohori. Aufgestellt hat sie der Bauhof der Gemeinde Klipphausen. Bekanntlich hat das Welterbekomitee der UNESCO im Juli 2019 dieser Montanregion den Welterbe-Status zugesprochen und damit insgesamt 17 Bestandteile auf deutscher und fünf auf tschechischer Seite in die Liste für schützenswertes Erbe aufgenommen. Ausgewählte Denkmäler, Natur- und Kulturlandschaften gehören seitdem zu dieser weltweit renommierten Auszeichnung. Auch der Rothschönberger Stolln, der zum wasserwirtschaftlichen System des Bergbaugebiets Freiberg gehört, eines der Welterbe-Bestandteile, ist da mit einbezogen. Mit dem Hauptmundloch (Stollntorportal) sowie dem etwa 500 Meter davon entfernt gelegenen Röschenmundloch am rechten Triebischhang in  Rothschönberg (am Geopfad Triebischtal), wo das Wasser aus dieser unterirdischen Verbindung in die Triebisch fließt, ist die Gemeinde Klipphausen so mit Teil des Welterbes. Sie gehört auch zusammen mit über 30 Städten und Gemeinden und den drei Landkreisen Mittelsachsen, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und dem Erzgebirgskreis dem Verein Welterbe Montanregion Erzgebirge an, der Träger der Welterbenominierung ist.

Eine Quelle des Wissens

Diese großformatige Info-Tafel ist ein Fundus des Wissens – optisch gut gestaltetet, mit Karten, Bildern, Texten und grafischen Elementen. Wanderer, Ausflügler und weitere Interessierte erfahren so auf dem Weg kurz vor dem Stollntor viele Fakten aus der 800-jährigen Geschichte des sächsisch-böhmischen Erzbergbaus. Die einzelnen ausgewählten Bestandteile der Montanregion werden genannnt, auch ein Karte veranschaulicht dies. Das Freiberger Bergrevier mit dem Rothschönberger Stolln, das nicht nur das älteste, sondern auch das größte und bedeutendste sächsische Bergrevier ist, wird auf dieser Tafel dargestellt. Über Jahrhunderte wurden hier Silber, Kupfer, Bleierze und andere Bodenschätze abgebaut. Besonders im Blick auf dieser Info-Tafel ist der Rothschönberger Stolln, der die unterirdische Verbindung dieses verzweigten Reviers von Brand-Erbisdorf bis Halsbrücke mit den weiteren 13,9 Kilometern bis Rothschönberg ist. Er wurde von 1844 bis 1877 erbaut, ist etwa drei Meter hoch und 2,5 Meter breit und dient bis in die Gegenwart zur Entwässerung der Gruben um Halsbrücke, Großschirma, Freiberg und Brand-Erbisdorf. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt der über 50 km lange Stolln als längster unterirdischer Bau der Welt. Bei normalen Verlauf sind es etwa 350 bis 450 Liter Wasser in der Sekunde, die in Rothschönberg in die Triebisch fließen.

Extra Ausstellung im Schloss

Diese neue Info-Tafel gehört zu den Aktivitäten des Welterbevereins sowie des Rothschönberger Heimatvereins und der Gemeinde Klipphausen, die den Rothschönberger Stolln, einer der Meisterleistungen in der sächsischen Bergbautradition, für die Nachwelt bewahren und dem Bekanntheitsgrad neue Impulse verleihen wollen. Zwar hat Corona auch hier manches vorerst gebremst. Doch die Akteure sind zuversichtlich, bald wieder mehr in der Öffentlichkeit präsent zu sein. „Wir hoffen, dass wir wieder zum Tag des offenen Denkmals im September das Stollntor öffnen und den Besuchern dieses historische Bergbauzeugnis vorstellen können“, sagt Eckhart Richter, stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins Rothschönberg. Der 64-Jährige, der auch Wanderwegewart im Triebischtal ist, dort auch 2006/07 den bekannten Geolehrpfad vom Alten Kalkbergwerk in Miltitz bis nach Rothschönberg mit geschaffen hat, ist da gewissermaßen Spiritus Rector in Sachen Rothschönberger Stolln. So wird unter seiner Leitung in diesem Jahr auch ein extra Raum im Schloss Rothschönberg eingerichtet, wo Tafeln und weitere Exponate speziell über Geschichte und Gegenwart des Stollns informieren. „Diese Schau gehört dann mit zu den Dauerausstellungen des Heimatvereins im Schloss“, bemerkt Eckhart Richter. So informiert eine ständige Ausstellung über die Schlossanlage, die als eines der ältesten sächsischen Herrensitze gilt. Deren frühesten erhaltenen Bauteile reichen in das 15. Jahrhundert zurück. Das Schloss war über Jahrhunderte Stammsitz des Adelsgeschlechts von Schönberg. Aber auch die Dauerschau zum einstigen Bergbau im Triebischtal und die vielen ausgestellten Mineralien und Erze sind hier sehenswert. Dazu kommt noch seit einiger Zeit eine Sonderausstellung zur Schulgeschichte im Triebischtal, die auch in diesem Jahr noch geöffnet ist.

Historische Exponate

In der neuen Schau zum Rothschönberger Stolln werden dann zum Beispiel auch eine historische Eisengusstafel vom Stollntor aus dem Eröffnungjahr 1877 zu sehen sein, die der Rothschönberger Heimatverein als Dauerleihgabe vom Oberbergamt Freiberg erhalten hat. Der Verein Montanunion fördert dieses Ausstellungsprojekt „Rothschönberger Stolln“ im Schloss mit einem Zuschuss von 1000 Euro.

Übrigens soll in diesem Jahr auch eine denkmalgeschützte Außenmauer am Schloss saniert werden, wie Elvira Grübler, Bauamtsleiterin in der Gemeinde Klipphausen, informiert. Die Instandsetzung dieser Mauer ist seit Langem eine Forderung des Denkmalschutzes vom Meißner Landratsamt.

Sanierung des Stollntores

Auch die Gemeinde bringt sich zum Rothschönberger Stolln mit ein, denn der Welterbetitel ist eine Chance, dass die Region bekannter wird und dass auch der Tourismus neue Impulse erhält. So hat die Verwaltung ein Konzept erarbeitet, um die Bedingungen an diesem Standort zu verbessern. Wie Elvira Grübler sagt, soll beispielsweise 2022 das Stollntor am Hauptmundloch saniert werden. Auch ein Podest für die Besucher hinter dem Eingang, das einen Blick in die Tiefe ermöglicht, soll modernisiert werden. „Ebenfalls ist nächstes Jahr vorgesehen, die Beleuchtung am Hauptmundlich zu verbessern“, so die Bauamtsleiterin. Ein fest installierter Elektroanschluss, wofür sich auch Zuleitungen im Gelände erforderlich machen, soll installiert werden. Elvira Grübler: „Wir streben schrittweise Erneuerungen an, um dieses technische Denkmal zu bewahren und dem Welterbetitel gerecht zu werden.“

Letzte Phase im Stolln

Schon vorher, in diesem Jahr, will das Oberbergamt Freiberg, den Rothschönberger StollnEingangstor planmäßig weiter sanieren. Denn würde dieser durch Tagbrüche und andere Schäden verstopft und ein unkontrollierter Abfluss des Wassers wäre die Folge, könnte auch das Triebischtal überschwemmt werden. Das Sächsische Oberbergamt nimmt deshalb nun die letzte Phase der Sanierung des Stollns in Angriff. Wie der Medienservice Sachsen, dessen Herausgeber das Oberbergamt Freiberg ist, informiert, sei es Ziel, den etwa 5,2 langen Abschnitt unter der Stadt Freiberg zwischen dem Drei-Brüder-Schacht im Ortsteil Zug und dem Schacht Reiche Zeche des Forschungs- und Lehrbergwerkes der TU Bergakademie geotechnissch zu sanieren und seine Funktion als Wasserlösestolln abzusichern. Inzwischen sind erste bergtechnische Arbeiten am Drei-Brüder-Schacht und am Schacht Rote Grube im innerstädtischen Bereich Freibergs angelaufen.  

Zur Vorbereitung dieser Sanierungsphase, so das Oberbergamt weiter, wurde bereits 2014 bis 2017 der Drei-Brüder-Schacht in Zug rekonstruiert. Für die Dauer der Sanierungsarbeiten müsse nun zunächst auch der Schacht Rote Grube am Roten Weg ertüchtigt und zum zentralen Zugangs-, Versorgungs- und Fluchtpunkt ausgebaut werden. Mit der Schaffung dieses dritten Zugangspunktes zum Stolln würden für die bergtechnischen Arbeiten unter der Stadt auch alle logistischen Voraussetzungen im Stolln, wie Stromversorgung, Bewetterung und Personen- bzw. Materialtransport entstehen. Hierfür werde die Schachtröhre zunächst komplett beräumt und saniert. Zudem werde der Schacht mit einer Trafostation für die ausreichende Stromversorgung und einer maschinellen Befahrungsanlage bis auf Niveau des Rothschönberger Stollns ausgerüstet. Parallel zu diesen Arbeiten am Schacht Rote Grube haben über den Drei-Brüder-Schacht bereits erste Sanierungsarbeiten im Stolln begonnen.

Die Sanierung soll bis 2023 abgeschlossen sein, wie das Oberbergamt mitteilt. Diese werde durch Steuermittel finanziert auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts. Rund zehn Millionen soll das Ganze kosten, anteilig aus Mitteln der Aufbauhilfen Hochwasser 2013 und als Maßnahme zur Bewältigung langfristiger Bergbaufolgen.

Text und Fotos Dieter Hanke, 04.02.2021