^ Nach oben

Fast so hoch wie der Dresdner Fernsehturm

An der Baeyerhöhe bei Lampersdorf sollen Riesenwindräder hinzukommen. Die Gemeinde will mit einem Bebauungsplan Auswüchse verhindern...

Es zischt an der Baeyerhöhe. Tag und Nacht. Ein monotones Geräusch, das nervt. Günther Maier möchte am liebsten mit Ohrstöpseln gehen. „Manchmal ist der Lärm kaum auszuhalten“, sagte der Schmiedewalder dieser Tage. Über 20 Jahre wohnt der 66-Jährige schon mit seiner Familie an der Birkenhainer Straße. An die 700 Meter entfernt pfeifen die Flügel von fünf Windkraftanlagen, die 1997 sowie in den Jahren 2003/04 errichtet wurden. „Unsere Lebensqualität leidet sehr unter dem Lärm und den Schattenwürfen der Anlagen“, bemerkte er. Und er befürchtet, dass die Belastungen bald noch zunehmen werden. Denn laut dem Regionalplan Oberes Elbtal-Osterzgebirge, dessen 2. Gesamtfortschreibung im September 2020 wirksam wurde, sollen an der Baeyerhöhe, dem vom Planungsverband ausgewiesenen Vorrang- und Eignungsgebiet zur Windenergienutzung, weitere und noch höhere Anlagen hinzukommen.

An die 230 Meter hoch

In der Meißner Lokalausgabe der Sächsischen Zeitung war am 6. April 2021 zu lesen, dass die Sabowind GmbH aus Freiberg zwischen der Birkenhainer Straße und der Autobahn eine Windkraftanlage errichten will mit einer Nabenhöhe von 166 Metern. Dagegen sind die schon bestehenden Windräder an der Baeyerhöhe entlang des Weges Schäfereiberg, die etwa 100 Meter hoch sind, die reinsten Windrad-Zwerge. Denn zur Nabenhöhe der Freiberger Anlage gesellen sich ja noch die drei Windradflügel, die jeweils an die 60 bis 70 Meter lang sind. Mit anderen Worten: Ein Riesenwindrad von etwa 230 Meter Höhe. Fast so hoch wie der Fernsehturm in Dresden-Wachwitz, der 253 Meter misst.

Doch Sabowind aus Freiberg ist nicht das einzige Windkraft-Unternehmen, das von dem kräftigen Wind auf der Baeyerhöhe, die mit 322 Metern zu den höchsten Erhebungen im Landkreis Meißen zählt, profitieren und mit solchen hohen Anlagen bessere Stromerträge erzielen will. Diese windige Ecke bei Lampersdorf weckt auch anderenorts Begehrlichkeiten. Bereits fünf Windrad-Betreiber haben schon beim Klipphausener Bürgermeister Mirko Knöfel vorgesprochen, um an der Baeyerhöhe zum Zuge zu kommen.

Schon Verträge abgeschlossen

In den vergangenen Jahren waren schon etliche Mitarbeiter von Windkraft-Betreibern über die Fluren der Baeyerhöhe gezogen, um von den Grundstücksbesitzern Land abzukaufen oder langfristig zu pachten. Auf Monitoren wurden schon mal Geländemodelle mit neuen Windrädern vorgestellt. Mit vorteilhaften Verträgen sollten die Landeigentümer gelockt werden. Im Gespräch war damals, dass nur für die Unterschrift unter dem Vertrag an die 1 000 Euro je Hektar ausgereicht wurde, plus ein ansehnliches Handgeld. Doch noch mehr Geld soll dann fließen, wenn die neuen Anlagen stehen. Denn bereits ein 100 Meter hohes Windrad bringt in der Regel den Windrad-Investoren im Jahr an die 400 000 Euro an Bruttoertrag. Sechs bis sieben Prozent davon wären für die Landeigentümer – immerhin 30 000 Euro im Jahr als Pacht. So steht es im Vertrag. Bereits 2014/15 ließen sich zwei Landeigentümer an der Baeyerhöhe davon beeindrucken. Sie verpachteten ihre Flächen für über 20 Jahre an einen Windkraft-Betreiber. Mittlerweile haben aktuell noch weitere Grundstückseigentümer an der Baeyerhöhe Verträge mit Windrad-Unternehmen abgeschlossen, zumal bei den jetzt geplanten höheren und leistungsfähigeren Anlagen auch mehr Geld ausgereicht wird.

Bestandsschutz für alte Anlagen

Etwa 200 Hektar umfassen die Flächen an der Baeyerhöhe, die für die Windrad-Betreiber von Interesse sindWindrad. Im Einzelnen geht es um Größen von einem halben bis 50 Hektar. Trotz sinkender Vergütung für die Einspeisung ins Stromnetz wäre da für die Windrad-Investoren immer noch eine Super-Rendite zu erzielen.   

Dass es in Sachen Windenergie an der Baeyerhöhe bislang noch nicht zu einer weiteren konkreten Bebauung kam, hat vor allem planungsrechtliche Gründe. Der Freistaat Sachsen und der Regionale Planungsverband Oberes Elbtal-Osterzgebirge kamen lange Zeit nicht konkret überein, wie es mit dem Ausbau der Windenergie zur Erreichung der Klimaziele vorangehen soll. Jetzt wurden aber mit der 2. Gesamtfortschreibung des Regionalplanes die Weichen gestellt, wobei die beschlossenen Ziele der Raumordnung für die Planung der Gemeinde Klipphausen verbindlich sind und für das Vorrang- und Eignungsgebiet zur Windenergienutzung Baeyerhöhe ein prognostizierender Energieertrag von 61,7 Gwh/Jahr vorgeschrieben ist. Das ist aber nicht mit den dort schon bestehenden Anlagen zu erreichen. Diese besitzen zwar Bestandsschutz, ein Repowering ist hier aber unzulässig. Solange die Kosten der vorhandenen fünf Anlagen für Wartung und Reparaturen in Grenzen bleiben und die Windräder dem Betreiber, der BOREAS-Gesellschaft, noch Gewinn bringen, werden diese wohl noch eine Zeitlang laufen und erst später abgebaut werden.

Auch die BOREAS Energie GmbH aus Dresden möchte weitere Windkraftanlagen auf der Baeyerhöhe errichten. Susann Wickert, Regionalleiterin für Sachsen, bemerkte jetzt gegenüber dem Amtsblatt: „Die BOREAS Energie begrüßt, dass die Gemeinde Klipphausen die Nutzung des Vorranggebietes Baeyerhöhe mit Windenergieanlagen über einen Bebauungsplan steuern möchte, um eine geordnete städtebauliche Planung zu gewährleisten.“ Die Planung von BOREAS werde sich an den Vorgaben des in Aufstellung befindlichen Bebauungsplanes orientieren und diese beachten. Susann Wickert: „Die Interessen der Gemeinde und der am Vorhaben Beteiligten werden in die Planung von BOREAS einfließen und Berücksichtigung finden. Es werden Windenergieanlagen des aktuellen technischen Standes zum Einsatz kommen, entsprechend den Festlegungen des künftigen Bebauungsplanes.“ 

Auch ein Vogelschutzgutachten

Baeyerhöhe und Windradnutzung ist schon seit vielen Jahren ein brisantes Thema in der Gemeinde. Nicht den Wind aus den Segeln nehmen wollten sich schon 2012 Gemeinderat und Verwaltung. Einmal wurde da eine Veränderungssperre für die Baeyerhöhe festgelegt, was die künftige Bebauung betrifft, und zum anderen setzte in jenem Jahr die Gemeinde mit einem Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan noch eines drauf. Es ging damals um ein Gesamtareal in den Gemarkungen Seeligstadt, Schmiedewalde und Lampersdorf von insgesamt über 200 Hektar. Der damalige Bürgermeister Gerold Mann sagte: „Wir sind für alternative Energien, auch nicht gegen eine Windradnutzung auf der Baeyerhöhe, wir wollen dort aber Auswüchse verhindern und uns Gestaltungsspielraum in dem betreffenden Bereich schaffen.“

In den folgenden Jahren wurde die Veränderungssperre für die Baeyerhöhe nochmals fortgeschrieben. Es gab auch schon erste Planungen für den Bebauungsplan, der allerdings nicht zum Abschluss kam. 2018 hatten Rat und

Verwaltung in einer Stellungnahme zum Entwurf des Regionalplanes gefordert, das Vorrang- und Eignungsgebiet Windenergienutzung Baeyerhöhe ersatzlos zu streichen. Doch das wurde vom Regionalverband abgelehnt. Die Klipphausener hatten außerdem ein Vogelschutzgutachten in Auftrag gegeben, um in Erfahrung zu bringen, welche Brut- und Nahrungsgebiete von Vögeln an der Baeyerhöhe anzutreffen sind.

Fast alle Flächen in Privatbesitz

Nun ein neuer Anlauf, um eine Überfrachtung dieses windigen Standortes mit Stahlriesen zu vermeiden. Im Januar 2020 fassten die Gemeinderäte mit übergroßer Mehrheit erneut einen Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan „Windenergienutzung Baeyerhöhe“, der im Februar 2021 sachlich und räumlich ergänzt wurde. Der Geltungsbereich dieses B-Planes besteht aus den Teilbereichen A und B und erstreckt sich zwischen den Ortsteilen Lotzen, Lampersdorf, Seeligstadt und Schmiedewalde. Insgesamt handelt es sich um eine Fläche von 104,4 ha, davon entfallen auf den Teil-Geltungsbereich A 91,9 ha und auf den Teil-Geltungsbereich B 12,5 ha. Zu 99,9 Prozent sind diese Flächen in Privatbesitz (in der Teilfläche A sind es 18 private Eigentümer und in der Teilfläche B ein privater Eigentümer). Der Teilbereich A wird im Wesentlichen begrenzt im Norden durch den Rad- und Wanderweg Baeyerhöhe, im Westen durch den Alten Viehweg und im Süden und Osten durch landwirtschaftliche Nutzflächen der Gemarkung Lampersdorf. Beim Teilbereich B sind es im Norden die Birkenhainer Straße (K 8038), im Westen landwirtschaftliche Nutzflächen der Gemarkung Schmiedewalde, im Süden die Autobahn 4, im Südosten landwirtschaftliche Flächen der Gemarkung Limbach und im Osten landwirtschaftliche Flächen der Gemarkung Schmiedewalde.

Der Gemeinderat beschloss zudem im Februar dieses Jahres eine Veränderungssperre für den Geltungsbereich des Bebauungsplanes. Zur Sicherung der Erschließung und von Teilen des naturschutzfachlichen Ausgleichs innerhalb des Plangebietes wurde die räumliche Abgrenzung auch so modifiziert, dass die an das Vorrang- und Eignungsgebiet Windenergie angrenzenden Flächen mit in den räumlichen Geltungsbereich des Bebauungsplanes einbezogen wurden.

Ein bedeutsamer Messpunkt

Die Landschaft an der Baeyerhöhe ist sehr reizvoll und kulturhistorisch bedeutsamStein. So hat man von der Kuppe eine weite Sicht bis in das Erzgebirge. Schöne Wanderwege führen hier entlang. Die Baeyerhöhe hat zugleich maßgebliche Bedeutung als Messpunkt. Bereits 1866 befand sich dort eine Königlich-Sächsische Station der Mitteleuropäischen Gradmessung, wovon eine Vermessungssäule kündet. Diese Station schreibt Technik- und Kulturgeschichte, ist ein geschütztes Denkmal.

Aber auch eine Vielzahl von Vögeln ist an der Baeyerhöhe und angrenzenden Flächen heimisch oder hat dort ihre Flugroute, Brut- und Rastplätze. Das betrifft zum Beispiel Fledermäuse, Bussarde, Milane, Wildenten, Störche, Falken und andere Vögel. In einem avifaunistischen Gutachten, das der freiberufliche Umweltplaner Tommy Kästner aus Dresden im Vorjahr der Gemeinde vorlegte, wird das bestätigt. Jetzt wird noch ein österreichisches Unternehmen in Sachen Vogelschutz ein weiteres Gutachten für die Baeyerhöhe erstellen, wobei hier der Fokus besonders auf Zugvögel liegt.

Ziele des Bebauungsplanes

Generell verhindern kann die Gemeinde Klipphausen den Bau von weiteren Windrädern an der Baeyerhöhe nicht. Die Rechtslage ist da eindeutig. Klar ist auch, dass Gemeinderäte und Verwaltung für einen umweltverträglichen Energiemix sind, für eine alternative Energiegewinnung und dafür, dass Sachsen hier seine Klimaziele erreicht. Doch ebenso sind sie der Ansicht, dass das nicht verstärkt zu Lasten der Bürger, der Natur, Kulturlandschaft und Tiere erfolgen sollte. Das gute Anliegen der Windkraftnutzung dürfe nicht mit immensen Nachteilen in anderen Bereichen erkauft werden. Sie wollen ein Mitsprachrecht. Bürgermeister Mirko Knöfel sagte gegenüber dem Amtsblatt zum Anliegen des Bebauungsplanes: „Die Gemeinde will die Baufenster und damit die Anzahl für zukünftige Windkraftanlagen an der Baeyerhöhe sowie Zufahrten, zu erbringende Ausgleichsmaßnahmen und die Anlagenhöhe festlegen. Dabei werden die Ziele des Regionalplanes, Belange des Naturschutzes und des Landschaftsbildes berücksichtigt. Das könnte natürlich auch ein Investor tun. Allerdings gibt es da einen entscheidenden Unterschied: Die Gemeinde wird das Gebiet rechtssicher, neutral und vor allem unter Berücksichtigung der Interessen der Bürger überplanen. Wenn Investoren so eine Sache in die Hand nehmen, steht meist nur der Profit im Vordergrund. Die Interessen der Bürger bleiben oftmals unberücksichtigt. Für mich stehen die Einwohner von Klipphausen im Vordergrund, denn sie müssen die nächsten Jahrzehnte mit den Anlagen leben. Deswegen ist für mich jeder Euro in dieser Sache sehr gut angelegtes Geld.“

Mit einem Bebauungsplan hat die Gemeinde auch gegenüber einer Windrad-Einzelbaugenehmigung den Vorteil, dass Anlagen mit einem homogenen Erscheinungsbild gebaut werden. Bei einem Verzicht auf einen Bebauungsplan, so Sabine Schreiber vom Radeberger Planungsbüro Schubert, könnten unterschiedliche Anlagen in Höhe und Gestalt errichtet werden, was eine wesentlich größere Beeinträchtigung des Landschaftsbildes mit sich bringen würde. Auch wäre keine Bündelung der Erschließung möglich, um eine Flächeninanspruchnahme für Zuwegungen und Nebenanlagen zu minimieren. Außerdem könne die Gemeinde mit einem B-Plan sichern, dass Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff in die Natur im Umfeld des Standortes oder zumindest in der Gemeinde erfolgen. Bei einem einzelnen Bauantrag könnte das sonst auch an anderen Stellen im Landkreis vorgenommen werden. 

Ausgrenzung der Kuppe

Eine Stellungnahme zum Windrad-Ausbau hat Manfred Kümmel dieser Tage schon bei der Gemeinde abgegeben. Er wohnt in Lampersdorf. Seit 1992 betreibt er dort eine Pension. Der ehemalige Bauernhof unweit der Baeyerhöhe ist seit über 150 Jahren in Familienbesitz. „Wir besitzen auch Flächen an der Baeyerhöhe. Verpachtet an einen Windrad-Betreiber haben wir diese nicht. Wir wollen erst Klarheit, was wird“, sagte der 74-Jährige. So würden auch andere Mitglieder der Interessengemeinschaft Baeyerhöhe, die dort Land besitzen, denken. Der Lampersdorfer fordert eine Ausgrenzung der Kuppe der Baeyerhöhe mit dem trigonometrischen Punkt in einem Radius von 400 Metern aus der Windrad-Planung. „Auch sollte die Nabenhöhe der Anlagen nicht mehr als 100 Meter betragen“, sagte er. Und falls Windräder hinzukommen, sollte als Eingriff in die Natur die Gründchenwiese wieder hergestellt werden.

Ein weiterer Grundstücksbesitzer, der ebenfalls Flächen an der Baeyerhöhe besitzt, bemerkte: „Uns ist die Natur und Landschaft Sitzgruppenicht einerlei. Wir sind hier aufgewachsen. Es ist schön im Dorf zu leben. Hier hat man seine Traditionen. Das schafft Lebensfreude. Uns gefällt die schöne Baeyerhöhe, von der man weithin in das Land blickt. Deshalb wollen wir nicht unsere Gegend mit mehreren Mega-Windrädern verschandeln.“

Bürgerkraftwerk als Option

Aber noch eine andere Sache ist bei dieser Problematik erwähnenswert. Stichwort Bürgerkraftwerk. Gemeinderat Uwe Krause vom Triebischtaler Bürgerbündnis Klipphausen meinte: „Wenn schon neue Anlagen errichtet werden, warum sollen dann nur die Windrad-Investoren den Gewinn für sich abschöpfen? Von einem profitablen Windpark könnten doch auch die Bürger etwas haben. Eine Bürgerbeteiligung an einem Windrad wäre da eine Möglichkeit“, meinte er. Deshalb würde sich das Triebischtaler Bürgerbündnis auch mit so einer Frage beschäftigen. Auch für das Bündnis Freie Wählergemeinschaft im Gemeinderat wäre ein Bürgerkraftwerk eine Option. Und Uwe Krause meinte noch: „Ein Bürgerkraftwerk ist eine gangbare Lösung. Denn die derzeitige Umlage für die Haushalte nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) wäre sonst nichts anderes als die von allen Verbrauchern teuer mit der Stromrechnung bezahlte Subvention für die erneuerbaren Energien.“ 

Vorentwurf vorgestellt

Das Radeberger Planungsbüro Schubert hatte in der März-Sitzung 2021 des Gemeinderates den Vorentwurf dieses Bebauungsplanes vorgestellt. Konkrete Baufenster, Anzahl der Anlagen und Anlagenhöhe (um einen möglichst großen Windertrag bei gleicher Höhe aller Anlagen zu erzielen und damit auch nachteilige Landschaftsbildauswirkungen zu minimieren) werden allerdings erst in der späteren Planung festgelegt. Doch im Vorentwurf sind schon andere interessante Fakten enthalten. So wurde unter anderem als Rahmenbedingung für die Lage der Windrad-Baufenster ein 1000-Meter-Abstand zu Wohngebäuden im planungsrechtlichen Innenbereich (Lotzen, Schmiedewalde) genannt. Eine Unterschreitung ist hier nur unter Beachtung der Höhenbegrenzung der Anlagen zulässig (Abstand mindestens 5-fache Anlagenhöhe). Für den planungsrechtlichen Außenbereich gilt ein 750-Meter-Abstand (u. a. Lampersdorf). Weiterhin wurden ein 100-Meter-Abstand zu potenziellen Brut- und Nahrungshabitaten des Rotmilans und ein 100-Meter-Abstand zum Aussichtspunkt Baeyerhöhe (Triangulationssäule) festgelegt.

Öffentlichkeit wird beteiligt

Jetzt folgt in Sachen Windrad-Ausbau der nächste Schritt. Der Gemeinderat hat Anfang März dieses Jahres die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit, der Behörden und der sonstigen Träger öffentlicher Belange zum Vorentwurf des Bebauungsplanes beschlossen. Das geschieht vom 9. April bis einschließlich 10. Mai 2021. Jedermann kann dazu Stellung nehmen. Nach Abwägung werden die Hinweise und Forderungen mit in das planrechtliche Verfahren einfließen. Auch noch weitere Gutachten werden da mit einbezogen, so zum Beispiel auch ein Fachgutachten zur Optimierung des Windertrags als Mindest- und Höchstmaß. Eine Umweltprüfung macht sich ebenfalls erforderlich. Welche Pläne und Unterlagen noch benötigt werden, wird sich aus der frühzeitigen Beteiligung der Bürger, Behörden, Organisationen und Verbände ergeben. Bürgermeister Mirko Knöfel: „Das Ganze ist natürlich ein aufwendiger und langwieriger Prozess. Mit einem Abschluss des Verfahrens zum Bebauungsplan ist wahrscheinlich erst im zweiten Halbjahr 2022 zu rechnen.“

Im Haushalt der Gemeinde sind 72 000 Euro an Planungskosten für den Bebauungsplan vorgesehen. „Ob das reichen wird, hängt aber vom Umfang des Verfahrens ab. Wir stimmen uns im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung mit den Behörden ab“, so der Bürgermeister.

Für und Wider zum Ausbau

Jetzt schon ist abzusehen, dass es ein lebhaftes Für und Wider von Bürgern und Gemeinschaften zum Windrad-Ausbau an der Baeyerhöhe geben wird. Befürworter, Gegner und Skeptiker werden ihre Argumente in die Waagschale werfen. So werden Gegner diese Windkraftanlagen als optische Luftverschmutzung bewerten, die das Landschaftsbild dominant prägen und selbst von Radebeul und vom Elbtal aus dann noch zu sehen sein werden. Erhebliche Nachteile für den Tourismus und für die Kulturlandschaft in den linkselbischen Tälern würden sich als Folge der Propeller-Masten ergeben. Darunter werden wohl auch Leute sein, die die Ansicht des ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf vertreten, der 2001 die Windkraftanlagen als wahre Gelddruckmaschinen bezeichnete und die in markanten Landschaftsgebieten ökologisch sinnlos seien.

Befürworter wiederum werden darauf verweisen, dass die Klimaänderung jetzt schon stark spürbar sei und dass deshalb alternative Energiequellen, und so auch Windräder, die Zukunft seien. Da es auf der Baeyerhöhe mächtig pfeift, wäre dort ein guter Standort für weitere Anlagen, um hohe Stromerträge zu erzielen. Andere Bürger wollen sicher Gewissheit, ob sich an der Baeyerhöhe der Landschafts- und Naturschutz mit neuen Windrädern vereinbaren lässt. Bürger der Umgebung, die in vergangenen Jahren engagiert diese Kuppe als touristisches Ausflugsziel mit Bänken, Anschauungstafel und Weitsicht-Infos gestaltet haben, befürchten dagegen, dass Riesenwindräder die Höhe zustellen werden und dass dann diese kulturelle Besonderheit wie in einem schmalen eingegrenzten Kleingarten ein kümmerliches Dasein fristen werde. Und Anwohner der betreffenden Orte sehen noch stärkere Belastungen durch Lärm und Schattenwurf auf sich zukommen und befürchten einen weiteren Wertverlust ihrer Häuser. Dagegen werden sich wohl etliche Landeigentümer an der Baeyerhöhe, die schon Verträge mit Windrad-Betreibern unterschrieben haben, bedeckt halten, um im Dunkeln zu bleiben und nicht ins Gerede zu kommen.    

Text und Fotos Dieter Hanke, 31.04.2021