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UNESCO-Welterbetitel

Übergabe von FördermittelnDen Satz vom Reichen, der arm geheiratet hat, möchte Klipphausens Bürgermeister Gerold Mann nicht hören: „Das ist alles Quatsch. Beide Orte – Triebischtal wie Klipphausen – haben erst nach langen Überlegungen und vielen Gesprächen das Abenteuer Fusion gewagt. Die Mitgift jeder Gemeinde ist ein Gewinn für die Region.

“ Es vergeht kein Monat, in dem Klipphausen nicht zu einer Einweihung, Übergabe von Fördermitteln oder Teilhabe an so großen Vorhaben wie dem Werben um den UNESCO-Welterbetitel einlädt. Das Triebischtal ist dabei eine bevorzugte Adresse, so wie im Februar in Miltitz. Landrat Arndt Steinbach überreichte Pfarrer Christoph Rechenberg und dem Kirchenvorstand einen Bescheid in Höhe von 213.494 Euro für die Außensanierung der Miltitzer Kirche. Die restlichen 25 Prozent „spendiert“ die Landeskirche.
Auf vielen Kommunen im Landkreis Meißen lastet der Zwang, aktuelle Förderprogramme zu nutzen, bevor die Mittel endgültig zurückgefahren werden. Für die ehemalige Gemeinde Triebischtal war das ein Grund, sich frühzeitig nach einem Partner umzusehen. Dieter Schneider sitzt an diesem Vormittag im Gemeindeamt Außenstelle Röhrsdorf. Der ehemalige Triebischtaler Bürgermeister und jetzige Beigeordneter war immer ein Politiker mit Visionen. Die engen Grenzen ihrer Realisierung setzte die Gemeindekasse. Zweifelsfrei gehören das kleine und große Triebischtal zu den schönsten
Landschaften im Elbtal. Aber: 30 Prozent der Flächen stehen seit vielen Jahrzehnten unter dem Schutz der Eule, sind als
LSG, NSG oder FFH-Gebiete ausgewiesen. Keine Chance für große Unternehmen, aber vielleicht für mehr Tourismus? „Die Einnahmen der Gemeinde und unsere Wünsche“, sagt Dieter Schneider, „ließen nur zwei Alternativen zu, Steuererhöhung oder Fusion mit einer Nachbarkommune.“ Es wurde die Fusion! Und jetzt folgen die Träume? „Seit zwei Jahrzehnten arbeiten wir an dem Image unseres Triebischtales als Top-Adresse für die Naherholung“, betont Dieter
Schneider. Das Initial war der Deutsche Mühlentag. Mit diesem Konzept rückte die Triebisch mit ihren Mühlen an die Spitze der Pfingstplanungen ganz vieler Familien. Und sie kommen immer wieder, nicht nur zum Mühlentag. Parallel dazu hat sich eine enge Partnerschaft zur Burg Furchtenstein in Österreich entwickelt. Ideen werden ausgetauscht, gegenseitige Besuche sind längst nicht mehr nur Termine des Gemeinderates. Rund 10.300 Einwohner zählt die Gemeinde Klipphausen. Sie beginnt an der A 4 und endet in den linkselbischen Tälern. Der Bogen von Wirtschaft in Klipphausen zur
Natur im Triebischtal könnte eindrucksvoller kaum sein. Die Meißner Acht ist die sportliche Herausforderung für Radfahrer
im Triebischtal, es gibt auch gemütliche Wanderwege, kleine Gasthäuser, im Sommer das Miltitzer Jahnbad oder Schlösser wie Batzdorf und Scharfenberg. Das Miltitzer Kalkbergwerk, das die Gemeinde 1990 vom Stahlwerk Riesa übernommen hat, ist mit seinen Konzerten, Puppenspielen und selbst den Fledermäusen, zu denen sich Gemeinde und Landkreis mal kurz in die Haare gekommen waren, eine gefragte Adresse. Doch das absolut ehrgeizigste Projekt im gesamten Landkreis Meißen ist die Teilnahme am Wettbewerb um den Titel UNESCO-Weltkulturerbe. Silber, Erz und
Kalk waren die Schätze der Vergangenheit, die der Zukunft sind Stollen und Anlagen. Es gibt bereits einen geologischen Lehrpfad. Dieter Schneider holt den Aktenordner aus dem Schrank: „Gemeinsam mit Freiberg, Annaberg-Buchholz, Schneeberg oder Aue bewerben wir uns um den Titel, der 2015 vergeben wird.“ Die Montane Kulturlandschaft – d. h. die Bewerbung dazu – besteht aus acht Themen (Teilen), 44 Elementen, eines davon ist der Rothschönberger Stollen, und 520 Orten. Wer sie alle besuchen will, braucht Tage. Es ist eine Reise in die Geschichte Sachsens und des Bergbaus, was Abenteuer und Erkenntnisgewinn verspricht, etwas Mut verlangt und ganz viel Naturerlebnisse garantiert. Selbst wenn der Titelkampf nicht erfolgreich sein sollte, ist Sachsens historischer Bergbau um vieles bekannter geworden. Das ist auch das Ziel des Tourismuskonzeptes im Triebischtal der Gemeinde Klipphausen. In nächster Zeit sind Parkplätze zum Einstieg in die Meißner Acht oder für Wanderungen geplant, ein Flyer mit den Sehenswürdigkeiten wird ebenso vorbereitet wie der Mühlentag 2013, es beginnt die Kirchensanierung, die Preiskermühle ist längst ein Schmuckstück und es steht der Frühling vor der Tür. Die schönste Jahreszeit in den linkselbischen Tälern!
Dr. Kerstin Thöns
Pressesprecherin Landratsamt Meißen