Gewinn für Natur und Umwelt

Der einst verrohrte Krebsbach an der Triebischtalbrücke bei Tanneberg wurde jetzt auf einer Länge von 125 Metern wieder offengelegt...

...Das ist schon beeindruckend: Direkt unter den Pfeilern der imposanten Triebischtalbrücke an der Dammmühle an der Straße zwischen Groitzsch und Tanneberg, die mit einer Länge von 427 Metern und einer Höhe von 47 Metern auf der A 4 dieses Tal der Triebisch überquert, schlängelt sich seit Kurzem in reizvollen Schlingen ein Bach. Der Krebsbach war dort seit mehreren Jahrzehnten auf etwa 125 Metern Länge auf der Wiese vom Straßendamm bis zur Mündung in die Triebisch verrohrt gewesen. Wahrscheinlich schon beim AutobahnbauBrcke Tanneberg Mitte der 1930-er Jahre wurde der Krebsbach beeinträchtigt, und später zu DDR-Zeiten, wo die Wiese in dieser Talaue melioriert und Drainagen eingebaut wurden, verschwand der Bach in diesem Abschnitt völlig von der Bildfläche. Das wurde nun korrigiert. Der Anblick von der Triebischtalbrücke, die in der zweiten Hälfte des 1990-er Jahrzehnts entstand, sowie dem neuen Bachlauf ist jetzt gewissermaßen ein Gegensatz und zugleich eine einzigartige Harmonie zwischen moderner Technik und Natur. Auf einer Wanderung in diesem schönen Triebischtal von Groitzsch in Richtung Tanneberg werden dem Betrachter an dieser Stelle da wohl einmal die markanten trompetenförmigen Stützenköpfe am oberen Ende der Stahlbetonhohlpfeiler der Triebischtalbrücke auffallen und zum anderen die neue Führung des Krebsbaches mit dem solide ausgebauten Bachbett und einer Furt für Fahrzeuge von Landwirtschaft und Autobahnmeisterei.

Alte Betonrohre ausgegraben

Von Februar bis Ende April 2021 hat die Nitsche Bauunternehmung GmbH aus Meißen dieses Vorhaben bewältigt. Die Planung dafür machte das Ingenieurbüro Müller-Miklaw-Nickel aus Miltitz gemeinsam mit dem Planungsbüro Schubert aus Radeberg. Die an die 60 Jahre alten Betonrohre mit einem 300 Millimeter Durchmesser in etwa einem Meter Tiefe in der Erde wurden ausgegraben und entsorgt. Ein völlig neues Bachbett auf 125 Metern Länge entstand. „So wie in früheren Zeiten der Verlauf einmal war“, sagte Planer Olaf Nickel vom Miltitzer Ingenieurbüro. Ein Messtischblatt vom Land Sachsen aus dem Jahr 1911 mit der ursprünglichen Führung des Baches diente dafür als Vorlage. Der offene Bach ist jetzt knapp einen Meter tief, etwa sechs bis sieben Meter breit von der Oberkante der Böschung. Wasserbausteine stabilisieren Bachabschnitte, Prallhänge sowie Sohlschwellen und eingebauter Rollkies sollen einen geordneten Wasserverlauf ermöglichen und Ausspülungen und Ablagerungen vermeiden. Allein an die 80 t Granodiorit aus dem Kleinschönberger Hartsteinwerk wurden als Wasserbausteine verwendet, wie Thomas Gerlitz (48), Geschäftsführer des Meißner Bauunternehmens Nitsche sagte. Die sehenswerten Schlingen des neuen offenen Bachverlaufs unter der Triebischtalbrücke heißen in der Fachsprache Mäander, eine Bezeichnung in Anlehnung an  Flüsse in der heutigen westlichen Türkei, die für ihre zahlreichen Flussschlingen schon in der Antike bekannt waren.

 Dank von der Gemeinde

„Die Bauleute haben solide gearbeitet. Dafür ihnen ein Dankeschön und ebenso den Planern und weiteren Beteiligten an diesem Bauwerk“, sagte Michael Hegenbart, Bauamtsleiter in der Gemeinde Klipphausen, zur Fertigstellung des Projekts Ende April. Die Gemeinde freue sich, dass mit dieser Offenlegung des KrebsbachesGruppenbild Tanneberg hier nicht nur die Landschaft ökologisch aufgewertet wurde, sondern damit zugleich auch in diesem Bereich beträchtliche Hochwasserschäden aus dem Jahr 2013 beseitigt worden sind, was auch der eigentliche Anlass für dieses Vorhaben war.

So hatten damals die Fluten das Einlaufbauwerk zur Verrohrung des Baches am Damm an der Straße sowie auch Betonrohre mit Sedimenten, Ästen und Strauchwerk völlig zugesetzt. Wasser konnte nicht mehr richtig ablaufen. Es gab auch etliche Ausspülungen vor dem Einlaufbauwerk. „Durch diesen Zustand waren das Gelände und die Straße gefährdet. Es musste Abhilfe geschaffen werden“, so der 61-jährige Planer Olaf Nickel. Mit dem Vorhaben zur Offenlegung des Baches nach den Richtlinien des Sächsischen Wassergesetzes wurde so nicht nur der Einlauf am Straßen-Hochdamm erneuert, sondern auch der Mündungsbereich des Baches in die Triebisch.

Größere biologische Vielfalt

„Es war eine schöne, interessante Aufgabe für uns. Wir haben Hochwasserschäden beseitigt und vor allem aber hier der Natur ihr ursprüngliches Aussehen zurückgegeben“, bemerkten Baggerführer Heiko Winkler (49) und Bauarbeiter Steffen Jacob (62) vom Baubetrieb Nitsche.

Für Henning Klein vom Sachgebiet Naturschutz im Landratsamt Meißen ist deshalb auch dieses Projekt ein nachahmenswertes Beispiel. „Mit der Offenlegung des Baches in diesem Abschnitt wurde die Natur wieder bereichert und das Landschaftsbild verschönert“, meinte er. Es seien damit auch Voraussetzungen für eine größere biologische Vielfalt am und im Gewässer geschaffen worden. Stein- und Köcherfliegen und weitere Kleinlebewesen werden sich jetzt hier ausbreiten können.

Auch für Michael Neumann von der Autobahnmeisterei Dresden-Nickern, die auf der A 4 vom Dreieck Nossen bis zum Dreieck Dresden-West zuständig ist, sei das Vorhaben eine vorteilhafte Sache für Umwelt und Natur. „Wir kontrollieren in diesem Revier die Bereiche und Anlagen an der A 4. Unterhalb der Triebischtalbrücke wurde damit auch für mehr Sicherheit gesorgt“, so der stellvertretende Autobahnmeister. Etwa 120 000 Euro hat dieses Gesamtvorhaben der Hochwasserschadensbeseitigung gekostet. Der Freistaat Sachsen förderte dieses Projekt zu 100 Prozent, wie die Gemeindeverwaltung informierte. 

Insgesamt 1 200 Meter lang

Der Krebsbach kommt aus dem Krebsgrund, der sich hier parallel zur A 4 erstreckt. Er wird von Quellen und Oberflächenwasser gespeist und ist insgesamt knapp 1 200 Meter lang, wie Dipl.-Ing. Olaf Nickel bemerkte. Diese Landschaft hier im Triebischtal zwischen Groitzsch und Tanneberg ist geschützt. Einmal befinden sich dortGelb ein Flora-Fauna-Habitat sowie auch ein Vogelschutzgebiet nach EU-Richtlinien und zum anderen gehört dieses Gebiet zum Landschaftsschutzgebiet Triebischtäler. Im Vorjahr wurde der Wanderweg von Tanneberg nach Groitzsch instandgesetzt. Die Bauunternehmung Nitsche war da ebenfalls im Einsatz gewesen. „Wir freuen uns, wenn wir als Unternehmen mit einbezogen werden, um Natur und Umwelt in der Region sowie auch mit weiteren Vorhaben die Infrastruktur zu verbessern und die Entwicklung in der Gemeinde Klipphausen mit zu fördern“, sagte Geschäftsführer und Rohrleitungsbaumeister Thomas Gerlitz. Das Meißner Unternehmen hat in der Vergangenheit schon etliche Vorhaben auf Klipphausener Fluren mit gemeistert – so unter anderem bei der Hochwasserschadensbeseitigung an Bächen, Straßen, Wegen und Böschungen. Das Regenrückhaltebecken in Röhrsdorf wurde von diesen Bauleuten ebenfalls mit errichtet, sie rissen auch den alten Trinkwasser-Hochbehälter in Sora ab und gestalteten dort die Außenanlagen.

 

Text und Fotos Dieter Hanke, 01.06.2021